Transformationskongress Potsdam

Brandenburg zum Gewinner des Wandels machen

  • 28.09.2022
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  • Aktuelles

Unter den Palmen der Potsdamer Biosphäre fand der Brandenburger Transformationskongress der IG Metall statt. Trotz aller drückenden Krisen standen dabei die großen Chancen für die Region beim grundlegenden Wandel der Industrie im Vordergrund. Mit seinem Vorsprung bei erneuerbaren Energien und mit der Energie-Kompetenz der Beschäftigten kann Brandenburg zum Transformations-Gewinner werden.

Debatten über die Zukunft im grünen Ambiente der Biosphäre Potsdam. (Bilder: IGM)

IG Metall-Bezirksleiterin Irene Schulz und Christoph Hahn von der IG Metall Bezirksleitung Berlin, Brandenburg, Sachsen

Brandenburgs Wirtschaftsminister Jörg Steinbach

Dirk Vogeler, Betriebsratsvorsitzender ArcelorMittal Eisenhüttenstadt

Andreas Kokolsky von Sonae Aureco in Beeskow

Auf dem Podium: Uwe Lauber, Chef von MAN Energy Solutions

Vortrag von Gustav Horn

"Können wir uns zu einer Transformationskonferenz treffen, wenn jetzt und heute draußen in den Betrieben, in den Haushalten die Energieversorgung zum Risikofaktor wird und gleichzeitig die Preise steigen wie seit 70 Jahren nicht mehr?" Die Frage stellte Irene Schulz, Bezirksleiterin IG Metall Berlin, Brandenburg, Sachsen, zu Beginn der Konferenz. Und gab gleich die Antwort: "Ja, wir können. Wir wollen und müssen sogar. Denn die Veränderungsdynamik in unseren Branchen hält nicht nur an. Sie verstärkt sich eher noch - insbesondere in energieintensiven Betrieben."

Irene betonte: "Die industriellen Kernbranchen sichern den Wohlstand unseres Landes. Jetzt gilt es jedoch, diese wichtige industrielle Substanz nicht nur zu erhalten, sondern weiter zu entwickeln, technologische Innovationen zu treiben und alle Beschäftigten dabei mitzunehmen." In dem Zusammenhang wies die IG Metall-Bezirksleiterin auf die guten Voraussetzungen in der Region hin: "Mit seinem Vorsprung bei erneuerbaren Energien kann Brandenburg als Gewinner des Umbruchs hervorgehen. Brandenburg ist eine der wichtigsten Energie-Länder in Deutschland. Es profitiert von den Rohstoffen in der Lausitz, von der Energie-Kompetenz der Beschäftigten in der Region und dem Vorsprung beim Ausbau der erneuerbaren Energien im innerdeutschen Vergleich. Die IG Metall setzt sich dafür ein, dass Brandenburg Energieland bleibt", so Irene Schulz.

Auch Jörg Steinbach, Minister für Wirtschaft, Arbeit und Energie des Landes Brandenburges, blickt mit Optimismus auf die anstehenden Veränderungen. "Wir wollen Brandenburg als Industrie- und als Energieland weiterentwickeln. Und wir sind hungrig." Steinbach ging auch auf die aktuelle Energiekrise ein. Der starke Anstieg der Energiepreise ärgere ihn, so der Minister. Denn derzeit sei keine Verknappung, die eine solche Verteuerung erklären könnten, erkennbar. Steinbach kritisiere, dass hier einige den Marktmechanismus zur Gewinnvermehrung ausnutzten. Soche Profite müsse der Staat abschöpfen, auch um die kostspieligen Unterstützungsprogramme zu finanzieren.

Die Perspektive der Betriebsräte brachten Dirk Vogeler (ArcelorMittal, Eisenhüttenstadt), Andreas Kokolsky (Sonae Arauco, Beeskow) und Wilhelm Diebitsch (Alstom, Hennigsdorf) ein. Dirk forderte mehr Planungssicherheit für das Stahl-Werk und seine Beschäftigten ein. "Wir brauchen Energiepreise, mit denen man kalkulieren kann." ArcelorMittal will bis 2035 seinen Treibhausgas-Ausstoß um 35 Prozent senken und es bis zur Mitte des Jahrhunderts schaffen, Stahl klimaneutral zu produzieren. "Die Umsetzung hat bereits begonnen und ist in vollem Gang", so Dirk. Aber die Transformation der Flachstahl-Produktion brauche riesige Investitionen. Dafür verlangte Dirk Hilfen durch die Politik. "Ohne staatliche Unterstützung ist die Umsetzung nicht machbar."

Andreas Kokolsky sprach die Sorge an, dass es Sonae Arauco an Holz als wichtigstem Rohstoff fehlen könne. Man leiste sehr viel im Recycling, so Andreas. Aber: "Unser größtes Problem ist die Versorgung mit Holz." Alstom leidet laut Wilhelm Diebitsch stark unter den extrem gestiegenen Energiepreisen. Dabei räche  sich aber auch die mangelnde Weitsicht, meinte Wilhelm in seinem per Video übertragenenen Statement. So arbeite man an der Stromerzeugung mit Solarpanelen auf dem Werksgelände. "Genau das ist das Problem: Man arbeitet daran."

Uwe Lauber, CEO von MAN Energy Solutions, hielt eine Plädoyer für Wasserstoff als Zukunftstechnologie. "Wasserstoff ist der zentrale Baustein für eine grüne Kreislaufwirtschaft", ist sich der Manager sicher. Und er betonte: "Wir wollen den Wasserstoff-Hochlauf unterstützen." Dies heißt: Der Rohstoff Wasserstoff wird dort produziert, wo durch die Klimabedingungen Solarstrom günstiger zu erzeugen ist. In Deutschland aber können die Technologien für eine Wasserstoff-Wirtschaft entwickelt und die entsprechende  Produkte dafür hergestellt werden.

Oliver Kurz von der Bundesagentur für Arbeit Regionaldirektion Berlin-Brandenburg sprach über verschiedene Instrumente für eine Weiterqualifizierung, nahm aber besonders die Arbeitgeber in die Pflicht. "Die Arbeitgeber müssen aufgeschlossen sein für den Wandel", meinte Kurz. Dies sei bei vielen, aber nicht bei allen der Fall. 

Gustav Horn, früherer Leiter des Instituts für Makroökonomie und  Konjunkturforschung in der Hans-Böckler-Stiftung und heute SPD-Wirtschaftspolitiker, sprach sich für eine "Ära der Investitionen" aus. Mehrere Transformationen überlappten sich und verstärkten sich gegenseitig: die ökologische, die digitale und der Aufbau von Krisenresilienz (nach den vielen Krisen seit der Finanzkrise 2008 bis heute müsse die Widerstandsfähigkeit durch mehr Vorsorge gestärkt werden). "Wir müssen grundlegend investieren, um die Transformationen in den Griff zu bekommen", betonte Horn. Er empfahl eine "neue Angebotspolitik". Die setze nicht wie früher auf Lohn- und Sozialkürzungen, sondern auf eine Ausweitung des Angebots und höhere Produktionskapazitäten durch Investitionen. Dazu gehöre eine "stabilitätsgerechte Lohnpolitik", bei der die Beschäftigten von den Produktivitätsgewinnen durch die Transformationen profitieren.


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