Tarifrunde Metall- und Elektroindustrie

Fast 1100 Beschäftigte sorgten mit Warnstreiks für jede Menge Bewegung

  • 04.03.2021
  • kk
  • Aktuelles, Tarifrunde 2021, Metall-/Elektro

Stillstand herrscht nur am Verhandlungstisch. Die Beschäftigten sind in Bewegung – kreativ, aktiv und hoch motiviert. Mit roten IG Metall-Fahnen, Transparenten und Schals haben sie am 4. März wieder die Plätze vor ihren Werktoren oder ihre Autos geschmückt, um weithin sichtbar zu zeigen: „Wir stehen auch in dieser Tarifrunde hinter den Forderungen unserer IG Metall.“ Fast 1100 Beschäftigte aus zehn Betrieben sind an diesem Donnerstag im Warnstreik.

Früh um 8 Uhr traten rund 80 Beschäftigte bei GE Power Conversions in den Warnstreik.

Mit roten Fahnen und Transparenten zeigten die Kolleginnen und Kollegen den Arbeitgebern die rote Karte.

Für Zukunft und Beschäftigungssicherung – Fotos (3): Christian von Polentz/transitfoto.de

200 Beschäftigte legten bei Alstom in Hennigsdorf die Arbeit für 90 Minuten nieder.

Warnstreik mit Abstand in Hennigsdorf ...

... und trotzdem Einigkeit über die Inhalte: Die Metallerinnen und Metaller stehen hinter den Forderungen der IG Metall. Fotos (3): Volker Wartmann

"Die Arbeitszeitmauer muss fallen. Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen", gab Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall den Metallerinnen und Metallern mit auf den Weg.

Warnstreik für die Zukunft aller Generationen und für die Region – Fotos (2): Volker Wartmann

In der Mittagszeit machten Metallerinnen und Metaller mit dem längsten Autokorso, den die IG Metall Berlin je organisiert hat, mächtig Druck. Foto: Christian von Polentz/transitfoto.de

Entschlossenheit mit Verantwortung bei GF Casting Solutions in Leipzig! So sehen Warnstreiks unter Coronabedigungen aus. Foto: IG Metall

Den Auftakt machten morgens um 8 Uhr rund 80 Beschäftigte von GE Power Conversions. Nahezu die gesamte Belegschaft versammelte sich für eine Stunde vor dem Tor – mit Musik und guten Argumenten. Die Sicherung von Beschäftigung steht bei ihnen ganz oben auf der Agenda, denn der Arbeitgeber lässt verlauten, dass es dem Unternehmen schlecht gehe.

Eben deshalb verhandelt die IG Metall mit der GE Power Conversion-Unternehmensleitung über einen abweichenden Tarifvertrag, basierend auf dem Pforzheimer Vertrag. Den haben Gewerkschaft und Arbeitgeber 2004 verhandelt. Geraten Unternehmen in Schieflage, analysieren IG Metall und Arbeitgeber die Gründe für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten und verabreden zielgenaue Maßnahmen. Die Vergangenheit hat gezeigt, dass ein solches Verhandeln auf Augenhöhe in der Regel gut und zügig funktioniert. „Dieses Modell wollen wir weiter stark machen, weil wir damit passgenaue Antworten entwickeln können“, erklärte Bezirksleiterin Birgit Dietze am 3. März während einer Diskussionsveranstaltung im Deutschlandfunk.

„Die Arbeitgeber stellen diesen gut funktionierenden Verhandlungsmechanismus in dieser Tarifrunde jedoch in Frage“, sagte Ingo Harms, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin. Was die Beschäftigten von GE Power davon halten, haben sie am Donnerstag deutlich gezeigt.

Mehr zum Warnstreik bei GE gibt es auf der Homepage der IG Metall Berlin.

