Betriebsratswahlen 2026

„Als Betriebsrat reden wir dabei mit, wie unser Standort für die Zukunft aufgestellt wird.“

18.03.2026 | „Agieren ist besser als nur reagieren.“ So lautet die Maxime von Britta Kleinhempel. Die 59-Jährige hat den Betriebsrat bei Airbus Defence and Space in Potsdam 2009 mitgegründet und ist seitdem in der Interessenvertretung der Beschäftigten aktiv. Seit 2018 ist sie Vorsitzende des fünfköpfigen Gremiums. Für die überzeugte Metallerin war es keine Frage, dass sie sich am 24. April erneut zur Wahl stellt. Denn als Betriebsrätin will sie bei der strategischen Zukunftsausrichtung des Unternehmens ein gewichtiges Wort mitreden.

Britta Kleinhempel engagiert sich seit 2009 im Betriebsrat bei Air Defence and Space in Potsdam und stellt sich am 24. April erneut zur Wahl. - Foto: Volker Wartmann

Warum kandidierst du erneut als Betriebsrätin?

Meine Motivation, mich im Betriebsrat zu engagieren, besteht darin, die Mitbestimmung im Betrieb durchzusetzen und weiter zu verbessern. Das Betriebsverfassungsgesetz eröffnet zahlreiche Möglichkeiten, die es in der Praxis umzusetzen gilt. Ein aktiver Betriebsrat hat viele Möglichkeiten, die Arbeitsbedingungen der Beschäftigten positiv zu beeinflussen. Das geht bei der richtigen Eingruppierung der Kolleginnen und Kollegen los, über die Weiterbildungsmöglichkeiten bis hin zu den Pausenzeiten. Für mich als Betriebsrätin ist Transparenz gegenüber den Kolleginnen und Kollegen oberstes Gebot. Der Betriebsrat ist kein Geheimrat: Wir spielen immer mit offenen Karten und arbeiten mit offenem Visier.

„Welche Erfolge konntet ihr in den vergangenen Jahren erreichen?

Früher war der Airbus-Standort Potsdam ein Billiglohnstandort für den Konzern. 2011 haben wir uns als Beschäftigte in der Gewerkschaft organisiert und als IG Metall mit dem Arbeitergeber mit Verhandlungen über einen Tarifvertrag begonnen. Seit 2018 bekommen wir das gleiche Geld wie die Beschäftigten in der flächengebundenen Metall- und Elektroindustrie in Berlin-Brandenburg. Dank des tariflichen Angleichungsrahmens haben wir 2023 auch die Einführung der 35-Stunden-Woche auf betrieblicher Ebene erkämpft: Die schrittweise Absenkung der Arbeitszeit von 38 auf 35 Stunden in der Woche haben wir Ende 2023 gemeinsam mit unserer IG Metall in einer Betriebsvereinbarung festgeschrieben. Zurzeit arbeiten wir 36 Stunden in der Woche. 2027, spätestens aber 2028 werden wir unser Ziel endlich erreicht haben: die Angleichung der Arbeitsbedingungen an den Westen.“

Was sind derzeit die wichtigsten Aufgaben bei euch am Standort?

Für uns in Potsdam geht es um die Beschäftigungssicherung hier am Standort und unsere Zukunftsausrichtung. Airbus wird sich in den kommenden Jahren mit den Luft- und Raumfahrtunternehmen Thales und Leonardo zu einem europäischen Joint Venture zusammenschließen. Mit diesem Joint Venture wollen die Unternehmen ein schlagkräftiges Gegengewicht zu der Konkurrenz in China und den USA schaffen. Wir gehen davon aus, dass durch das Joint Venture keine Arbeitsplätze bedroht sind, eher das Gegenteil.

