"Werkverträge im Mercedes-Benz Werk Marienfelde": Robert Bartsch unf Patrick Hesse

Robert Bartsch
Patrick Hesse

Ein Betrieb – eine Belegschaft. Patrick Hesse und Robert Bartsch setzen sich dafür ein. Oft ist die Einheit ein Idealbild und nicht mehr betriebliche Realität. Gemeinsam haben sie im Mercedes-Benz Werk Marienfelde recherchiert, wie es um das Thema Werkverträge steht. Immer mehr Arbeit wird von Arbeitgebern über Werkverträge ausgegliedert und das oft zu deutlich schlechteren Bedingungen für Beschäftigte.

 

Patrick und Robert haben während der ersten Qualifizierungsreihe eine Betriebslandkarte für das Mercedes-Benz Werk in Marienfelde erstellt.

 

„Einen Werkplan bekommt ja bei uns jeder in die Hand gedrückt, damit hatten wir den Anfang“, berichtet Patrick. „Es folgten viele sehr vertrauliche Gespräche mit Kollegen, die auf Werkvertragsbasis im Werk arbeiten. Meine Kollegen in den Hallen haben mir oft Tipps gegeben, um in Kontakt mit den Werkvertrag-Kollegen zu kommen.“

 

Kollegen mit Werkverträgen können oft nicht offen über ihre Situation sprechen, da sie häufig unter Beobachtung stehen und dem Auftraggeber gemeldet wird, wenn sie sich mit Betriebsräten oder Vertrauensleuten unterhalten. „Einiges haben wir von Kollegen aus dem BMW Werk in Leipzig gelernt“, so Patrick. „Die haben uns gute Tipps und Tricks auf den Weg gegeben.“

 

Die entstandene Betriebslandkarte wird nun im Mercedes-Benz Werk weiter bearbeitet. Immer mehr Informationen fließen zusammen – aus den unterschiedlichsten Quellen. Das Thema Werkverträge steht oben auf der Agenda der Betriebsräte und Vertrauensleute im Werk. Im Einzelfall werden Werkvertrags-Kollegen unterstützt und beraten. Die Arbeit am Projekt hat Patrick Hesse in eine Arbeitshilfe fließen lassen. Eine 34-seitige Präsentation führt ein in das Thema Werkverträge und zeigt auf, wie eine Betriebslandkarte erstellt wird.                            zurück


"Mitgliedermapping bei Schnellecke": Guido Machowski - Schnellecke Leipzig

Guido Machowski

Mehr Mitglieder für die IG Metall gewinnen, war das Ziel von Guido Machowski als er im Sommer 2013 mit dem Projekt zum Metallmitgliedermapping bei Schnellecke begonnen hat.

Als Gesamtbetriebsratsvorsitzender arbeitete er in einem Unternehmen, das sehr schnell gewachsen ist. In einem Vier-Schicht-Betrieb ist es schwer, mit den Kollegen regelmäßig in Kontakt zu kommen.

 

Schon während der Projektphase gelang es Guido, gemeinsam mit Kollegen insgesamt 20 neue Mitglieder für die IG Metall zu gewinnen. Inzwischen sind es noch viel mehr geworden.

 

Guido hat während des Projektes erlebt, wie wichtig Vertrauensleute für den Kontakt zu Kolleginnen und Kollegen im Betrieb sind. Sie sind im ständigen direkten Kontakt.

 

Nach anfänglichem Nörgeln bei Vertrauensleute-Sitzungen wurde schnell ein Plan gemacht und gehandelt. Vertrauensleute-Arbeit muss Spaß machen. Da wird auch mal mit Klebezetteln in den Umkleiden gearbeitet oder anderen pfiffigen Werbemethoden. Mit Klebezetteln oder mit anderen Methoden machen die Kollegen im Betrieb sehr kreativ auf die Betriebsversammlung und andere Themen aufmerksam.                zurück


"Vertrauensleute motivieren und Angestellte aktivieren": Jenny Reßler - Mercedes-Benz Ludwigsfelde GmbH

Jenny Reßler

Jenny Reßler hat gemeinsam mit den Kollegen Marcel Bubner und Étienne Rehfeldt ein zweiteiliges Projekt durchgeführt. Zum einen ging es darum, die bestehende Vertrauensleutearbeit am Standort auszubauen und zu festigen sowie Vertrauensleute für den Betriebsrat zu gewinnen. Der zweite Teil des Projekts widmete sich den Angestellten. Angestellte sollten für Gewerkschaftsarbeit begeistert werden.

