Statement

René Utoff

Betriebsratsvorsitzender bei Volkswagen Sachsen Motorenwerk in Chemnitz

"Die Kolleginnen und Kollegen brauchen in Zeiten der Digitalisierung Zeit für Weiterbildung. Bei einer Reduzierung auf 35 Stunden könnte ein Teil der Zeit für die Qualifikation eingesetzt werden."

"Arbeitszeit ist in erster Linie ein Gerechtigkeitsthema. 27 Jahre nach der Deutschen Einheit sollte geregelt werden, dass alle die gleiche Arbeitszeit haben.

Als Betriebsrat haben wir die Aufgabe, Arbeitszeit so zu regeln, dass die flexiblen, individuellen Ansprüche der Kollegen und auch des Unternehmens erfüllt werden können.

Arbeitszeitverkürzung bringt auch für den Wandel der Arbeit - also die Digitalisierung - Vorteile. Die Kolleginnen und Kollegen brauchen Zeit für die Weiterbildung, um auch in Zukunft fit zu sein.

2003 stand ich Wochen vor dem Tor und wir mussten das Ergebnis so hinnehmen, wie es war. Trotzdem ist jetzt genau der richtige Zeitpunkt, um das Thema anzugehen. Das wird nicht einfach, aber es ist machbar. Wenn wir jetzt rechtzeitig mit den Kollegen über die Möglichkeiten reden, können wir sie auch überzeugen. Dann sind wir auch mobilisierungsfähig und durchsetzungsfähig.

Mit einer kürzeren Arbeitszeit können wir Familie und Arbeit besser vereinbaren. Das motiviert auch die Belegschaft.

Würden wir heute von 38 Stunden in der Woche auf 35 Stunden reduzieren, hätten wir 200 Arbeitsstunden zur Verfügung. Wenn wir einen Teil dieser Zeit für Qualifikation einsetzen würden, hätten alle etwas davon. Wichtig ist, dass jeder darüber entscheiden sollte. Wer Zeit für die junge Familie braucht oder für die Pflege Angehöriger, sollte die Zeit auch dafür einsetzen können. Wichtig ist mir, dass wir eine Gestaltungsmöglichkeit bekommen - und diese Gestaltung flexibel regeln können."

Volkswagen Sachsen Motorenwerk Chemnitz, 1.650 Beschäftigte. Im Werk werden kleine Ottomotoren - 3 + 4 Zylinder (1,0 und 1,4 Liter Hubraum) auch als Gasmotor und alternativer Kraftstoff sowie Komponenten produziert.