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IG Metall und HTW Berlin diskutieren über sinnvolle KI-Regulierung 

10.11.2025 | Wie lässt sich Künstliche Intelligenz sinnvoll regulieren, ohne Innovationen auszubremsen? Diese Frage stand im Mittelpunkt einer wegweisenden Veranstaltung von IG Metall und HTW Berlin. Zum ersten Mal diskutierten Gewerkschaft und Hochschule gemeinsam mit Expert*innen aus Industrie, Forschung und Regulierung über den EU AI Act und seine Folgen für die Arbeitswelt. Die Botschaft: KI braucht klare Regeln – und Mitbestimmung.

Zum ersten Mal fand an der HTW Berlin eine Kooperation von Hochschule und IG Metall statt. Fotos: IG Metall.

Zwischen Innovation und Verantwortung: die sinnvolle KI-Regulierung – unter diesem Titel fand eine richtungsweisende Veranstaltung zur Zukunft der Künstlichen Intelligenz in der Arbeitswelt statt. Zum ersten Mal kooperierten die IG Metall und die Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin (HTW Berlin), um gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern aus Industrie, Start-ups, Gewerkschaften und Regulierungsbehörden über Chancen, Risiken und den politischen Rahmen für KI zu sprechen. 

Im Zentrum stand der EU AI Act, der seit August 2024 schrittweise in Kraft tritt und klare Anforderungen für den Einsatz von KI-Systemen formuliert. Die erste Phase begann im Februar 2025 mit dem Verbot hochriskanter Praktiken und der Einführung von Schulungspflichten für Unternehmen. Ab August 2025 folgen umfassende Regelungen für Anbieter von General Purpose AI-Modellen und weiteren Hochrisiko-Anwendungen. 

Prof. Dr. Philipp B. Donath (University of Labour) eröffnete mit der Frage: „Zu viel reguliert?“ und brachte die Rolle des EU AI Act auf den Punkt: „Der EU AI Act ist wie ein Geländer: Er bietet Orientierung, gibt Halt und hilft, sicher das Ziel zu erreichen.“ 

Diese Metapher prägte die anschließende Diskussion, in der es um die Balance zwischen technologischer Innovation und gesellschaftlicher Verantwortung ging. Denn während KI im Alltag längst angekommen ist, stehen Unternehmen und Beschäftigte vor neuen Herausforderungen: Datenschutz, Transparenz und Qualifizierung. 

Im Zentrum der Paneldiskussion standen die unterschiedlichen Perspektiven auf den verantwortungsvollen Einsatz von KI in der Arbeitswelt. Vertreterinnen und Vertreter aus Regulierung, Wissenschaft, Industrie und Mitbestimmung beleuchteten die Herausforderungen und Chancen aus ihrer jeweiligen Praxis. 

Tanja Reiner von der Bundesnetzagentur stellte sich der Frage nach der Durchsetzbarkeit des EU AI Acts: „Ein Office in der EU-Kommission und nationale Behörden sollen die Einhaltung kontrollieren – ist das realistisch?“ Sie erläuterte, welche Kompetenzen den Instanzen zur Verfügung stehen und wie weit die Behörde sich bisher dazu aufgestellt hat. 

Prof. Dr. Martin Heckelmann von der HTW Berlin betonte die juristische Dimension und sprach über Mitbestimmungsmöglichkeiten im Betrieb. Zwar schaffe der AI Act keine neuen Beteiligungsrechte, doch in Kombination mit den bestehenden Regelwerken wie DSGVO, Betriebsverfassungsgesetz oder Arbeitsschutzgesetz, könne die Mitbestimmung über und bei KI stattfinden. Er und die anderen Panelteilnehemden waren sich einig, dass es sinnvoll ist Betriebsvereinbarungen abzuschließen udn auch tarifliche Standards zur algorithmischen Steuerung und menschlicher Kontrolle zu entwickeln. 

Dr. Yannick Kalff, ebenfalls von der HTW Berlin, brachte die Perspektive der Technikforschung ein und plädierte für Standards, die nicht entmündigen, sondern Kompetenzen stärken – insbesondere bei nicht-akademischen Tätigkeiten. Er betonte, dass KI nicht nur erklärbar, sondern auch nachvollziehbar und gestaltbar sein müsse. Aus seiner Forschungserfahrung berichtete er, dass Einführungen mit einer intensiven Beteiligung der Beschäftigten immer erfolgreicher waren als ohne. 

Anika Holtemüller von IAV Stuttgart sprach aus Sicht der betrieblichen Praxis. Sie schilderte, woran Beschäftigte „gute KI“ erkennen – etwa an nachvollziehbaren Entscheidungen und spürbarer Entlastung – und warnte vor „mieser KI“, die intransparent, überfordernd oder diskriminierend wirkt. Ihre Erfahrungen aus dem Projekt „She Talks Tech“ zeigten, wie wichtig es ist, Beschäftigte frühzeitig einzubeziehen und Führungskompetenzen im Umgang mit KI weiterzuentwickeln. 

Gemeinsam diskutierte das Panel, wie sich ethische Aspekte in der praktischen Umsetzung des AI Acts verankern lassen, wer letztlich Verantwortung trägt – und wo regulatorisch rote Linien gezogen werden müssen. Die zentrale Botschaft: KI darf nicht zum Selbstzweck werden, sondern muss dem Menschen dienen – transparent, gerecht und mitgestaltbar. 

Fazit: Die Veranstaltung zeigte eindrucksvoll, wie Regulierung nicht als Bremse, sondern als Wegweiser für eine gerechte und zukunftsfähige KI-Nutzung verstanden werden kann. Gemeinsam gestalten wir den Wandel – mit Verantwortung und Weitblick. 

Von: mr

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