Transformationskongress Chemnitz

Für einen sozialen und gerechten Wandel der Industrie

  • 05.09.2022
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  • Aktuelles

Gerade in der aktuellen Energiekrise mit stark steigenden Preisen lösen die Umbrüche in der Autoindustrie durch Mobilitäts- und Energiewende Ängste aus. Auf einem Transformationskongress der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen in Chemnitz machten Gewerkschaften, Politik und Wissenschaft deutlich: Die Transformation muss und sie kann sozialen Fortschritt bringen. Nötig dafür sind eine aktive Industriepolitik, eine sozialstaatliche Absicherung und eine gestaltende Tarifpolitik.

Für einen fairen Wandel: Transformationskongress in Chemnitz. (Bilder: IGM)

Für einen Auftaktkongress zum Thema Transformation ist Chemnitz gut gewählt. Das machte Mario John, 1. Bevollmächtigter der IG Metall in Chemnitz, gleich zu Beginn deutlich.Die Menschen hier haben gelernt, mit Umbrüchen umzugehen, hob Mario John hervor. Besonders nach dem starken Abbau von Industriearbeitsplätzen nach der Wiedervereinigung sei für die Chemnitzer klar: „Wir gestalten die Zukunft selbst". Und genau darum ging es bei dem Kongress: Den Wandel in der Automobilindustrie und anderen Branchen aktiv so zu beeinflussen, dass er den Beschäftigten nützt und für gute Arbeit auch in 20, 30 oder 40 Jahren sorgt.

Wie das in wichtigen Unternehmen im Bezirk funktioniert, schilderten Betriebsräte in einer Talkrunde. Als „gut" lobte Jens Köhler, Betriebsratsvorsitzender bei BMW Leipzig, die Strategie des Unternehmens für das Elektrozeitalter. Zugleich forderte er aber, nicht nur bei den Produkten, sondern auch bei der Produktion stärker auf Nachhaltigkeit zu achten. Zum Beispiel arbeite man an vielen Stellen schon mit Wasserstoff. Doch der werde noch immer per Lkw statt mit einer Pipeline in die Werke transportiert. Viel zu lange dauere die Debatte über den Bau einer Pipeline. „Das nervt mich", betonte Jens Köhler.

Als „Erfolgsgeschichte" bezeichnete Uwe Kunstmann, Betriebsrat bei Volkswagen Sachsen in Zwickau, die Entwicklung der sächsischen VW-Standorte. Aber nicht alle in der Belegschaft seien von Anfang an begeistert gewesen von der Umstellung auf Elektro-Modelle. „Der Weg war nicht einfach für die  Belegschaft und den Betriebsrat." Umso besser aber, dass Betriebsrat und IG Metall den Wandel dennoch vorangetrieben haben. Ein Beispiel, das Mut machen kann auch für die künftigen Aufgaben.

An den erfolgreichen Kampf für den Erhalt des Standortes erinnerte Bojan Westphal, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Berliner Mercedes-Benz Werk. Dort wird künftig der elektrische Hochleistungsmotor entwickelt und produziert. Und die Beschäftigungssicherung bis 2030 gibt die Möglichkeit, die Zukunft zu gestalten. Diesen Zeitraum gilt es zu nutzen, so Bojan Westphal. 

IG Metall-Bezirksleiterin Irene Schulz konnte wegen dringender Termine nicht persönlich kommen, betonte aber in einer Videoansprache: „Transformation entscheidet sich in der Region. In Sachsen, Brandenburg und Berlin liegen große Chancen für neue Industriebranchen aus dem Mobilitäts- und Energiebereich. Hier in der Region können wir den Wandel der Fahrzeugindustrie sozial und gerecht gestalten. Dafür brauchen Unternehmen und Belegschaften Unterstützung. Ich begrüße es daher sehr, dass die Bundesregierung mit der Förderung der Transformationsnetzwerke bundesweit und hier in der Region die soziale Gestaltung des Umbruchs unterstützt. Dafür hat sich die IG Metall stark gemacht. Wir lassen als IG Metall bei diesem grundlegenden Wandel keinen Betrieb und keine Belegschaft allein“, so Irene Schulz.

Wolfgang Lemb, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, forderte in seiner Rede in Chemnitz eine aktive Strukturpolitik: „Wir, die IG Metall haben uns frühzeitig auf den Weg gemacht, eine gerechte Transformation zu gestalten. Deshalb setzen wir in unserer politischen Arbeit stark auf die proaktive Entwicklung von regionaler Strukturpolitik. Neben allen Risiken bietet die Transformation gerade in Ostdeutschland, mit bedeutenden Automobilclustern, auch die Chance für einen nachhaltigen Strukturwandel im Interesse der Beschäftigten. Neue Arbeitsplätze in der Elektromobilität entstehen, und wir haben es gemeinsam in der Hand, den Wandel zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Gute Arbeit für Ostdeutschland muss die Maxime einer gelingenden Transformation sein.“

Achim Truger, Mitglied des Sachverständigenrates und damit einer der fünf „Wirtschaftsweisen“, wies auf die volkswirtschaftliche Bedeutung der Transformation in der Autoindustrie hin. Diese trage fünf Prozent zur gesamten Bruttowertschöpfung der deutschen Volkswirtschaft bei. Rechne man noch die vielen Verflechtungen hinzu, sei die Bedeutung sogar doppelt so hoch. Zwei Millionen Arbeitsplätze hängen laut Truger von der Autoindustrie ab. Das zeigt, was bei der Transformation dieser Schlüsselbranche für die gesamte Gesellschaft auf dem Spiel steht. Truger betonte: „Daher ist eine gelingende Transformation in der Automobilindustrie so wichtig für Wohlstand und Arbeitsplätze in Deutschland. Gerade in unsicherer Zeit ist hier Unterstützung durch eine gestaltende Politik gefragt.“

Der sächsische Arbeits- und Wirtschaftsminister Martin Dulig erklärte: „Die erfolgreiche Umstellung unserer sächsischen Automobilstandorte auf E-Autoproduktionen und die steigende Teilhabe unserer starken Zuliefererindustrie an der E-Mobilität zeigen mir, dass wir die Transformation der Automobilindustrie im Freistaat nachhaltig und richtig eingeleitet haben. Wir haben dabei die Erfahrung gemacht, dass die Transformation einen dauerhaften und herausfordernden Anpassungsprozess auf sich laufend ändernde Rahmenbedingungen darstellt. Diesen dauerhaften Wandel können wir nur gemeinsam meistern! Die neuen Transformationsnetzwerke sind dabei ein wichtiger Meilenstein, da sie erstmals alle von der Transformation betroffenen Branchenakteure auf regionaler Ebene vereinigen. Somit stehen nicht mehr nur das Automobil oder die Antriebstechnologie im Mittelpunkt. Vielmehr rückt nun der Mensch – als Mobilitätsnutzer und als hoch qualifizierte Fachkraft – mit in den Fokus. Mit diesem neuartigen und vereinten Denkansatz wünsche ich den Konsortialpartnern der Netzwerke einen erfolgreichen Projektstart!“


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