Tarifrunde 2018/Metall-und Elektroindustrie

Tarifrunde 2018: Lasst uns anfangen! Ja zu sechs Prozent mehr Geld, Ja zu selbstbestimmter Arbeitszeit

  • 04.11.2017
  • md
  • Aktuelles, Tarif, Metall-/Elektro, Bildergalerie

Die Zwickauer Stadthalle war brechend voll: 1 500 Metallerinnen und Metaller hatten sich angekündigt, weit über 2 000 waren gekommen – aus Berlin, Brandenburg und Sachsen zum Auftakt der Tarifrunde 2018 der Metall- und Elektroindustrie. Schon auf der Demonstration zum Veranstaltungsort setzten sie deutliche Akzente: Wir stehen für die Forderungen nach sechs Prozent mehr Geld und nach besseren Arbeitszeiten. Mit dabei waren der 1. Vorsitzende der IG Metall, Jörg Hofmann, und Bezirksleiter Olivier Höbel.

Tarifauftakt für 2018 in Zwickau: Für sechs Prozent und Arbeitszeiten, die zum Leben passen Foto: Wolfgang Zeyen

Transparente und Sprechchöre auf dem Zug zur Stadthalle brachten es auf den Punkt: Wir liefern Leistung ab, wir sind flexibel, wir sind effizient - wir bringen den Unternehmen die Gewinne ein. Ihre Botschaft: Der Druck und die Flexibilitätsanforderungen an die Beschäftigten sind übergroß geworden. Arbeit und Leben lassen sich immer schwerer miteinander vereinbaren, und das wollen wir lösen. Unsere Forderungen sind mehr als berechtigt.

 

„Sechs Prozent, das ist drin, das haben wir uns erarbeitet, und das holen wir uns jetzt“, sagte Jörg Hofmann, 1. Vorsitzender der IG Metall. 27 Jahre nach der Einheit sei es an der Zeit, den Prozess der Ost-West-Angleichung der Arbeitszeit endlich in Gang zu setzen. "Soziale Gerechtigkeit durchzusetzen braucht Mitgliederstärke und Kampfkraft der IG Metall", betonte er.

 

Die in der Wirtschaft geforderte Flexiibilität sei keine Einbahnstraße. "Wir wollen Arbeitszeiten, die zum Leben passen, und das Leben ist kein Tempomat. Wir brauchen die Chance, mal auf Tempo 28 runterzugehen oder bei Schichtarbeit zehn Schichten wegzulassen für die Kinder oder die Pflege Angehöriger." Die IG Metall wolle die 28 als Wahlarbeitszeit für Ost und West durchsetzen. Damit sich das alle leisten könen, müsse es einen Teillohnausgleich geben. Hofmann erinnerte die Arbeitgeber haben soziale Verpflichtung. Stellen wir uns auf eine harte Auseinandersetzumg ein. Wir führen einen Verteilungskampf nicht nur um Geld, sondern auch um Selbstbestimmung."

 

„Dass wir die Arbeitszeit thematisieren, hat einen Nerv der Beschäftigten getroffen", sagte Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. Damit liegen die in einer großen Befragung der IG Metall formulierten Probleme nun auf dem Verhandlungstisch. Es geht nicht nur um Geld. Die Beschäftigten wollen das Verfügungsrecht über ihre Zeit nicht mehr allein den Arbeitgebern überlassen, sondern darüber mitbestimmen, wann und wie lange sie arbeiten – insbesondere bei belastenden Arbeitszeitsystemen wie Schichtarbeit, wenn Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen sind. "Das gilt erst recht im Schicht-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen", betonte Höbel.



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