Textilindustrie Ost

Erste Tarifverhandlung Textil Ost ohne Ergebnis vertagt

  • 05.03.2019
  • igm-aw
  • Aktuelles, Textil

Am 4. März wurde die erste Tarifverhandlung für die Beschäftigten in der Textilindustrie Ost ohne Ergebnis vertagt. Sechs Prozent mehr Geld – bei einer Laufzeit von zwölf Monaten. Das haben die Beschäftigten und Auszubildenden in der Textilindustrie Ost gefordert. Außerdem fordern sie die 37-Stunden-Woche auch im Osten.

Verhandlungsbegleitende Aktion bei Ontex - Fotos: IG Metall

Aktion bei Adient in Zwickau am 4. März 2019

Zudem fordert die IG Metall mehr Urlaubsgeld und einen neuen verbesserten Tarifvertrag zur Altersteilzeit. IG Metall-Verhandlungsführer Manfred Menningen betont: „Für Schichtarbeit, Lärm und Schmutz in der Produktion, und die Leistungsverdichtung in der Verwaltung haben die Beschäftigten eine spürbare Einkommenserhöhung verdient.“ Der Auftragseingang in der Textilindustrie ist positiv, der Umsatz der Unternehmen stabil. Die Textil- und Bekleidungsindustrie in Ostdeutschland beschäftigt rund 16.000 Frauen und Männer.

Unsere Forderungen:
•    6 Prozent Erhöhung der Entgelte und Auszubildendenvergütungen
•    Erhöhung des Urlaubsgelds
•    Neuer verbesserter Tarifvertrag Altersteilzeit

Außerdem wollen wir einen Fahrplan zur Umsetzung der Arbeitszeitverkürzung erreichen.

Höchste Zeit, die Arbeitszeit anzugleichen
Wir wollen erreichen, dass die Arbeitsbedingungen weiter an das Westniveau angeglichen werden. Für die ostdeutsche Textilindustrie beträgt die tarifliche Arbeitszeit noch 40 Stunden in der Woche. In Westdeutschland gilt für die Branche die 37-Stunden-Woche. „30 Jahre nach dem Fall der Mauer ist es höchste Zeit, die Arbeitszeit anzugleichen“, sagt Patrick Hesse, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Wir wollen mit den Arbeitgebern über eine stufenweise Angleichung der Arbeitszeit erreichen.“ Mit 40 Stunden pro Woche arbeiten die Beschäftigten der Textilindustrie in Ostdeutschland sogar deutlich länger als ihre Kollegen in anderen Branchen.

Der Tarifvertrag zur Altersteilzeit soll verlängert und verbessert werden: Die Arbeitgeber sollen die Altersteilzeit für mehr Beschäftigte möglich machen – und die Aufzahlung erhöhen, damit die Beschäftigten es sich auch leisten können, früher in den Altersausstieg überzugehen. Der Altersdurchschnitt in der Branche ist hoch.

Die Arbeitgeber haben ohne ersichtlichen Grund den Tarifvertrag Übernahme der Auszubildenden gekündigt. Während andere Branchen immer stärker um Auszubildende werben, glauben die Textilarbeitgeber ohne besondere Zukunftsperspektiven überzeugen zu können.

„Mit der Kündigung der verbindlichen Übernahme der Ausgebildeten sägen sich die Arbeitgeber den eigenen Ast ihrer Zukunft ab“, kritisiert Bodo Grzonka, Gewerkschaftssekretär IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Die Bewerberzahlen sinken, die Betriebe suchen dringend Fachkräfte und gleichzeitig nehmen die Arbeitgeber die Bleibeperspektive für den Nachwuchs. Das ist schlicht unbegreiflich.“

Die nächste Verhandlung findet am 3. April 2019 statt.

Am 13. April laden wir zum Tarifauftakt nach Chemnitz ein. Weitere Informationen dazu im Flyer.