Interview

Die Vorsorge für einen guten Ruhestand beginnt in der Ausbildung

  • 29.12.2020
  • kk
  • Aktuelles, AGA

Gute Arbeit bedeutet gutes Leben … „und eine gute Rente“, fügt Iris Billich hinzu. Die Gewerkschaftssekretärin im IG Metall-Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen wird nicht müde zu betonen, dass die Grundlage für eine gute Rente bereits mit dem ersten Ausbildungstag gelegt wird. Im Interview erzählt sie, warum.

Iris Billich, Gewerkschaftssekretärin im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen - Foto: IG Metall

Iris, wenn Jugendliche nach der Schule in die Ausbildung starten, ist das Rentenalter für sie noch sehr weit weg. Warum sollen sie sich da schon Gedanken an eine Zukunft machen, die oft noch mehr als vier Jahrzehnte vor ihnen liegt?
Ganz einfach: Für eine gute Rente zählt tatsächlich jeder Monat. Je mehr Entgeltpunkte die Kolleginnen und Kollegen im Laufe ihres Erwerbslebens sammeln, umso höher fällt am Ende die Rente aus und umso besser lässt sich davon leben. Die Voraussetzung für einen gut bezahlten Job, der viele Entgeltpunkte verspricht, ist eine gute Ausbildung sowie ein Rechtsanspruch auf Bezahlung nach Tarifvertrag. Deshalb ist es so wichtig, dass Auszubildende gut qualifiziert werden und währenddessen auch bereits gut verdienen. Von Anfang an ist es daher nicht nur für die Gegenwart, sondern eben auch für die ferne Zukunft entscheidend, die eigene Arbeitskraft so teuer wie möglich zu verkaufen. Das Bewusstsein dafür muss viel früher einsetzen, als das bislang in der Regel immer noch der Fall ist. Wenn es keinen Tarifvertrag gibt, sollte man sich gewerkschaftlich organisieren. Es lohnt sich, darum zu kämpfen. Und selbst wenn die Firma tarifgebunden ist, sollten die Kolleginnen und Kollegen sich organisieren, um jederzeit in der Lage zu sein, Angriffe auf den Tarifvertrag gemeinsam mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln abwehren zu können.

Wann wird Rente für die Beschäftigten zum Thema?
In unseren Seminaren für die Altersgruppe 55plus ist das ein Riesenthema. Fragen zur Alterssicherungen nehmen da einen sehr großen Raum ein. Die Angst vor Altersarmut ist, das erlebe ich immer wieder, sehr groß. Wie wichtig das Thema für die Beschäftigten ab einem gewissen Alter ist, belegen auch die mehr als 100 Anträge auf unserem Gewerkschaftstag, die zur Alterssicherung gestellt wurden.

Das Rententhema rückt bei den Kolleginnen und Kollegen also erst ins Bewusstsein, wenn sie sich dem Rentenalter nähern?
Ja, das ist in ganz vielen Fällen so. Hinzu kommt noch der Faktor, dass viele mit zunehmendem Alter auch merken, wie die Kräfte nachlassen. Oft werden sie zum Beispiel regelrecht verschlissen, weil die Leistungsverdichtung während ihres Erwerbslebens mehr und mehr zunimmt. Viele Stellen werden beispielsweise nicht neu besetzt, die Arbeit bleibt und wird auf die verbliebenen Beschäftigten verteilt. Sie müssen immer mehr leisten – auf Kosten ihrer Gesundheit. In dieser Situation stellen sie immer häufiger Fragen wie, wie komme ich gesund in die Rente oder wie kann ich früher und möglichst ohne Abschläge in Rente gehen. Diese Fragen klären wir in unseren Seminaren.

An wen richten sich die Seminare?
In einem unserer Seminare statten wir ganz gezielt Vertrauensleute mit Informationen aus, wie der Generationswechsel im Betrieb vorbereitet werden sollte, wie Beschäftigte gesund in die Rente kommen, wie alters- und alternsgerechte Arbeitsplätze aussehen sollten. Dazu leben die Seminare natürlich auch ganz stark vom Erfahrungsaustausch, schließlich ist die Problemlage in vielen Betrieben ähnlich und das Rad muss nicht immer wieder neu erfunden werden.  

Seminare nur für Vertrauensleute?
Dieses zweitägige Seminar ist tatsächlich in erster Linie für Vertrauensleute konzipiert, die aber als Multiplikatoren ihr Wissen in den Betrieben streuen. Daneben haben wir noch drei weitere jeweils dreitägige Seminare im Angebot, die offen für alle IG Metall-Mitglieder zwischen 55 und 67 Jahren sind.

Worum geht es da konkret?
Mit 55plus beginnt für viele Kolleginnen und Kollegen ein wichtiger Lebensabschnitt. Viele bereiten sich in dieser Zeit auf ein Leben nach der Erwerbstätigkeit vor, gleichzeitig stehen sie aber noch mitten im Erwerbsleben und sind mit ihren Erfahrungen ungemein wichtig – sowohl für die betrieblichen Abläufe als auch für den gewerkschaftlichen Zusammenhalt. In diesen Seminaren bereiten wir die Kolleginnen und Kollegen auf die dritte Lebensphase vor. Wir erarbeiten Chancen und Möglichkeiten für eine erfüllte und aktive Lebensgestaltung beim Übergang in den Ruhestand und für die Zeit danach. Wir informieren, welche Arten von Renten es gibt – also Altersrente, vorgezogene Altersrente für langjährige Beschäftigte und für besonders langjährige Beschäftigte, für Schwerbehinderte, Erwerbsminderungsrente oder Hinterbliebenenrente. Und wir erklären, warum es sich allen Unkenrufen zum Trotz lohnt, gemeinsam für die gesetzliche Rente zu kämpfen. Dazu besprechen wir, was beim Rentenantrag zu beachten ist. Und natürlich erklären wir unseren Seminarteilnehmerinnen und Seminarteilnehmern, warum sie uns auch im Ruhestand als Mitglieder so wertvoll sind.

Warum?
Zusammenhalt hört nicht mit der Rente auf. Die Ziele, für die die Kolleginnen und Kollegen im Erwerbsleben gekämpft haben, sind mit Rentenbeginn nicht hinfällig. Ihre Erfahrungen zum Beispiel bei der Unterstützung von Warnstreiks und betrieblichen Aktionen sind immens wichtig, und dürfen nicht verloren gehen. Sehr häufig unterstützen die Kolleginnen und Kollegen der Außerbetrieblichen Gewerkschaftsarbeit (AGA) bei Aktionen und Infoständen. Die Stärke der IG Metall ergibt sich schließlich aus der ganzen Gemeinschaft – von jung bis alt, von neuen Ideen bis hin zum großen Erfahrungsschatz unserer langjährigen Mitglieder. Und außerdem lohnt sich die IG Metall-Mitgliedschaft natürlich auch im Rentenalter für den Einzelnen, zum Beispiel durch Rechtsberatung und Rechtsschutz, insbesondere im Sozialrecht.

Weitere Informationen zu den Aktiv 55plus-Seminaren gibt es bei Iris.Billichdon't want spam(at)igmetall.de.

 


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