Pressemitteilung vom 16.01.2026

Arbeitszeit ist schon flexibel genug: IG Metall Berlin Brandenburg Sachsen weist Ministerpräsident Kretschmers Vorstoß zum Arbeitszeitgesetz zurück

16.01.2026 | IG Metall Bezirksleiter Jan Otto kritisiert den erneuten Vorstoß von Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer zur Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes scharf. „Das ist ein Angriff auf bewährte Schutzstandards und widerspricht der Realität in den Betrieben. Längere tägliche Arbeitszeit bringt nur Belastung für die Beschäftigten und keinen Mehrwert für die sächsische Wirtschaft“, sagt IG Metall Bezirksleiter Jan Otto.

Jan Otto, IG Metall‑Bezirksleiter Berlin‑Brandenburg‑Sachsen:
„Arbeitszeitvorgaben sind kein politisches Spielzeug, sondern Gesundheitsschutz. Wer den Acht‑Stunden‑Tag schleifen will, ignoriert die Lage in den Betrieben in Sachsen. Die Behauptung, längere tägliche Arbeitszeiten würden Beschäftigten mehr Selbstbestimmung bringen und der Wettbewerbsfähigkeit dienen, ist nachweislich falsch: Bereits heute sind Ausnahmen von bis zu zehn Stunden möglich, wenn im Ausgleich der Acht‑Stunden‑Schnitt eingehalten wird. Sogar Zwölf‑Stunden‑Tage sind unter Wahrung der Mitbestimmung für bestimmte Branchen und Tätigkeiten möglich.
Gewerkschaften und Betriebsräte sorgen dafür, dass die Interessen der Beschäftigten berücksichtigt werden – und die Arbeitszeit nicht einseitig vom Arbeitgeber diktiert wird. Niemand will Zwölf‑Stunden‑Tage – außer diejenigen, die nie selbst im Schichtsystem standen. Ihr Vorschlag ist nicht ‚modern‘ und ‚frei‘, sondern frei von Realitätsbezug.“

Tarifpartner statt Einmischung

Jan Otto erklärt weiter: „Die Gestaltung von Arbeitszeit gehört an den Verhandlungstisch von Tarifpartnern und Betriebsräten, nicht ins Mikromanagement von Amtsstuben. Wir verhandeln Arbeitszeitmodelle – passgenau, fundiert und mit Ausgleichsmechanismen. Die Tarifautonomie und das Arbeitszeitgesetz sind zwei Seiten desselben Schutzes: Der gesetzliche Rahmen sichert Mindeststandards, wir Tarifpartner gestalten die Details. Was wir nicht brauchen, ist politischer Druck Richtung Zwölf‑Stunden‑Tag. Am Ende trifft das am meisten diejenigen, die heute schon ohne Tarifvertrag und Betriebsrat arbeiten müssen.
Wer die Industrie und die Menschen im Osten stärken will, sorgt für den Rahmen von guter Arbeit, nicht für längere Arbeitstage.“

Aus Sicht der IG Metall sprechen viele Fakten gegen eine Aufweichung des Schutzstandards bei der Arbeitszeit:

  • Längere Arbeitszeiten erhöhen Unfall‑ und Gesundheitsrisiken deutlich: Nach acht Stunden steigt die Unfallgefahr spürbar, ab zwölf Stunden verdoppelt sie sich.
  • Arbeit ohne tägliche Grenze macht krank: Überlange Arbeitstage führen nachweislich zu Stress, Schlafstörungen und höherem Risiko für Herz‑Kreislauf‑Erkrankungen.
  • Die Beschäftigten lehnen die Aufweichung ab: In einer aktuellen Befragung lehnen 73 Prozent eine unbegrenzte tägliche Arbeitszeit ab, 84 Prozent sehen in klaren Grenzen einen notwendigen Schutz vor Überlastung.
  • Die Wirtschaft schwächelt nicht wegen zu wenig Arbeit: Das Arbeitsvolumen in Deutschland liegt auf Rekordniveau. Wir brauchen gesunde, gute Arbeit, die Menschen ein Leben lang machen können und wollen

 

Von: bw

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