Vergangenen Freitag hat es dann doch noch geklappt. In der vierten Runde in Chemnitz konnte die IG Metall mit den Arbeitgebern der ostdeutschen Textil- und Bekleidungsbranche endlich einen Abschluss erzielen. Danach erhalten die 16 000 Beschäftigten im Osten in den nächsten zwei Jahren ein Plus von 5,6 Prozent.
Die 4. Tarifverhandlung für die ostdeutsche Textilindustrie wurde kurzfristig verlegt. Sie bleibt in Chemnitz und findet auch am 19. April statt, doch der Verhandlungsort ist nunmehr das Chemnitzer Gewerkschaftshaus, anstatt die traditionellen Räume im TCC beim Arbeitgeberverband. Der Hausherr des Technologie Centrum Chemnitz (TCC) bietet Existenzgründern Beratung und Unterstützung sowie das passende Umfeld für Entwicklung und Wachstum - demokratische Grundrechte gehören aber offensichtlich nicht zu deren Programm. Sie wollen keine Tarif-Kundgebung auf dem Grundstück.
Der erste Warnstreik seit Bestehen des Werkes war ein voller Erfolg. Rund 300 Beschäftigte und Leiharbeitnehmer des Autozulieferers Johnson Controls legten am 10. April die Arbeit nieder und forderten ein besseres Angebot der Arbeitgeber. Die IG Metall hatte im Rahmen der Tarifrunde für die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie zu Warnstreiks aufgerufen.
Zum 1. April sind weitere Branchenzuschläge für Leiharbeiter in der Textilindustrie und in der Holz- und Kunststoffindustrie in Kraft getreten. Sie erhalten umso mehr Geld, je länger sie an einen Betrieb ausgeliehen sind.
In der 3. Verhandlungsrunde am 26. März 2013 in Gera legten die Arbeitgeber ein weiteres Angebot vor; nicht ausreichend und mit zu langer Laufzeit. Bis in die Nacht hinein konnte kein akzeptables Ergebnis erzielt werden.
Rund 200 Textiler kamen am Samstag zur Aktionskonferenz nach Chemnitz. Grund ist die bevorstehende dritte Verhandlungsrunde am Dienstag in Gera. Kommt von den Arbeitgebern dann wieder kein verhandelbares Angebot, wollen die Textiler nach Ablauf der Friedenspflicht in Warnstreiks treten. Das war die Botschaft aller Teilnehmerinnen aus Chemnitz.
Für die Branche der Textilen Dienstleistungen (Großwäschereien) wurde ein Tarifergebnis zwischen dem Industrieverband Textil Service (Intex e.V.) und der IG Metall vereinbart, mit dem Flächentarif und Mindestlohn noch bis zum Jahr 2015 gesichert werden.