- Arbeitgeber wollen sich Westangebot anschließen -
Die Tarifverhandlungen für die rund 134.000 Beschäftigten in der sächsischen Metall- und Elektroindustrie sind am Dienstag ohne Ergebnis vertagt worden.
Ein neuer Verhandlungstermin wurde nicht vereinbart.
Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, erklärte: „Die Arbeitgeber haben eine weitere Chance für eine friedliche Verhandlungslösung vertan. Sie sahen sich nicht in der Lage, ein konkretes Angebot vorzulegen. Der VSME folgt damit der Regie von Gesamtmetall. Allerdings wurde der IG Metall in Aussicht gestellt, das man sich einem Angebot aus westdeutschen Tarifgebieten anschließen würde“.
Die IG Metall fordert eine Erhöhung der Entgelte und Ausbildungsvergütungen in Höhe von fünf Prozent bei einer Laufzeit von 12 Monaten.
Darüber hinaus strebt die Gewerkschaft den Abschluss von Tarifverträgen über vermögenswirksame Leistungen und zur Erweiterung der Mitbestimmungsrechte im Bereich Qualifizierung und Innovation an.
„In der laufenden Tarifrunde gebe es keinen Grund für Bescheidenheitsdebatten und Sonderwünsche der sächsischen Arbeitsgeber“, sagte Höbel und sieht sich durch aktuelle wirtschaftliche Rahmendaten für Ostdeutschland bestätigt.
Das industrielle Wachstum betrug in Ostdeutschland real 5,6 Prozent. Die ostdeutschen Betriebe profitierten dabei von dem mit 2,7 Prozent auch in den alten Ländern kräftigen Zuwachs. Dies kommt den stärker auf inländische Nachfrage ausgerichteten Betrieben zu Gute. Gleichzeitig ist allerdings auch die Exportquote auf gut 35 % in der Metall- und Elektroindustrie gestiegen.
Die gestiegene Wertschöpfung wurde bei leicht gesunkener Beschäftigung erreicht, so dass die Produktivität um etwa 7 1/2 Prozent gestiegen ist.
Die Lohnstückkosten liegen im Ost-West-Vergleich nun glatt zehn Punkte unter dem westdeutschen Niveau. Der Abwärtstrend ist stabil.
Der mittlerweile deutliche Lohnkostenvorteil in der ostdeutschen Industrie ist in der Realität vergleichbarer Betriebe noch stärker, denn der hier ausgewiesene Wert berücksichtigt nicht die geringeren Betriebsgrößen im Osten, die den Durchschnitt der Pro-Kopf-Produktivität drücken.
Die ostdeutsche Industrie wird sich auch im Jahr 2006 gut entwickeln. Investitionen, Kapazitätsauslastung und Auftragseingänge sprechen dafür, dass das Wachstum in diesem Jahr noch stärker ausfallen wird als 2005. Die IG Metall rechnet mit mindestens 7 ½ Prozent.
So steigt die Metall-Beschäftigung nach amtlichen Statistiken seit 1998 um durchschnittlich 3500 Arbeitsplätze pro Jahr an, bei der Industriearbeitsplatzdichte konnte Sachsen inzwischen die ersten West-Bundesländer überholen.
Das gesamtwirtschaftliche Wachstum in Sachsen sei seit 2001 immer besser als im Ostdurchschnitt, die Umsätze in der Metall- und Elektroindustrie haben sich in sieben Jahren mehr als verdoppelt und die Automobilindustrie liege wieder auf Wende-Niveau.
Nach Angaben des Ifo-Institutes Dresden wächst die sächsische Industrie auch im Jahr 2006 um real neun Prozent.