Aktionstage im Kfz-Handwerk

Beschäftigte in Kfz-Werkstätten und Autohäusern machen mit Aktionen Druck

  • 08.05.2019
  • kk
  • Aktuelles, Kfz

Die Beschäftigten im Kfz-Handwerk haben die Aktionstage genutzt, um Druck hinter ihre Forderungen in der laufenden Tarifrunde zu bringen. In zahlreichen Werkstätten und Autohäusern beteiligten sich die Kolleginnen und Kollegen mit Inforunden an den Aktionstagen der IG Metall.

Aktionstage im Kfz-Handwerk bei MAN in Wildau ...

... BMW in Dresden ...

... Renault in Berlin ...

... Peugeot in Berlin ...

... und im Lack- und Karosseriezentrum Ludwigsfelde. Fotos: IG Metall

Am Mittwochvormittag, 8. Mai, informierte das Tarif- und Verhandlungskommissionsmitglied, Dirk Neumann, seine Kolleginnen und Kollegen bei MAN in Wildau mit Unterstützung der IG Metall Ludwigsfelde über den aktuellen Stand der Verhandlungen im Kfz Handwerk. Großes Unverständnis machte sich breit, als er vom Standpunkt der Arbeitgeber berichtete, die die Angleichung an Berlin unnötig weit hinaus zögern und lediglich einen Inflationsausgleich anbieten. „Wir sind mehr wert und werden dies auch weiterhin lautstark einfordern! Die Angleichung an den Berliner Tarif muss her und unsere Leistung ist mehr wert als der Inflationsausgleich“, so Dirk Neumann bei seiner Ansprache. Die Kolleginnen und Kollegen erwarten für den nächsten Termin ein deutlich verbessertes Angebot und eine Lösung für das „Brandenburger Problem“. Weitere Aktionen sind nicht ausgeschlossen!

Aktionen gab es auch bei BMW in Dresden, Renault und Peugeot in Berlin sowie beim Lack- und Karosseriezentrum in Ludwigsfelde. Sie sollen den Druck auf die Arbeitgeber erhöhen, damit endlich Bewegung in die Verhandlung kommt.

Die IG Metall fordert fünf Prozent mehr Einkommen und mindestens 60 Euro pro Monat mehr für die Auszubildenden. Bisher stellt sich die Arbeitgeberseite stur.

In Brandenburg erhalten Kfz-Gesellinnen und -Gesellen etwa 182 Euro pro Monat weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Berlin. Deshalb fordert die IG Metall in der laufenden Tarifrunde neben der Einkommenserhöhung das gleiche Entgelt wie in Berlin. „Eine Angleichung nach 30 Jahren Wiedervereinigung ist längst überfällig und fünf Prozent mehr Lohn und Gehalt sind mehr als gerechtfertigt“, sagt Metaller und Betriebsratsvorsitzender der Brandenburgischen Automobil GmbH, Holger Domröse. „Entscheidender denn je ist es an der Zeit, mehr für unsere Auszubildenden zu tun. Beim Thema Fachkräftemangel schreien unsere Geschäftsführer immer laut auf, aber bei 60 Euro mehr Vergütung im Monat sind sie ganz leise.“

Das Handwerk in den Metall- und Elektroberufen leidet besonders drastisch unter Abwanderung. Nur etwa ein Drittel der jungen Gesellinnen und Gesellen in den Kfz-Betrieben bleibt nach der Ausbildung in den Betrieben, der Rest wechselt in die Industrie und andere Bereiche. Eine wesentliche Ursache dafür ist die im Vergleich deutliche geringere Bezahlung im Kfz-Gewerbe.

„Das Kfz-Handwerk steht vor enormen Herausforderungen. Digitalisierung und E-Mobilität, autonome Fahrtechniken und neue Geschäftsmodelle erfordern hochqualifiziertes Personal sowie attraktive und gut bezahlte Arbeit“, betont Dietmar Kolpin, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Potsdam. „Ohne motivierte Beschäftigte wird diese Transformation nicht gelingen.“

Die nächste Verhandlungsrunde zur Angleichung der Brandenburger Einkommen an das Berliner Niveau ist für den 17. Mai geplant. Am 3. Juni verhandelt die IG Metall mit den Arbeitgebern alle Forderungen für die Kolleginnen und Kollegen in Berlin, Brandenburg und Sachsen. Die bisherigen Verhandlungsrunden brachten noch kein Ergebnis.

Ende April endete die Friedenspflicht. Die IG Metall verhandelt in Berlin, Brandenburg und Sachsen mit der Tarifgemeinschaft Mitteldeutsches Kraftfahrzeuggewerbe (TG MDK). Die im Handwerk zuständigen Kfz-Innungen haben ihre Tarifpartnerschaft mit der IG Metall vor einigen Jahren vollständig aufgegeben. In Berlin, Brandenburg und Sachsen verdienen Beschäftigte in Autohäusern rund 15 bis 25 Prozent weniger als ihre Kolleginnen und Kollegen in Westdeutschland.