6. Automobilkonferenz

Strukturwandel gestalten – das Automobil und Mobilitätskonzepte neu denken

  • 22.06.2021
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E-Mobilität, autonomes Fahren, Digitalisierung oder Klimawandel: Die Automobilindustrie befindet sich mitten in der Transformation und steht vor großen Herausforderungen. Die 6. Automobilkonferenz des IG Metall-Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen widmete sich daher am 22. Juni der Frage „Das Automobil neu denken?“ Rund 100 Betriebsräte, Vertrauensleute und Aktive der IG Metall nahmen am 22. Juni – coronabedingt digital – Veränderungen der Automobilindustrie in Ostdeutschland sowie Handlungs- und Gestaltungsmöglichkeiten der Betriebe in den Blick.

Ursprünglich war die 6. Automobilkonferenz für den vergangenen Dezember im Zwickauer Horch-Museum geplant. Aus gutem Grund, denn der Standort Zwickau zeugt davon, dass es im Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen eine ausgeprägte Automobil-Tradition gibt, die bis heute Bestand hat. Bereits 1904 wurden in Zwickau die Horch-Werke gegründet. Heute arbeiten 40,3 Prozent der 290.000 Beschäftigten in der Metall- und Elektroindustrie im Bezirk in der Automobil- oder Zulieferindustrie.

„Das Auto neu zu denken ist durch die Klimavorgaben und den Schub der Digitalisierung keine Frage mehr. Vernetzten und nachhaltigen Mobilitätslösungen gehört die Zukunft“, sagte Bezirksleiterin Birgit Dietze. „Dafür bieten Berlin, Brandenburg und Sachsen hervorragende Voraussetzungen. Mit BMW, Porsche, VW, Mercedes und nun auch Tesla sowie einer breiten Zuliefererstruktur gibt es einen großen automobilen Schwerpunkt im Bezirk. Die Region eignet sich hervorragend für die Entwicklung übergreifender Mobilitätslösungen. Wichtig ist uns, dass im Zusammenspiel aller Kräfte und Akteure die Ansprüche auf ökologische Wende und soziale Standards gleichermaßen Hand in Hand gehen.“

Schlüssel zur Transformation liegt in den Regionen
Wie wichtig Regionen für einen gelingenden Strukturwandel sind, betonte auch Jörg Hofmann. Der Erste Vorsitzende der IG Metall erklärte, dass „der Schlüssel zur Transformation in den Regionen liegt. Wichtige – wenn auch noch nicht ausreichend viele – Weichen dafür sind auf politischer Ebene gestellt worden. Nun ist es an den Betrieben und der regionalen Politik, diese umzusetzen“.

Jörg Hofmann wies aber auch daraufhin, dass derzeit noch immer 90 Prozent der Kolleginnen und Kollegen in Verbindung mit dem Verbrennungsmotor beschäftigt sind. Jeder vierte Arbeitsplatz fertige und montiere Komponenten des Antriebsstrangs. An dieser Stelle seien bis zu 50 Prozent der Arbeitsplätze durch Produktivitätssteigerung und weniger Arbeitsvolumen bei Elektroantrieben gefährdet. Dies, so Hofmann, sei dann der Fall, wenn es kein Wachstum am Markt mehr gebe oder Investitionen in Komponenten der Elektromobilität nicht in Deutschland erfolgen.

„Wir dürfen nicht zulassen, dass ganze Landstriche, die heute durch die Verbrennungsmotorik geprägt sind, zu deindustrialisierten Wüsten werden. Die Konsequenzen für die Beschäftigten, die Infrastruktur und die ganze Region wären fatal“, sagte Jörg Hofmann. Wir wissen alle, dass die verschärften Klimaziele der Automobilindustrie viel abverlangen. Die IG Metall dringt seit Jahren darauf, hier endlich zu handeln, um den Strukturwandel fair und nachhaltig zu gestalten. Wo schon Möglichkeiten bestehen, lasst sie uns nutzen. Wo wir weitere Möglichkeiten brauchen, lasst uns diese in aller Deutlichkeit einfordern.“

Umstellung bei laufendem Betrieb
Weit fortgeschritten ist der Strukturwandel bereits bei VW in Zwickau, wo bereits umfangreiche Modernisierungsmaßnahmen in Produktion und Logistik stattgefunden haben. Jens Rothe, Betriebsratsvorsitzender am Standort, berichtete über die Umstellung des VW-Werks in Zwickau auf Elektromobilität. „Wir erleben im Werk die umfangreichste Elektro-Offensive im Automobilsektor. Dabei sprechen wir vom Umbau unseres Werkes in kürzester Zeit bei laufendem Betrieb. Insgesamt wurden rund 1,2 Milliarden Euro in die Elektromobilität am VW-Standort Zwickau investiert“, so Jens Rothe. „Es war immens wichtig, die Beschäftigten mitzunehmen. Es mussten Ängste abgebaut werden und es war ein hohes Maß an Weiterbildung notwendig. Wir waren in den vergangenen Monaten das größte Trainingslager bei Volkswagen. Allein rund 20.500 Trainingstage haben bis Ende 2020 stattgefunden.“

Studie zum Strukturwandel der Automobilindustrie in Südwestsachsen
Im Rahmen der Automobilkonferenz stellten Katrin Nicke und Gregor Holst vom IMU-Institut Berlin Ergebnisse einer vom Freistaat Sachsen geförderten Studie zum Strukturwandel der Automobilindustrie in der Region Südwestsachsen vor. Am Beispiel der Region Südwestsachsen haben die Wissenschaftler untersucht, welche Spielräume regionale und lokale Akteure haben, um diesen Prozess gestaltend zu begleiten, der Perspektiven für eine sozial gerechte, ökonomisch und ökologisch nachhaltige Transformationsstrategie ermöglicht.

Ihr Fazit: Auch auf regionaler und lokaler Ebene gibt es Möglichkeiten, die Transformation mitzugestalten, etwa durch Stärkung des regionalen Innovationssystems, um regionale Kooperationen und Vernetzung weiterzuentwickeln. Außerdem schlagen sie zum Beispiel die Gründung einer „Task-Force Standortsicherung und Transformation“ und einer „Sächsischen Industrie-Holding“ vor, die bereits bestehende Unternehmen unterstützen oder Ansiedlungen von neuen Industrieprojekten fördern sollen.  

Höchste Priorität hat für die IG Metall, die Beschäftigten beim Strukturwandel mitzunehmen. Qualifizierung und Weiterbildung sind entscheidend, damit die Kolleginnen und Kollegen auch weiterhin gute und sichere Arbeitsplätze haben.

 


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