Tarif/Metall-Elektro

Für fünf Prozent Plus und mehr Tarifbindung! Start der Metall-Tarifrunde 2016 in Leipzig

  • 12.03.2016
  • md
  • Aktuelles, Bildergalerie, Tarif, Metall-/Elektro

Fröhlich, laut und bunt: Mit einer Demonstration und Kundgebung in Leipzig sind rund 1000 Metallerinnen und Metaller aus Berlin, Brandenburg und Sachsen am Samstag in ihre Tarifrunde 2016 gestartet. Sie fordern fünf Prozent mehr Geld für alle und wollen dabei auch diejenigen Belegschaften mitnehmen, die nicht länger für »Nasenprämien« arbeiten, sondern eine Tarifbindung ihrer Betriebe wollen.

IG Metall startet kämpferisch in Tarifrunde 2016

Außerdem soll für die Auszubildenden in Berlin und Brandenburg eine überproportionale Erhöhung und eine prozentuale Anbindung an das Facharbeiter-Eckentgelt durchgesetzt werden. Bislang verdienen Auszubildende in Berlin und Brandenburg rund 25 Euro weniger als in Sachsen.

 

Jörg Hofmann, Erster Vorsitzender der IG Metall, übte scharfe Kritik an der "konjunkturellen Schwarzmalerei" der Metallarbeitgeber: "Dafür besteht kein Anlass. Seit 2015 haben wir eine stabile Konjunktur. Die Ertragssituation ist auf einem ebenso hohen Niveau wie die Beschäftigung", sagte Hofmann. Die IG Metall werde ihren Kurs der letzten Jahre nicht verlassen, der den Beschäftigten deutliche Reallohnzuwächse gebracht habe. "Eine stabile Lohnentwicklung stärkt nachhaltig die Binnennachfrage und damit das Wachstum. Und sie sichert den Beschäftigten einen fairen Anteil an der wirtschaftlichen Entwicklung", so Hofmann. 

 

IG Metall will 2016 mehr Belegschaften in Tarfbindung bringen

Die IG Metall will ihre in den letzten Jahren neu gewonnene Stärke in dieser Tarifrunde nutzen, mehr Belegschaften in Tarifbindung zu bringen. „Das ist eine Frage der Gerechtigkeit", sagte Jörg Hofmann. Wer ohne Tarifvertrag arbeite, verdiene bei vergleichbarer Tätigkeit im Durchschnitt ein Viertel weniger. An- und Ungelernte büßen ohne Tarif sogar ein Drittel des mnatlichen Entgelts ein.

 

IG Metall-Bezirksleiter Olivier Höbel forderte, die Beschäftigten an dem von ihnen erwirtschafteten Wohlstand fair zu beteiligen. „Fünf Prozent sind sozial gerecht, wirtschaftlich vernünftig und bezahlbar. Die Ausbildungsentgelte sind in den kommenden Jahren ein wichtiges Argument, um Facharbeiternachwuchs für die Metall- und Elektroindustrie zu werben“, sagte Olivier Höbel. „Deshalb wollen wir die Gleichstellung der Berlin-Brandenburger Azubis mit den sächsischen Auszubildenden erreichen.“

 

Tarifverträge: Diese Sicherheit gibt's nicht geschenkt

Ein wichtiger Aspekt der diesjährigen und künftiger Runden ist die Tarifbindung inder Metall- und Elektroindustrie. Belegschaften, die keine haben, sollten jetzt nicht mehr abwinken, wenn die IG Metall in die Tarifrunde zieht. Denn die Gewerkschaft hat dieses Thema intensiv in den Fokus genommen. 

 

"Im Osten liegt die Tarifbindung mittlerweile unter 50 Prozent. Hier haben wir einen Nachholbedarf gegenüber dem Westen", sagte Höbel. Nur eine hohe Tarifbindung schaffe Einkommensgerechtigkeit für die Beschäftigten. Deshalb werde die IG Metall in Berlin, Brandenburg und Sachsen auch Belegschaften aus Betrieben ohne Tarifbindung in die aktuelle Tarifrunde einbeziehen.

 

Dies erfordert starken Willen, enge Zusammenarbeit mit der IG Metall und hohes Engagement der betroffenen Beschäftigten, betonten Betriebsräte aus Firmen, die ihren Arbeitgebern eine Tarifbindung abgerungen haben. Ihr Fazit aus einer Talkrunde in Leipzig: Tarifverträge gibt es nicht geschenkt, sie müssen erkämpft werden. Das ist kein Spaziergang, sagte Thilo Matteit von Bosch-Rexroth Interlit in Joachimsthal bei Berlin. "Im Laufe der Auseinandersetzung wurde uns klar: Wir sind mitverantwortlich, dass mehr Geld in eine strukturschwache Region wie unsere fließt. Die Drohung von Bosch, unser Betrieb werde geschlossen, wenn wir einen Tarifvertrag fordern, haben wir mit Warnstreiks beantwortet." Und mit Durchhaltevermögen: Nach 18 Monaten stand ein Tarifvertrag trotz schwieriger Bedingungen.

 

Guido Machowski stand in Leipzig ganz vorn im Kampf um Tarifbindung beim Logistiker und Autozulieferer Schnellecke. "Zuerst sagten die meisten, dass das nie funktionieren würde. Aber heute sind unsere Arbeitsbedingungen gut geregelt, die Beschäftigten sind viel zufriedener, und dem Unternehmen geht es weiterhin gut."

 

Matthias Weber-Piepenbrink von Redknee Deutschland aus Berlin berichtete über die Probleme, wenn Betriebsschließungen angekündigt werden und die Entscheider weit weg sitzen. "Da brauchst du noch mehr Kraft aus der Belegschaft heraus", sagte er. Diese hat das verstanden: Die Zahl der IG Metall-Mitglieder in dem Ingenieurbetrieb ist binnen kurzer Zeit auf das Zweieinhalbfache gestiegen. "Und es geht immer weiter", sagte Weber-Piepenbrink. "Wir wollen bleiben, und wir wollen einen Tarifvertrag."

 

Berichterstattung:

 

MDR Sachsenspiegel am 12. März um 19 Uhr

 

ARD tagesschau am 12. März um 17:50 Uhr - Bericht startet bei ca. 5:20

 

Leipziger Volkszeitung am 12. März online

 

 


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