Vorrangiges Ziel war, neue Vertrauensleute für die Gewerkschaftsarbeit zu gewinnen, da die Zahl der aktiven Vertrauensleute im Werk aufgrund von Umstrukturierungen und Personalabbau stark gesunken war. Dafür wurde eine Kommunikationsstrategie entwickelt und die Öffentlichkeitsarbeit verbessert.

Dem Team ist es gelungen, Vertrauensleute für den Betriebsrat zu begeistern, und mit der Wahl im März 2014 wurden auch einige in den Betriebsrat gewählt. Das festigt die gemeinsamen Strukturen.

 

Auch eine Aktion für Angestellte in der Kantine hat Wellen geschlagen. In einer Mittagspause wurden gemeinsam mit den Vertrauensleuten Lunchtüten mit Powerriegeln und Infomaterial der IG Metall an 400 bis 500 Kolleginnen und Kollegen verteilt. Das Motto war „Gestärkt in die nächste Amtsperiode“. Das Interesse war gut – und es kamen einige neue Kontakte zustande.

 

Seit Ende 2013 drehen sich alle betrieblichen Aktivitäten im Werk in Ludwigsfelde meist um den Standorterhalt. Bis 2017 soll das derzeitige Produkt noch am Standort gefertigt werden. Das Folgeprodukt ab 2018 wurde ausgeschrieben. Die Projektideen zur Aktivierung der Angestellten wurden erst einmal zurückgestellt.     zurück


"Neuausrichutung der Vertrauenleute-Struktur und Neuwahl der betrieblichen Tarifkommission": Daniel Pfeifer - KBA Bogenoffset Radebeul

Daniel Pfeifer

Das Ziel der Belebung und Neuausrichtung des Vertrauenskörpers:

Die Suche nach geeigneten Kandidaten – in den durch die Vertrauensleute nicht abgedeckten Bereichen – ist erfolgreich verlaufen. Dazu war eine genaue Recherche der zum damaligen Zeitpunkt bestehenden Strukturen aus Betriebsrat – Vertrauensleute – Tarifkommissions-Mitgliedern und deren Arbeitsbereichen notwendig. Hierfür habe ich ein Projekttagebuch verwendet. Darin wurden die einzelnen Projektschritte, der geplante Zeitablauf und der Ist-Projektstand dokumentiert. Die Dokumentation meiner Recherche ist mit diesem wichtigen Instrument gut gelungen.

Im Rahmen des Projektes konnten erstmals Ankerpunkte in „vertrauensleutenfreien“ Bereichen gesetzt werden. In Betriebsteilen und Meisterbereichen, in denen es zuvor keine konkreten Ansprechpartner gab, sind jetzt gewerkschaftliche Ansprechpartner und Organisatoren verankert. Im November 2013 haben sich zehn „neue“ Vertrauensleute erfolgreich ihrer Aufgabe gestellt. Damit hatte ich schon vor Projektende ein wichtiges Etappenziel erreicht.

 

Das zweite Ziel der Neuwahl der betrieblichen Tarifkommission:

Dieser Projektteil musste aus betrieblichen Gründen auf die Zeit nach dem geplanten Projektende verschoben werden. Seit 2015 steht nun aber eine neu gewählte betriebliche Tarifkommission.

 

Erfolge: Der bestehende Vertrauenskörper bei uns wurde gestärkt und einige „mitbestimmungsfreie“ Bereiche im Betrieb geschlossen. Durch die Erweiterung des Vertrauenskörpers ist eine deutliche Verjüngung des Altersdurchschnitts eingetreten. Die „Neuen“ konnten gut von den Erfahrungen des vorhandenen Vertrauensleute-Teams profitieren.

Die neue betriebliche Tarifkommission konnte ihre Arbeit aufnehmen und ihre ersten Entscheidungen treffen.

 

Und langfristig? Langfristig sind nun gefestigtere und breitere Vertrauensleute und Tarifkommissionsstrukturen im Betrieb vorhanden. Auch vor Entscheidungen und vor Tarifrunden kann nun so auf ein breiteres Meinungsbild zurückgegriffen werden. Es gibt bei uns jetzt auch einen besseren Informationsfluss.                       zurück


"Betriebsrat einmal andres: Wie verbreite ich Nachrichten oder aktuelle Themen?": Metin Bukan, Rüdiger Groß, Martin Streitberger und Enrico Liesigk (2. Modulreihe) - Siemens Schaltwerk Berlin

Metin Bukan
Rüdiger Groß
Enrico Liesigk (2. Modulreihe)
Martin Streitberger

Nachdem unsere Teilnehmerzahl bei den Vertrauensleute-Sitzungen über die Jahre stetig schrumpfte, suchten wir fast schon verzweifelt nach einem Ausweg aus dieser Situation. „Sind es unsere Themen? Sind wir zu langweilig? Sind es die Räumlichkeiten?“, fragten wir uns im Siemens Schaltwerk im Jahr 2013.

