Betriebsratswahl 2026 Tesla

Laura Arndt: „Wir wollen bei Tesla Mitbestimmung leben“

27.02.2026 | Laura Arndt (31) kandidiert bei der Tesla-Betriebsratswahl auf Platz eins der Liste „IG Metall Tesla Workers GFBB“. Was sie motiviert, trotz des Drucks durch die Geschäftsführung anzutreten, berichtet sie im Interview.

Laura Arndt. (Bild: Jörg Farys/IGM)

Laura, Ihr bereitet Euch auf die dritte Betriebsratswahl bei Tesla in Grünheide vor. Mit welchen Erwartungen geht Ihr in die Wahl?

Laura: Wir treten an, um eine klare Mehrheit zu erreichen. Nur dann können wir hier in der Gigafactory auch Mitbestimmung leben. Die anderen Listen sind zu managementnah.

Um was geht es Anfang März? Was könnt Ihr für die Kolleginnen und Kollegen verbessern, wenn Ihr die Wahl gewinnt?

Laura: Da fallen mir so viele Punkte ein. Ich nenne beispielsweise einen: Wir wollen, dass die deutschen Gesetze und Betriebsvereinbarungen beachtet werden. Wir wollen als Betriebsrat dagegen vorgehen, wenn sich das Management nicht daranhält.

Ein großes Thema in Grünheide war immer der immense Arbeitsdruck. Jetzt schwächelt auch bei Tesla seit einiger Zeit der Absatz. Spürt Ihr dies in den Werkshallen?

Laura: Definitiv. Die Kolleginnen und Kollegen arbeiten oft allein, wo lange zwei Leute waren. Es gibt allerdings auch keine Entlastung, wenn jemand krank ist. Dann heißt es, Ihr müsst halt schneller machen.

Die Auseinandersetzungen bei Tesla sind stets besonders hart. Was motiviert Dich trotzdem, Dich als Betriebsrätin zu engagieren?

Laura: Mir ist klar, wie wichtig es ist, dass man sich vereint. Mitbestimmung kann man nur leben, wenn man sich zusammenschließt. Wir alle wissen in der Gigafafactory, wie wichtig es ist, dass Leute aufstehen und sagen: Bis hier und nicht weiter.

Wie ist der Zusammenhalt in der Gigafactory? Fühlt Ihr Euch als ein Team?

Laura: Wir arbeiten gern hier und die Solidarität ist groß. Aber der Druck von oben ist schon gewaltig. Als aktive, aber nicht komplett frei gestellte Betriebsrätin fühle ich mich beispielsweise häufig ausgeschlossen vom Team. Mir werden nur Einzelaufgaben zugewiesen und keine Teamaufgaben. Dies berichten auch andere Kolleginnen und Kollegen, die als IG Metallerinnen und Metaller Betriebsräte sind.

Wie läuft der Wahlkampf?

Laura: Für uns sehr gut. Die Kolleginnen und Kollegen sind diesmal offener. Viele kommen proaktiv auf uns, interessieren sich für unsere Flyer und Positionen. Vor zwei Jahren war die Angst noch größer, mit der IG Metall gesehen zu werden.

Was sind die größten Herausforderungen für die nächsten vier Jahre. Oder anders gefragt: Sind die schlechten Absatzzahlen von Tesla ein Thema in der Belegschaft?

Laura: Auf jeden Fall. Viele haben Existenzängste. Insbesondere an den Linien sehen sie, wie um sie herum Leute gekündigt werden, häufig nach Krankheiten. Auf einmal fehlt hier oder dort jemand, ohne dass die anderen wissen, warum genau der Kollege oder die Kollegin gehen musste. Die Absatzzahlen, die veröffentlicht werden, machen vielen schon große Sorgen genau wie der Beschäftigungsrückgang in den vergangenen zwei Jahren. Wir von der IG Metall-Liste setzen uns mit aller Kraft dafür ein, dass es hier weitergeht und wir eine Zukunft bei Tesla haben.

Das Interview führte Markus Sievers

 

Von: ms

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