Utopie-Konferenz

IG Metall Jugend reiste in die Zukunft: Wie sieht die Welt in zehn Jahren aus?

  • 21.04.2020
  • ir-kk
  • Aktuelles, Corona, Studierende/Hochschule, Jugend/Azubis

Herzlich willkommen im Jahr 2030! 46 junge Metallerinnen und Metaller sind am 17. April für dreieinhalb Stunden in die Zukunft gereist. Im Rahmen der digitalen Utopie-Konferenz der IG Metall Jugend im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen haben sie eine Welt entworfen, wie sie sie sich in zehn Jahren vorstellen.

Foto: IG Metall

Was können wir aus der Corona-Pandemie mitnehmen? Solidarität!

Konkrete Leitfragen führten die Konferenzteilnehmenden in die Zukunft: Wie funktioniert Bildung heute? Gibt es eigentlich noch Abschlüsse? Wie sieht die Arbeit aus? Wird heutzutage viel Wert auf Arbeitsschutz gelegt? Sind wir sozialer geworden? Gehst Du immer noch einmal die Woche für Deine alte, kranke Nachbarin einkaufen? Wie wichtig sind Dir Deine eigenen vier Wände? Und was ist eigentlich aus der Fridays for Future Bewegung geworden? Haben sie ihre Ziele erreicht?

Aber auch Fragen zur Bedeutung der gegenwärtigen Corona-Pandemie und über die Rolle von Gewerkschaften beim Erreichen der Welt anno 2030 spielten in den Gedankenspielen eine Rolle: Warum hat sich durch die Pandemie vor 10 Jahren eigentlich alles geändert? Und was haben die Gewerkschaften vor 10 Jahren getan. Welche Pläne haben sie auf der Utopie-Konferenz geschmiedet, die dazu geführt haben, dass die Gegenwart so aussieht, wie wir sie uns vorstellen?

In vier Arbeitsgruppen haben sich die Teilnehmenden aus dem gesamten Bundesgebiet und aus mehr als 20 Betrieben und Hochschulen Gedanken über die Welt im Jahr 2030 gemacht. Beim Blick in die Zukunft setzten die jungen Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter ihren Fokus auf die Themen Arbeit, Bildung, Soziales sowie Umwelt und Klima.

Wichtigste Arbeitsgruppenergebnisse zu den vier Themen waren:

  • Klima:
    - emissionsfreie Energieversorgung
    - Unterstützung lokaler Unternehmen
    - 14 Tage Sommerpause in allen Betrieben
    Die Gewerkschaftsjugend hat dazu mit Bildungsarbeit und Druck auf die Betriebe beigetragen.    
  • Bildung:
    - Ausbau von digitalem Lernen und digitaler Qualifizierung für Lehrkräfte
    - Bildung und Technik sind kostenfrei
    - persönliche Entwicklung als Grundlagenfach
    - Abbau von Hierarchien
    Die Gewerkschaftsjugend hat dazu durch Gespräche mit Politikerinnen und Politikern, Präsenz in öffentlichen Schulen und einem  Jugend1-Seminar für Schülerinnen und Schüler beigetragen.    
  • Arbeit:
    - Schichtarbeit gestrichen
    - 20-Stunden-Woche
    - Homeoffice
    - Verteilung von weniger Arbeit auf mehr Menschen
    - mehr sinnstiftende Arbeit
    Die Gewerkschaftsjugend hat dazu durch die Demokratisierung von Wirtschaft, Mitgliederstärke, branchenübergreifender    Lohngerechtigkeit und internationaler Zusammenarbeit beigetragen.   
  • Soziales:
    - kostenloser ÖPNV
    - gute nachbarschaftliche Beziehungen
    - starke europäische Gemeinschaft und Vernetzung
    - ökologischer Verzicht auf Konsum
    Die Gewerkschaftsjugend hat durch eine europäische Bewegung und grenzübergreifenden TVs dazu beigetragen.

Zum Abschluss der Konferenz diskutierten die jungen Metallerinnen und Metaller mit Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, Anne Jung, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit und Sprecherin für globale Gesundheit bei Medico International. Wichtige Diskussionspunkte waren sowohl außenpolitische Themen (Solidarität in der Europäischen Union (EU) oder die Rettung von Geflüchteten an den EU-Außengrenzen) als auch innenpolitische Fragen: Wie sind soziale Fragen nach der Corona-Pandemie in Deutschland zu lösen? Werden Tafeln für Bedürftige geschlossen? Wie können Arbeitsplätze gesichert werden? Wie steht es um die Grundsicherung für Erwerbslose?

Abschlussdiskussion mit Hans-Jürgen Urban und Anne Jung
Deutlich wurde in der Diskussion, dass der Zugang zur Gesundheitsversorgung für alle geöffnet werden muss, insbesondere auch im globalen Süden, der besonders hart von der Pandemie betroffen ist. Denn Gesundheit ist Menschenrecht. Um das zu gewährleisten, so die Konferenzteilnehmer, müsse die Privatisierung des Gesundheitssektors rückgängig gemacht werden.
Große Zustimmung fand auch der Punkt, dass die gegenwärtige Pandemie ein Fenster öffne, um „unser Wirtschaftssystem zu kritisieren und zu verändern“, eine Chance, die unbedingt genutzt werden müsse.

Fit für die Zukunft
Dass die Jugend gut vorbereitet für die Zukunft ist, bewies sie mit dem Format ihrer Utopie-Konferenz. Sie nutzten zahlreiche Möglichkeiten, die die noch vergleichsweise neue Videokonferenz per Zoom ihnen bot, bewegten sich in digitalen Konferenz- und „Breakout“-Rooms in großen und kleinen Gruppen, und stimmten verschiedene Fragen parallel über digitale Tools mit dem Smartphone ab.

Unterstützt wurden die Bezirkssekretärinnen Astrid Gorsky und Isabella Rogner, die die Konferenz vorbereitet hatten, bei der Durchführung von zahlreichen Ehrenamtlichen aus den Geschäftsstellen des Bezirks und aus dem Team der Jugendbildungsreferentinnen und -referenten und vom Jugendbildungszentrum Schliersee.  

Die Zustimmung der Teilnehmenden am Ende der dreieinhalbstündigen Konferenz war groß: 4,3 von 5 möglichen Sternen.

 

 

 


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