 

Ein bisschen von allem stellen wir im Nachhinein fest. Doch der Durchbruch zur heutigen veränderten Situation entstand durch einen Zufall. Einer von uns entdeckte die Möglichkeit, aus Outlook, Textnachrichten zu versenden. Damit können Nachrichten an Smartphones und Handys verschickt werden, die zwar auf 160 Zeichen begrenzt sind. Also die gute, alte SMS im Zeitalter von WhatsApp. Aber immerhin!

 

Nun passierte folgendes: Wir sammelten von allen, die mitmachen wollten, die Mobilnummern ein. Zu Beginn waren es gar nicht so viele. Und dann sendeten wir mit einem von Enrico geschriebenen kleinen Programm über Outlook unsere aktuellen Informationen. Die Neuigkeiten kamen gut an. Neugierig geworden gaben uns viele Kolleginnen und Kollegen nun auch ihre Mobilnummer. Sie wollten auch informiert sein. Schließlich waren die „Anderen“ schon Informiert, sprachen bereits über die Neuigkeiten.

 

Hier lag der Schlüssel zum Erfolg: Als Erster eine Information verteilen, eine Information als Erster zu empfangen. Es war ein wenig wie bei einem sportlichen Wettkampf mit Ehrung: „Der weiß was, den kannst Du fragen“. Wer möchte das nicht?

 

Plötzlich wurde die Arbeit der Vertrauensleute interessant. Die Kollegen wollten wissen, was wir machen. Das motiviert natürlich. Unsere Vertrauensleute-Sitzungen mussten inhaltlich und in der Durchführung nur noch ein wenig „entstaubt“ werden und fertig war der Erfolg.

 

Die Sitzungen der Vertrauensleute haben wir uns in der ersten Qualifizierungsreihe sehr genau angesehen und bearbeitet. Es wurde ein Aktionsplan entwickelt, der Grundlage für unsere Arbeit wurde. Wir lernten erfolgreich zu planen, uns über Risiken bewusst zu werden und diese überhaupt erst einmal zu entdecken. Ein weiteres Thema war es, den Kontakt im Gespräch zu erhalten, Botschaften interessant zu vermitteln und Werkzeuge für eine Versammlung richtig einzusetzen.

 

Mit frischem Schwung und neuem Wissen haben wir das gemacht. Erlebt haben wir allerdings in der ersten Qualifizierungsreihe, dass es nicht der erhoffte Selbstläufer wurde. Wir mussten als Team viel Energie und Zeit einbringen, damit alles am Laufen gehalten wurde.

 

Beispielsweise hatten wir uns eine „Schneeballkette für Informationen“ überlegt, um damit Mitglieder zu gewinnen. Bei der Schneeballkette sagt einer etwas zwei Kollegen weiter und diese machen weiter. Also werden Nachrichten schnell weitertransportiert, so unser Gedanke. Leider funktionierte es nicht. Doch dann hat unser Kollege Enrico die zweite Modulreihe besucht, die SMS als Kommunikationsmittel im Siemens Schaltwerk entdeckt. Jetzt lächeln wir wieder, weil es das fehlende Rädchen war.

 

Was ist der Erfolg? Wir haben heute gut besuchte Vertrauensleute-Sitzungen, in denen viele neue Themen diskutiert werden – und nicht mehr die ewig gleichen Themen. Der Betriebsrat berichtet den Vertrauensleuten jetzt regelmäßig und aktuell von den laufenden Verhandlungen und Neuigkeiten. Die Vertrauensleute-Arbeit im Schaltwerk macht jetzt richtig Spaß, denn sie ist lebendig und viele Neue machen mit.           zurück


"Strukturveränderung im Betrieb mitgestalten": Manuela Grimm - Wincor Nixdorf Taucha (bei Leipzig)

Manuela Grimm

Manuela Grimm arbeitet mit rund 50 Kolleginnen und Kollegen bei Wincor Nixdorf in Taucha bei Leipzig. Den Namen Wincor Nixdorf kennen viele vom Bankautomaten. Die Geräte des Unternehmens drucken Kontoauszüge und zahlen Bargeld aus.

Wincor Nixdorf gehörte ursprünglich zum Siemens Konzern, 1999 wurde es herausgelöst. Seit 2010 werden die kaufmännischen Aufgaben zur Abwicklung aller deutschen Aufträge als ein Tochterunternehmen in der Kleinstadt Taucha im Nordwesten Sachsens nordöstlich von Leipzig erledigt. Um die Kosten für die kaufmännische Abwicklung der deutschen Aufträge maximal zu senken, wurde die Tarifbindung gekündigt und neue Kollegen weit unter Tarif beschäftigt. Die Folge: Eine extrem unterschiedliche und ungerechte Bezahlung.

