Kontraktlogistik

Mehr Geld und mehr Zeit für die sächsischen Schnellecke-Beschäftigten

  • 16.06.2022
  • kk
  • Aktuelles, Metall-/Elektro

Die Schnellecke-Beschäftigten in der sächsischen Automobilbranche bekommen mehr Geld und schrittweise bis zum 1. Januar 2026 auch die 35-Stunden-Woche – mit am Ende vollem Lohnausgleich. Nach monatelangem Ringen ist der IG Metall im Bezirk ein zukunftsweisender Tarifabschluss gelungen, der bei den Kolleginnen und Kollegen des Logistikdienstleisters gut ankommt. Schnellecke ist ein wichtiger Logistik-Dienstleister von VW, BMW und Porsche.

Das hohe Engagement und der starke Durchhaltewillen haben sich ausgezahlt: Die Tarife steigen deutlich für die Schnellecke-Beschäftigten und mehr Zeit haben sie bald auch. Die 35-Stunden-Woche kommt schrittweise. Foto: IG Metall

„Das ist ein großartiger Erfolg. Die intensiven Warnstreiks und unsere Hartnäckigkeit in den Verhandlungen haben sich ausgezahlt“, sagte IG Metall-Bezirksleiterin Birgit Dietze. „Dieser Tarifabschluss setzt Maßstäbe für die gesamte sächsische Kontraktlogistik. Insbesondere in der aktuellen Situation hoher Inflation ist es wichtig, neben den greifenden staatlichen Maßnahmen für faire Löhne und Arbeitsbedingungen zu sorgen und einen schmutzigen Wettbewerb über Lohndumping zu verhindern.“

Stimmen aus den Betrieben
Bei den Beschäftigten trifft der Abschluss auf viel Zustimmung. „Bei den Kolleginnen und Kollegen ist das Tarifergebnis sehr gut angekommen“, berichtete Kai Hammer, Betriebsratsvorsitzender bei Schnellecke im BMW-Werk Leipzig. „Der Abschluss ist auch in dieser Höhe vollkommen gerechtfertigt, schließlich stimmt auch bei den Kolleginnen und Kollegen die tägliche Performance. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass Schnellecke durch diesen Abschluss – angesichts der angespannten Arbeitsmarktsituation in Leipzig – als Arbeitgeber wieder attraktiver wird.“

„Das ist ein zukunftsweisendes Ergebnis für die Kolleginnen und Kollgen bei Schnellecke“, erklärte Ronny Ott, Betriebsratsvorsitzender bei Schnellecke Logistics Sachsen. „Zum einen können  sie sich mit der Entgelterhöhung ihr Leben zurückkaufen und die Arbeitszeitabsenkung sichert, in Zeiten der Automatisierung, weiterhin ihre Arbeitsplätze.“

Mehr Geld 2022 und 2023
Das Tarifergebnis, das die IG Metall mit Schnellecke erzielt hat, beschert den sächsischen Logistik-Beschäftigten 2022 und 2023 ein deutliches Lohnplus. So steigt das monatliche Einstiegsentgelt (Entgeltgruppe 5) für Facharbeiterinnen und Facharbeiter 2022 auf 2450 Euro, das entspricht einer Erhöhung um elf Prozent. Bei den Beschäftigten in den anderen Tarifgruppen steigen die Löhne entsprechend. Für die Kolleginnen und Kollegen der Entgeltgruppe 2 ist eine überproportionale Lohnsteigerung auf 2010 Euro vorgesehen. Dies dient – angesichts der hohen Inflation – dem sozialen Ausgleich. Und: Auch im kommenden Jahr steigen die Löhne und Ausbildungsvergütungen zum 1. September 2023 noch einmal um 3,2 Prozent. Das hat die IG Metall gegen den Arbeitgeber durchgesetzt, der sich hartnäckig gegen eine weitere Lohnerhöhung gewehrt hatte und für 2023 sehr lange nur eine Lohnpause „angeboten“ hat.

Auch den Auszubildenden bringt der Abschluss mehr Geld ins Portemonnaie. Die Ausbildungsvergütungen steigen zum 1. Juli auf 900 Euro (1. Ausbildungsjahr), 950 Euro (2. Ausbildungsjahr), 1000 Euro (3. Ausbildungsjahr) und 1050 Jahr (4. Ausbildungsjahr).