Zusammenstehen auf Distanz bei Alstom in Hennigsdorf
Als sich die Beschäftigten von GE Power in Berlin wieder an die Arbeit machten, traten die Metallerinnen und Metaller von Alstom, ehemals Bombardier Transportation, in Hennigsdorf für anderthalb Stunden in den Warnstreik. 200 Beschäftigte versammelten sich vor dem Haupttor ihres Werks. Ihre Botschaft: Zusammenstehen geht auch auf Distanz. Gemeinsam machen sie sich stark für Beschäftigungssicherung und Zukunftstarifverträge, die ihnen, ihren Familien und der Region langfristige Perspektiven geben. „Wir bieten den Arbeitgebern Konzepte an und wollen gemeinsam mit ihnen die Zukunft gestalten“, sagte Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg. „Darauf zielen unsere Forderungen in der Tarifrunde. Die Arbeitgeber wünschen sich einen Tarifvertrag 2.0. Der aber führt direkt zurück in die Steinzeit und stellt wichtige tarifliche Errungenschaften in Frage.“

Anne Borchelt, die für Alstom zuständige Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Oranienburg, kritisierte, dass die Arbeitgeber nicht bereit sind, ihren Beitrag zu Beschäftigungssicherung zu leisten. „Geben sie ihre Blockadehaltung nicht auf, wird das hier heute nicht der letzte Warnstreik in dieser Tarifrunde gewesen sein“, so Anne Borchelt.

Weitere Informationen und Fotos finden sich auf der Homepage der IG Metall Oranienburg.

Produktion bei ZF Getriebe in Brandenburg weitgehend lahmgelegt
Kaum hatten die Kolleginnen und Kollegen bei Alstom ihren Warnstreik beendet, legten rund 200 Beschäftigte bei ZF Getriebe in Brandenburg an der Havel die Produktion im Werk für zwei Stunden weitgehend lahm. Und das aus gutem Grund, wie Sandro Hoffmann, Betriebsratsvorsitzender bei ZF in Brandenburg, erklärte: „Die Arbeitgeber haben gleich in der ersten Verhandlungsrunde gesagt: Wir geben gar nichts, es gibt nichts zu verteilen. Sie sagten: Die Pferde müssen erst einmal wieder saufen. Solche Aussagen sind erschütternd.“ Er stellte klar: „Wir wollen den Arbeitgebern nicht die Zukunftsentscheidungen überlassen. Wir wollen dabei mitreden.“

Dass die Angleichung Ost für die Kolleginnen und Kollegen bei ZF von zentraler Bedeutung ist, ließen die Kolleginnen und Kollegen die Arbeitgeber ebenfalls wissen. „Ich appelliere an die Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Osten, dass sie Druck in ihrem Arbeitgeberverband machen, um mit uns endlich tarifvertragliche Lösungen bei der Angleichung der Arbeitszeit zu erreichen“, sagte Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall auch in Potsdam. „Wenn wir es in der Fläche nicht schaffen sollten, knöpfen wir uns hier im Osten jeden einzelnen Betrieb vor, um die Angleichung der Arbeitszeit durchzusetzen. Das ist keine Drohung, das ist ein Versprechen. Die Arbeitszeitmauer muss jetzt endlich fallen.“

Die IG Metall fordert in dieser Tarifrunde für die Beschäftigten im Bezirk ein Tarifliches Angleichungsgeld, um endlich erste Schritte in diese Richtung zu gehen. Schließlich, so Bezirksleiterin Birgit Dietze, gehört „zu einer guten Zukunft für alle auch, dass die Ungleichheit zwischen Ost und West ein Ende hat.“

Stefan Körzell, DGB-Vorstandsmitglied, überbrachte den Metallerinnen und Metallern bei ZF die Solidarität aller im DGB vertretenen Einzelgewerkschaften. „Arbeitgeber, die sich nicht bewegen, müssen bewegt werden“, so Körzell. „Wir wollen den Strukturwandel mitgestalten und nicht den Arbeitgebern überlassen. Wir Gewerkschaften stehen nicht Pate für Lösungen, unter denen die Kolleginnen und Kollegen leiden.“

Mehr Infos und Bilder vom Warnstreik bei ZF gibt es hier.

