Neue Halberg Guss

Interview mit Olivier Höbel zur Schlichtung bei Neue Halberg Guss

  • 27.07.2018
  • aw
  • Aktuelles

Nach 46 Tagen Streik und sechs ergebnislosen Tarifverhandlungen um einen Sozialtarifvertrag für die Beschäftigten der Neue Halberg Guss in Leipzig und Saarbrücken einigten sich IG Metall und Arbeitgeberseite gestern auf ein Schlichtungsverfahren. Am Montag wird um 6 Uhr der Streik unterbrochen. Was bedeutet das für die streikenden Kolleginnen und Kollegen in Leipzig?

Foto: Wolfgang Zeyen - Streikbeginn 14. Juni 2018

Was genau bedeutet eine Unterbrechung des Streiks?

 

Wenn wir am Montag um 6 Uhr gemeinsam den Streik unterbrechen – in Leipzig und in Saarbrücken - setzen wir den Streik nur aus. Solange das Schlichtungsverfahren läuft, wird gearbeitet – aber wir beenden den Streik erst dann mit einer zweiten Urabstimmung, wenn ein Ergebnis vorliegt, das auch für die Kolleginnen und Kollegen akzeptabel ist.

 

Warum geht die IG Metall diesen Weg?

 

Mit einem klaren und entschiedenen Votum in der Urabstimmung zu Beginn des Streiks und in den folgenden sechs Wochen des Arbeitskampfes haben beide Belegschaften bewiesen, wie hart sie um die Zukunft ihrer Arbeitsplätze kämpfen können. Sie sind allen Provokationen mit Gelassenheit begegnet, haben alle juristischen Angriffe mit Bravour gekontert und den ökonomischen Druck aufs äußerste gesteigert.

 

Die Wahl der Mittel in einer Auseinandersetzung bestimmen wir selber. In den sechs Verhandlungen hat sich die Arbeitgeberseite als unfähig erwiesen, einen konstruktiven Beitrag zur Lösung des Konflikts beizutragen. Sie hat ihre Kraft vergeudet, um in unnützen juristischen Verfahren unser Grundrecht auf Streik anzugreifen, statt zu begreifen, dass konstruktive Lösungen nur mit und nicht gegen die Belegschaften erreicht werden können. In einer solchen Situation ist es unsere Verantwortung, einen neuen Weg zur Lösung des Konflikts zu begehen. Die Benennung eines erfahrenen Schlichters ist unser Beitrag zur Deeskalation eines harten Konflikts und der Versuch, zu einer konstruktiven Lösung zu kommen.

 

Was passiert jetzt? Wie sieht so eine Schlichtung aus?

 

Der von uns benannte Schlichter ist mittlerweile von der Arbeitgeberseite akzeptiert und wird nun unverzüglich die Arbeit aufnehmen. Er wird beide Parteien an den Verhandlungstisch bitten und dann mit dem Gewicht und der Erfahrung eines langjährigen Schlichters und Arbeitsrichters versuchen, ein konstruktives Ergebnis zu einer Einvernehmlichkeit zu bringen.

 

Mit welchen Positionen geht die IG Metall in die Schlichtung und wie wird am Ende darüber entschieden?

 

Die IG Metall fordert eine nachhaltige und langfristige Perspektive für die Beschäftigten durch einen Sozialtarifvertrag. Das beinhaltet akzeptable Abfindungen und eine gut ausgestattete Qualifizierungsgesellschaft. Über einen Treuhänder soll ein Fonds eingerichtet werden, der für diejenigen einen tariflichen Nachteilsausgleich gewährt, die ihren Arbeitsplatz betriebsbedingt verlieren.

 

Die IG Metall hat in den bisherigen Verhandlungen deutlich gemacht, dass sie in Verhandlungen beweglich und zu Kompromissen bereit ist. Dies gilt natürlich auch in der Schlichtung. Aber Kompromisse sind keine Einbahnstraße, sondern erfordern das Aufeinander zugehen beider Parteien. Wir gehen davon aus, dass die Arbeitgeberseite diese notwendige Konsensfähigkeit in die Schlichtung einbringt.

 

Das Angebot an die Arbeitgeberseite ist die Aussetzung des Streiks für die Phase der Schlichtung, um ein deutliches Signal für unseren Lösungswillen auszusenden. Dabei geben wir unser Kampfmittel des Streiks nicht aus der Hand. Über eine Beendigung des Arbeitskampfes wird entschieden, wenn der Spruch des Schlichters auf dem Tisch liegt und von uns beraten wurde.


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