 

Im Jahr 2013 war Manuela Grimm in der ersten Modulreihe „Junge Aktive“ dabei. Sie hat in den letzten Jahren viele schwierige Situationen mit ihren beiden Betriebsratskollegen gemeistert. „Ich habe mein Projekt zur Strukturveränderung, Beschäftigungssicherung und zum Beschäftigtenaufbau bei mir im Unternehmen geplant. Die vielfältigen Rückmeldungen und Ideen meiner Kolleginnen und Kollegen im Projekt waren sehr hilfreich“, sagt Manuela Grimm.

 

„Mir haben gerade die Module zur Rhetorik, Verhandlungsführung und Teambildung sehr gut getan“, berichtet Manuela Grimm. „Solche Seminare hätte mir der Arbeitgeber nie genehmigt. Gerade hier habe ich sehr viel Wissen mitgenommen in meine tägliche Arbeit.“

 

Manuela Grimm hat ihr Projekt erfolgreich im Sommer 2014 abgeschlossen. Sie hatte sich vorgenommen, die breite Unterstützung aller Kolleginnen und Kollegen im Betrieb mit Veranstaltungen und Aktionen zu erreichen. „Unser Ziel war es, die vom Unternehmen geplanten Strukturveränderungen zu stoppen, die für die Kolleginnen zunehmende Monotonie und abnehmende Souveränität und Kreativität bedeuteten. Wir wollten die Übernahme von Leihmitarbeitern in Festverträge und zusätzliche Einstellungen organisieren“, erzählt sie. „Im Sommer 2014 hat unser Arbeitgeber Abstand von den Plänen genommen, unsere kaufmännische Arbeit zu zerteilen und jedem nur noch wenige Teilprozesse zuzuweisen und die Kollegen dadurch zu unselbständigen Befehlsempfängern zu degradieren. Lediglich ein kleiner Teil der ursprünglichen Pläne wurde umgesetzt.

 

„Wir organisierten über einen Zeitraum von mehr als einem Jahr die kontinuierliche Beteiligung der Belegschaft. Man traf sich außerhalb des Betriebes, öffnete die Mitgliederversammlung der IG Metall für alle, forderte die Betriebsleitung und den Vorstand des Unternehmens immer wieder zu Gesprächen auf, erarbeitete Fragebögen, um die Meinung der Belegschaft erfassen zu können und machte dies mehrmals zum Thema auf Betriebsversammlungen“, erzählt Manuela. „Das war ein großer Erfolg. Aber nicht der Einzige: Durch die hohe Anzahl der in der IG Metall organisierten Kolleginnen und Kollegen konnten wir gemeinsam erreichen, dass die Gehälter der seit 2010 neu eingestellten Kolleginnen und Kollegen in den Jahren 2010 bis 2014 um bis zu 30 Prozent gestiegen sind und heute nahezu Tarifniveau erreichen.“

 

Im November 2014 wurde Manuela Grimm für ihre engagierte Interessenvertretung im Rahmen des Mitbestimmungs- und Beteiligungskongresses der IG Metall in Mannheim mit dem ersten Platz des Mitbestimmungspreises ausgezeichnet.            zurück



Gruppen

Pinnwand







Mein Leben - Meine Zeit

  • Steven Kempe

    Betriebsratsvorsitzender, Benseler in Frankenberg

    "Ist es gerecht, dass ich 40 Stunden in der Woche arbeiten muss und weniger Zeit für meine Familie habe, nur weil mein Betrieb keine Tarifbindung hat?"

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  • Daniela Schwaiger

    Vertrauensfrau im VW Motorenwerk in Chemnitz

    "Ich will leben und etwas erleben - und nicht arbeiten, um zu überleben."

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  • Marco Thees

    Vorsitzender der Jugend- und Ausbildungsvertretung bei Bitzer in Schkeuditz

    „Viele qualifizierte Kollegen gehen in den Westen, weil sie dort weniger arbeiten für mehr Geld.“

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  • Jan Andrä

    stellvertretender Vertrauenskörper-Leiter im Volkswagen Sachsen Fahrzeugwerk in Zwickau

    „Wir brauchen ein anderes Bewusstsein für unsere persönliche Zeit."

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  • Vincent Reinhold

    Jugend- und Auszubildendenvertreter im VW Motorenwerk Chemnitz

    „Sonderschichten werden immer zusätzlich angeordnet. Das sind gerade Nachtschichten, die an die Woche drangehängt werden. Das ist für den Bio-Rhythmus kaum machbar.“

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