Längster Autokorso, den die IG Metall Berlin je organisiert hat
Sechs Berliner Betriebe sorgten am frühen Nachmittag für einigen Verkehr auf den Straßen der Bundeshauptstadt. 500 Beschäftigte von Häfele, SKF, Procter & Gamble, Kieback, Jenoptik und Thales waren in Bewegung, um sichtbar zu machen, dass sie Stillstand am Verhandlungstisch nicht länger tolerieren. Trotz grauem Himmel und der Kälte hatten die Beschäftigten an ihrem Warnstreik viel Spaß. Anschließend trugen mehr als 150 Pkw mit 220 Kolleginnen und Kollegen den Warnstreik unter Einhaltung aller Coronaschutzmaßnahmen per Autokorso auf die Berliner Straßen. Es war der längste Autokorso, den die Berliner IG Metall je organisiert hat.

„Wenn sich die Arbeitgeber keinen Zentimeter bewegen, dann ist es wichtig, dass wir Flagge zeigen. Wir leisten gute Arbeit trotz Corona und dafür brauchen wir auch gutes Geld“, sagte Michael Mettler, Betriebsratsvorsitzender bei Häfele Berlin.

„Die Leier der Arbeitgeber, es gäbe nichts zu verteilen, ist weder glaubhaft noch richtig. Wenn sie sich nicht bewegen, müssen wir sie bewegen“, erklärte Marius Sänger, Gewerkschaftssekretär der IG Metall Berlin, zu Beginn des Autokorsos.  Am Schichauweg ging es Richtung Neukölln und von dort wieder zurück und am Daimlertor vorbei.

Auch Dorothea Lay ist mitgefahren. Sie ist Betriebsratsvorsitzende bei Thales, ein Unternehmen, in dem noch immer eine Grenze durch die Belegschaft geht. Alle Beschäftigten machen die gleiche Arbeit, sitzen nun im Homeoffice im Westen und Osten, aber weil ihr Betrieb im Osten liegt, müssen die einen drei Stunden länger arbeiten,während für die Kolleginnen und Kollegen im Westen  die 35- Stunden-Woche gilt. „Deshalb liegt uns die Angleichung sehr am Herzen“, sagt sie.

Mehr Fotos, ein Video und weitere Informationen gibt es hier.

Warnstreik bei GF Casting Solutions in Leipzig
Am frühen Nachmittag traten außerdem noch die Kolleginnen und Kollegen bei GF Casting Solutions in Leipzig in den Warnstreik. Als erstes heißt es auch dort: Maske kontrollieren, Abstand einhalten! Die Belegschaft bei Georg Fischer Leipzig beweist: Sie kann Warnstreik, auch unter den gegenwärtig erschwerten Coronabedingungen!

„Unsere Forderungen sind angemessen und weisen in die Zukunft. Die Beschäftigten sind diejenigen, die durch die Krise mit Maske, Abstand und Hygieneeinhaltung oder aus dem Homeoffice die wirtschaftliche Kraft aufrechterhalten. Wir haben mit einem angemessenen Abschluss im März 2020 auf die differenzierte wirtschaftliche Lage reagiert. Eine Nullrunde für die Beschäftigten 2021 beziehungsweise ein Mix aus Einmalzahlung und Tabellenerhöhung Im Jahr 2022 und ohne Lösungsansätze in der Frage der Angleichung Ost sind keine Grundlage für einen soliden Tarifabschluss“, sagte Bernd Kruppa.

Auf der Internetseite der IG Metall Leipzig gibt es weitere Fotos und Infos.

Forderungen der IG Metall in der Tarifrunde
Die IG Metall fordert für die rund 290.000 Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie in Berlin, Brandenburg und Sachsen ein Volumen von vier Prozent, das optional für eine Entgelterhöhung oder zur Beschäftigungssicherung eingesetzt werden kann, sowie einen tariflichen Rahmen für betriebliche Zukunftstarifverträge. Außerdem fordert die IG Metall im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen ein Tarifliches Angleichungsgeld, um endlich erste Schritte in der Angleichung Ost voranzukommen. Zudem soll die Verbesserung der Übernahme der Auszubildenden sowie die Einbeziehung der dual Studierenden in den Tarifvertrag geregelt werden.

 


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