IG Metall-Mitgliedschaft lohnt sich: Bonus für Metallerinnen und Metaller
Für IG Metall-Mitglieder unter den Schnellecke-Beschäftigten klingelt die Kasse noch einmal mehr: Sie erhalten mit der Juli-Entgeltabrechnung eine Einmalzahlung von 250 Euro. Auszubildende, die IG Metall-Mitglied sind, bekommen 125 Euro Einmalzahlung.

„Dass wir endlich den Mitgliederbonus verankern konnten, ist großartig“, sagte Kai Hammer, „denn ohne Mitglieder und eine starke IG Metall im Rücken hätten wir diesen Tariferfolg niemals durchsetzen können.“

Mehr Zeit in drei Schritten ab 1. Januar 2023
Neben deutlich mehr Geld haben die sächsischen Schnellecke-Beschäftigten bald auch deutlich mehr Zeit. Denn IG Metall und Arbeitgeber haben sich auch auf einen neuen Manteltarifvertrag zur Regelung der Arbeitszeit geeinigt. Der bringt den Kolleginnen und Kollegen schrittweise endlich auch die lang umkämpfte 35-Stunden-Woche. Von derzeit 37,5 Wochenstunden sinkt die Arbeitszeit in drei Schritten bis zum 1. Januar 2026 auf 35 Stunden pro Woche.

„Mit der Einführung der 35-Stunden-Woche nun auch bei Schnellecke kommen wir der Angleichung der Arbeitszeiten zwischen Ost- und Westdeutschland wieder ein Stück näher“, sagte Birgit Dietze. „Es war für uns als IG Metall zentral, dass die Kolleginnen und Kollegen bei Schnellecke diesen Schritt nicht durch einen Lohnverzicht bezahlen müssen.“

Vereinbart sind drei Stufen der Absenkung: Die wöchentliche Arbeitszeit von 37,5 Stunden sinkt ab 1. Januar 2023 auf 37, ab 1. Januar 2024 auf 36 Stunden und ab 1. Januar 2026 dann auf 35 Stunden ab.

In geringem Umfang können die Betriebsparteien befristet Teilkompensationen aufgrund der dadurch entstehenden Mehrkostenbelastungen vereinbaren. Für einzelne Standorte ist ausschließlich eine befristete und teilweise Kostenentlastung durch Produktivitäts- und Effizienzsteigerungen vereinbart. Die Details regeln die Werksleitungen mit den Betriebsräten.

Schwierige Verhandlungen über Monate
Die Tarifverhandlungen mit Schnellecke waren schwierig und gingen über mehrere Monate. Bis nach Mitternacht hatte die IG Metall in der Vorwoche von Donnerstag auf Freitag (9./10. Juni) mit dem Arbeitgeber in Berlin-Pichelssee gerungen. Ein Durchbruch, der die Anwendung auf alle Standorte beinhaltete, war in dieser Nacht nicht zu erzielen. Daraufhin verständigten sich IG Metall und Arbeitgeber auf eine letzte Frist bis Mittwoch, 15. Juni, 12 Uhr. Mit auf den Weg gab die IG Metall dem Arbeitgeber die Ankündigung, dass, sollte es zu keiner Einigung kommen, weitere massive Warnstreiks bis zum Ausfall ganzer Schichten folgen könnten. Ergebnis: Die Arbeitgeber lenkten ein. Die Erinnerung an die starken Warnstreiks ihrer Beschäftigten, die sie in den vergangenen Wochen und Monaten erlebt hatten, hatten wohl nachhaltig Wirkung gezeigt und alle Zweifel an der Entschlossenheit der Beschäftigten zerstreut.

Benjamin Zabel, Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, spricht von einem „historischen Ergebnis in der sächsischen Kontraktlogistik und insbesondere bei Schnellecke“. Für ihn ist der Abschluss der Beweis, „dass es auch in einer Zeit, die gerade für die Beschäftigten schwierig ist, möglich ist, mit einem hohen Organisationsgrad der IG Metall ordentlich Druck auf den Arbeitgeber aufzubauen und ein großartiges Ergebnis zu erkämpfen.“

 


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