25.03.2026 | Mit Aktionen vor den Werkstoren haben Beschäftigte des Automobil-Entwicklungsdienstleister IAV in Berlin und Stollberg gegen einen weiteren Stellenabbau demonstriert. Unter dem Motto: „Gemeinsam bewegen, was weiter entwickelt“ drängen sie auf eine Sicherung aller Standorte. Unterstützung bekamen sie von den Ministerpräsidenten Berlins und Sachsen, Kai Wegner und Michael Kretschmer. Beide forderten Perspektiven für die Beschäftigten ein.
Mit den gemeinsamen Aktionen reagieren die Beschäftigten auf den Stillstand in den seit fünf Monaten laufenden Verhandlungen zwischen IG Metall, Betriebsrat und Geschäftsführung über die strategische Ausrichtung und die Arbeitsplätze des Unternehmens. In mehreren Verhandlungsrunden legte das Management weder ein überzeugendes Gesamtkonzept vor noch sicherte es den Erhalt der Stellen. Dabei hat IAV bereits seit 2024 über ein Freiwilligenprogramm mehr als 600 Arbeitsplätze abgebaut. Versprochen hatte das Unternehmen, dass damit IAV auf eine stabile wirtschaftliche Grundlage kommen werde. Doch inzwischen will die Unternehmensleitung davon nichts mehr wissen. Stattdessen erklärt sie, im Jahr 2026 noch einmal bundesweit rund 1.500 Stellen streichen zu wollen. In Szenarien stellt sie sogar ganze Standorte in Frage. Dagegen protestierten die Belegschaften heute zum wiederholten Male am Stammsitz in Berlin und im sächsischen Stollberg bei Chemnitz.
Kai Wegner, Regierender Bürgermeister von Berlin, sprach auf der Kundgebung in der Hauptstadt. Wegner sagte: „Die wachsende Unsicherheit für die IAV-Standorte zeigt, dass jetzt Klarheit und gemeinsame Verantwortung gefragt sind. Es geht um eine verlässliche Perspektive für die Beschäftigten und zugleich darum, Voraussetzungen zu schaffen, damit IAV seine Rolle als Entwicklungs- und Ingenieursdienstleister aktiv weiter entwickeln kann – mit neuen Ideen, Produkten und Kunden. Berlin ist und bleibt ein hervorragender Standort der Digital- und Innovationswirtschaft. Jetzt kommt es darauf an, tragfähige Lösungen zu finden und Zukunft zu sichern.“
Michael Kretschmer, Ministerpräsident des Freistaats Sachsen, trifft sich am Freitag mit IAV-Beschäftigten. Heute erklärte er: „Die Beschäftigten bei IAV leisten hochqualifizierte Arbeit und sind ein wichtiger Teil der industriellen Zukunft Sachsens. Der Standort Stollberg steht für Kompetenz, Innovationskraft und Wertschöpfung in der Region. Deshalb braucht es jetzt klare Perspektiven und ein tragfähiges Zukunftskonzept für alle Standorte. Ziel muss sein, Arbeitsplätze zu sichern und die Transformation der Automobil- und Zulieferindustrie aktiv zu gestalten. Sachsen steht an der Seite der Beschäftigten und setzt sich für nachhaltige Lösungen und Investitionen in die Zukunft ein.“
Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, betonte auf der Kundgebung in Berlin: „Das war heute eine starke Aktion der Beschäftigten. Bemerkenswert ist auch die politische Rückendeckung. Es ist ein starkes Zeichen, dass sich sowohl der Regierende Bürgermeister von Berlin als auch der sächsische Ministerpräsident an die Seite der Belegschaften stellen. Mit beeindruckender Solidarität wehren sich die Kolleginnen und Kollegen gemeinsam und standortübergreifend gegen weitere Einschnitte auf ihre Kosten. Die Geschäftsführung muss jetzt endlich ein überzeugendes Zukunftskonzept für eine langfristige Sicherung der Arbeitsplätze vorlegen. Mit dem chaotischen Hin und Her verspielt die IAV-Geschäftsführung alles Vertrauen bei den Beschäftigten. Sie muss jetzt liefern mit verbindlichen Zusagen zum Schutz der Arbeitsplätze. Einen dauerhaften Schrumpfungsprozess wird die IG Metall nicht akzeptieren.“
In Berlin stellte Ines Beeck, Zweite Bevollmächtigte und Geschäftsführerin der IG Metall Berlin, klar: „Mit dieser starken Aktion geben die Beschäftigten der IAV-Geschäftsführung eine unmissverständliche Botschaft mit: Wenn es keine Klarheit über die Zukunft des Unternehmens und der Arbeitsplätze gibt, tragen sie den Protest auf die Straße. Die Kolleginnen und Kollegen sind bereit, Verantwortung zu übernehmen und ihren Beitrag für eine tragfähige Neuausrichtung des Unternehmens zu leisten. Aber wir werden keine Strategie akzeptieren, die Risiken und Belastungen einseitig auf die Beschäftigten abwälzt.“
In Stollberg betonte Eddie Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Chemnitz: „Der Standort Stollberg verfügt über enormes Potenzial, um die Transformation der südwestsächsischen Industrie aktiv mitzugestalten und neue Kompetenzfelder für die regionale Wirtschaft zu erschließen. Gerade deshalb passt die Entscheidung zum Personalabbau nicht zu den Chancen, die hier vor uns liegen. Bei IAV in Stollberg sorgt sich inzwischen jede dritte Kollegin und jeder dritte Kollege um den Arbeitsplatz. Damit geht es nicht nur um einzelne Jobs, sondern um die Zukunft einer gesamten Wertschöpfungskette in der Region. Jetzt braucht es verantwortungsvolle Entscheidungen sowie gezielte Investitionen, die neue Märkte und Aufträge erschließen und damit die Zukunft des Standortes sichern. IAV hat alle Voraussetzungen, eine tragende Rolle in der regionalen Transformation zu übernehmen. Dieses Potenzial gilt es zu stärken und nicht zu schwächen.“
Für Rückfragen: Markus Sievers, 0151 29 23 11 82