Kfz-Handwerk

Kfz-Arbeitgeber: Fachkräftemangel hausgemacht

  • 21.02.2017
  • bg
  • Aktuelles, Handwerk, Kfz, Berufliche Bildung, Jugend/Azubis

Am Montag trafen sich die IG Metall und die Arbeitgeber, um die Übernahmeregelungen der Ausgebildeten im Kfz-Handwerk zu verbessern. Bisher ist nach der Ausbildung eine verbindliche Einstellung von mindestens sechs Monaten tariflich geregelt. Die IG Metall will keine Befristung. Die Arbeitgeber lehnen das ab.

 

Zum neuen Tarifflugblatt gehts hier(pdf, 181 KB)

Eigentlich wäre die Geschichte hier schon fast zu Ende, wäre da nicht der sogenannte Fachkräftemangel. Die Arbeitgeber beklagen, dass es immer schwieriger wäre, gute Fachkräfte zu bekommen.

 

Ja was denn nun? Wieso werden dann die eigenen Auszubildenenden nach der Prüfung nicht fest übernommen?

 

Die Antwort fiel den Arbeitgebern sichtlich schwer. Auch für die Unternehmen sei es betriebswirtschaftlicher Unfug, erst 3-4 Jahre in die Ausbildung zu investieren und dann keine Anstellung anzubieten.

 

Fackkräftemangel hausgemacht

Für die IG Metall liegt es auf der Hand, dass der Grund für so einen vermeintlichen Fackkräftemangel hausgemacht ist. Wer nur befristete Verträge anbietet braucht sich nicht zu wundern, wenn jeder Dritte nach der Ausbildung im Kfz-Handwerk dann zur Industrie wechselt. Dort buhlen die Arbeitgeber natürlich auch um Fachkräfte. Allerdings bieten diese auch was an! Solide und verlässliche Perspektiven, die mit der IG Metall tariflich abgesichert sind.

 

Nur rund 57% der Auszubildenden  aus  dem  Handwerk bleiben nach Ende ihrer Ausbildung in ihrem Ausbildungsbetrieb. So lesen wir über den Kfz-Meister Adelbert Neuling aus der Altmark auf der Internetseite handwerk.com zum Thema Abwanderung, dass er kontinuierlich damit zu kämpfen habe, dass ausgebildete Fachkräfte abwandern. Der Grund, sagt er: „Sie vergleichen ihre Lohntüten – nicht nur mit der Industrie, sondern auch mit dem öffentlichen Dienst“. Dann wäre es mal Zeit was zu ändern.

 

Was ist denn in der Industrie besser als Handwerk?

Es fängt schon mal damit an, dass bereits im 1. Ausbildungsjahr 300 Euro mehr bezahlt werden.

Wer seinen Abschluss schafft, der bekommt auch eine Festanstellung. Das steht aber schon am Anfang fest. Und als Fachkraft sind tarfliche Einkommen von mindestens 2.800 Euro als Grundeinkommen gesichert. Plus Zuschläge und Leistungszulagen.

 

Wenn jetzt noch fragt, warum die jungen Menschen zur Industrie wechseln, sollte sich langsam den Schlaf aus den Augen wischen. Wir fragen uns, ob sich die Arbeitgeber einfach nicht in die Lebenswirklichkeit junger Menschen hineinversetzen können oder nur nicht wollen. Heutzutage ist Lage in den Betrieben schneller gepeilt, als die Arbeitgeber glauben. In der Berufsschule spricht es sich schnell rum, wer gut ausbildet und welcher Betrieb was taugt.und nur Sekunden später ist es im Netz für alle sichtbar.

 

Keiner will nach erfolgreicher Ausbildung als Mensch 2.Klasse behandelt werrden. Das ist respektlos!

Gerade junge Leute wollen Planungssicherheit, Verlässlichkeit und eine vernünftige Perspektive für die eigene Lebensplanung. Kredite kannst Du vergessen, wenn du befristet eingestellt bist. Da steht man auf der unteren Stufe in der Arbeitswelt, wie die Leiharbeiter.

 

Die IG Metall will das es fair zugeht, auch im Kfz-Handwerk! Was wir in der Industrie bereits durchgesetzt haben muss auch jetzt im Handwerk gelten. Und wir wollen das ebenso entschlossen durchsetzten. Dafür lohnt es sich auch mitzumachen.

 

Angebot der Arbeitgeber ist Unsinn!

Nach einer zähen Debatte, mit Unternehmer-Argumenten aus vergangenen Zeiten, boten uns die Arbeitgeber an, die Befristung auf ein Jahr auszudehnen. Aber nur, wenn die Prüfung mit mindestens Note 2,0 bestanden wurde!

 

Abgelehnt! Es gibt nur eine einziges Qualitätsurteil am Ende der Ausbildung: Bestanden oder nicht.

Es gibt aber tausend Ursachen für unterschiedliche Noten. Allen voran die Schule und der Betrieb selbst. Herrscht im Betrieb Chaos oder ist der Krankenstand deutlich höher als gewöhnlich, so leiden immer die Auszubildenden zuerst darunter. Wie ist der Umgangston? Welche Persönlichkeitsförderung findet statt?

 

Natürlich gibt es auch persönliche Gründe. Manche haben Prüfungsangst, andere haben persönliche Schwierigkeiten in der Theorie und wiederum andere haben auch persönliche Lernschwächen. Das war schon seit Anbeginn der Menschheit so. Dennoch wird gejammert und das nicht erst jetzt.

 

Ich habe überhaupt keine Hoffnung mehr in die Zukunft unseres Landes, wenn einmal unsere Jugend die Männer von morgen stellt. Unsere Jugend ist unerträglich, unverantwortlich und entsetzlich anzusehen.“ Aristoteles (384-322 v. Chr.)

 

Also, anstatt darüber zu sinnieren, wie man den Druck auf die Jugend erhöht, wäre es sinnvoller, mit der IG Metall zusammen, verlässliche und unbefristete Arbeitsplätze auch im Handwerk anzubieten.

 

Es gibt auch eine postive Meldung: Die Arbeitgeber sind bereit, den künftigen Tarifvertrag zur Übernahme auf ganz Ostdeutschland auszuweiten. Das ist auch gut so. 

 

Wie geht es jetzt weiter?

Wir haben die Diskussion vertagt auf den nächsten regulären Verhandlungstermin der diesjährigen Tarifrunde für das Kfz-Handwerk. Die Verhandlung findet am 3. April statt.

 

Bis dahin sollten alle Beschäftigten in den Betrieben das Thema Befristungen ruhig mal ansprechen. sei es in der Pause, am Arbeitsplatz oder am Thresen mit den Kunden. Auch in Betriebsversammlungen und an den Berufsschulen. 

 

Mitmachen nicht vegessen!

Natürlich kämpft keiner für sich allein erfolgreich. Wir freuien uns, wenn ihr andere Kolleginnen und Kollegen ansprecht und in der IG Metall Mitglied werdet.

 

Vorteile als Mitglied

 

 

 

 

 



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