Wir als Betriebsrat wollen dabei mitreden, wie unser Standort für die Zukunft aufgestellt wird. Als Betriebsrätin möchte ich mitgestalten. Meine Maxime lautet: Agieren ist besser als nur reagieren. Wenn es um die strategische Ausrichtung unseres Standorts geht, warten wir nicht nur auf Ansagen der Unternehmensführung, sondern machen selbst konkrete Vorschläge. Denn konkrete Vorschläge können vieles erleichtern und beschleunigen. Insgesamt ist unsere Zusammenarbeit mit der Geschäftsführung konstruktiv und lösungsorientiert. In Deutschland herrscht bei Airbus insgesamt eine gute Betriebsrats- und Gewerkschaftskultur. Eine Gewerkschaftsmitgliedschaft zieht bei Airbus keine Nachteile nach sich. Das ist in der heutigen Zeit nicht geringzuschätzen.

Wie eng kooperiert ihr mit der IG Metall?

Wir arbeiten sehr eng mit der IG Metall zusammen. Das Team der IG Metall Potsdam hat für unsere Anliegen jederzeit ein offenes Ohr und unterstützt uns mit Rat und Tat. Als ehrenamtliches Mitglied im IG Metall-Vorstand bin ich bis hin in die höchste Gewerkschaftsebene gut vernetzt.

Dass bei uns ein Großteil der Belegschaft Mitglied in der IG Metall ist, ist kein Zufall. Bei Airbus haben Gewerkschaftsmitglieder spürbare Vorteile gegenüber Nicht-Mitgliedern. Sie können statt der Auszahlung des Tariflichen Zusatzgeldes – T-ZUG A – die sogenannte tarifliche Freistellungszeit in Anspruch nehmen, beispielsweise um Angehörige zu pflegen oder ihre Kinder zu versorgen, bis zu sieben zusätzliche freie Tage im Jahr. Diese Wahlmöglichkeiten haben Nicht-Mitglieder nicht. Sie bekommen diese Sonderzahlung ausgezahlt und haben keinen Anspruch darauf, stattdessen zusätzliche freie Tage zu nehmen. 

Welche Eigenschaften sollte ein Betriebsrat mitbringen?

Die Motivation, sich aktiv für seine Kolleginnen und Kollegen einsetzen zu wollen, ist die Grundvoraussetzung, reicht aber allein nicht aus. Eine Betriebsrätin sollte in erster Linie Geduld mitbringen, dazu Durchhaltevermögen und Widerstandskraft. Wichtig ist, dass Betriebsräte den Rückhalt in der Belegschaft haben. Dazu ist ein steter Informationsfluss unerlässlich.

Wie läuft dieser kontinuierliche Informationsfluss in der Praxis?

Ich mache mindestens einmal pro Woche einen Rundgang durch unseren Betrieb, um meine Kolleginnen und Kollegen über aktuelle Neuigkeiten zu informieren und mir ihre Anliegen anzuhören. Da an unserem Standort lediglich rund 50 Beschäftigte arbeiten, ist es auch möglich, zu drängenden Themen zwischendurch schnell eine Umfrage durchzuführen, um ein Meinungsbild der Belegschaft zu erhalten. Letztendlich ist auch ausreichend Wissen über das Betriebsverfassungsgesetz für einen Betriebsrat unverzichtbar, über seine Rechte und Pflichten. Ohne die Bereitschaft, kontinuierlich auch Neues lernen zu wollen, ist eine gute Betriebsratsarbeit nur schwer möglich.

 

Die gelernte Facharbeiterin für Holztechnik Britta Kleinhempel arbeitet seit 2007 bei Airbus Defence and Space in Potsdam und ist dort zuständig für Geodatenmanagement. Die rund 50 Beschäftigten bei Airbus in Potsdam erstellen digitale Karten von Satellitenbildern und digitale Höhenmodelle – für zivile und militärische Kunden. Die überzeugte Metallerin ist ehrenamtlich im Ortsvorstand der IG Metall Potsdam aktiv, außerdem vertritt sie seit 2021 als eines von drei Mitgliedern den IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen im Vorstand der IG Metall.

Das Interview führte Volker Wartmann. 

Von: vw

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