BSH Nauen

Nauen solidarisiert sich mit BSH-Beschäftigten

27.11.2025 | Rund 650 Menschen haben in Nauen mit einem solidarischen Laternenumzug eindrucksvoll gegen ein Aus für das örtliche Bosch-Siemens-Hausgeräte-Werk (BSH) demonstriert. Die BSH-Geschäftsführung hatte am 10. Oktober vollkommen unerwartet angekündigt, das Werk in Nauen bis Mitte 2027 schließen zu wollen. Das wollen die etwa 450 Beschäftigten und ganz auch zahlreiche Bürgerinnen und Bürger nicht widerstandslos hinnehmen. Sie fordern den Erhalt des BSH-Standorts und der Arbeitsplätze in Nauen.

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Mit einem Laternenumzug zeigen die Nauenerinnen und Nauener ihre Solidarität für die BSH-Beschäftigten. (Bilder: Volker Wartmann)

Die Menschen in Nauen machen deutlich: Für die ganze Stadt wäre ein Aus für BSH eine Katastrophe.

Die IG Metall ist zu Verhandlungen bereit, aber falls nötig auch zu Arbeitskämpfen: IG Metall-Bezirksleiter Jan Otto.

„Für die Stadt Nauen wäre eine Schließung des BSH-Werks eine Katastrophe. BSH ist einer der größten Arbeitgeber in der Stadt“, sagte Anne Borchelt, Zweite Bevollmächtigte der IG Metall Oranienburg-Potsdam bei der Kundgebung auf dem Rathausplatz. „Die Kolleginnen und Kollegen sind nicht bereit, die Kahlschlagpläne des Unternehmens widerstandslos hinzunehmen. Die Beschäftigten fordern gemeinsam mit der IG Metall vom Konzern Alternativkonzepte, um den Standort und die Arbeitsplätze in Nauen zu erhalten.“ Borchelt bekräftigte: „Die Kolleginnen und Kollegen sind bereit, ihren Teil zu konstruktiven Lösungen beizutragen.“

Das Verhalten des Arbeitgebers sei nicht akzeptabel, so Anne Borchelt weiter. „Das Unternehmen trägt als Arbeitgeber eine große, soziale Verantwortung für seine Beschäftigten und für die Region“, betont Borchelt. „Dieser Verantwortung darf es sich nicht durch einsam getroffene Entscheidungen entziehen. Wir zeigen heute, dass Nauen zusammensteht: Einwohnerinnen und Einwohner, Angehörige, Politikerinnen und Politiker, Kinder und Gewerkschaften stehen solidarisch an der Seite der Kolleginnen und Kollegen bei BSH.“

Jeanette Luschnat, Betriebsratsvorsitzende im BSH-Werk in Nauen, warf dem Unternehmen Wortbruch vor. Sie sagte in ihrer Rede, dass die Geschäftsführung zugesagt habe, dass „wir hier in Nauen auch in den kommenden Jahren hochwertige Geräte fertigen werden.“ Darauf hätten sich die Kolleginnen und Kollegen verlassen, so Luschnat.

Frederike Haase, Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium des Landes Brandenburg, überbrachte den Demonstrierenden solidarische Grüße von Ministerpräsident Dietmar Woidke und betonte, dass die Landespolitik an ihrer Seite stehe. „Hier in Nauen werden Haushaltsgeräte Made in Germany gefertigt und das muss auch so bleiben“, unterstrich Haase. „Wir als Landespolitik werden alles uns Mögliche daran setzen, diesen Standort zu erhalten.“

„Eine Werksschließung ist kein Naturgesetz, sondern eine Entscheidung. Und Entscheidungen kann man ändern“, betonte Clemens Rostock, Landesvorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen in Brandenburg. „Es braucht jetzt weiter Druck, damit das Unternehmen seine Entscheidung ändert. Denn diese Entscheidung kann man sich nicht gefallen lassen.“

Jan Otto, Leiter des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen, forderte, dass die Konzerne Verantwortung für den Erhalt der Arbeitsplätze im Osten übernehmen müssen und diese zwecks Profitmaximierung nicht einfach verlagern. „Wir erwarten von der Geschäftsführung Alternativvorschläge“, so Otto. „Es geht hier nicht nur um das BSH-Werk, es geht um eine ganze Region. Es ist nicht hinnehmbar, dass hier im Osten so auf uns herumgetrampelt wird.“

Von der Politik erwarten die Menschen mehr als nur Lippenbekenntnisse, so Otto. „Wir fordern von der Politik eine zielgerichtete Struktur- und Industriepolitik“, sagte Otto und erklärte weiter: „Wir sind bereit, am Verhandlungstisch vernünftige Lösungen zu suchen und vereinbaren. Aber wenn es notwendig ist, sind wir auch zu Arbeitskämpfen in der Lage.“

Im Anschluss an die Redebeiträge zogen rund 650 Menschen mit einem Laternenumzug durch die Nauener Innenstadt. Im Anschluss an den Laternenumzug sagte Micheal Kellner, Mitglied des Bundestages und Fachsprecher für Wirtschaft und Energie in der Grünen-Fraktion, das er das Verhalten der Geschäftsführung „schäbig“ findet. „Nach 30 Jahren ohne fordern die Kolleginnen und Kollegen hier in Nauen endlich einen Tarifvertrag. Und was macht der Konzern: Er kündigt die Schließung des Standorts an. Das dürfen wir uns nicht gefallen lassen.“

Von: vw

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