Brandenburger Elektrostahlwerk

Warnstreik für Stahl-Tarif: B.E.S.-Beschäftigte legen Arbeit nieder

26.01.2026 | Mehr als 150 Kolleginnen und Kollegen im Brandenburger Elektrostahlwerk (B.E.S.) in Brandenburg an der Havel haben am 23. Januar zwischen 5.00 und 8.00 Uhr die Arbeit niederlegt. Bei eisigen Minustemperaturen versammelten sie sich zum gemeinsamen Protest vor dem Werktor. Der Anlass: Die Geschäftsführung von B.E.S. hatte der IG Metall mitgeteilt, das im September 2025 erzielte Tarifergebnis für die ostdeutsche Stahlindustrie nicht zu übernehmen. Die Beschäftigten bei B.E.S. sind nicht bereit, diese Weigerung ihres Arbeitgebers widerstandslos hinzunehmen. Die Produktion stand während des dreistündigen Warnstreiks komplett still.

Starke Beteiligung bei dem Warnstreik bei B.E.S. (Bilder: Volker Wartmann)

Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei B.E.S., machte die Geschlossenheit der Belegschaft deutlich.

Klartext von Sophie Jänicke von der IG Metall-Bezirksleitung: Der Arbeitgeber verhält sich "unverschämt".

Stephanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Potsdam-Oranienburg, forderte den Arbeitgeber zum Einlenken auf.

Die Beschäftigten bei B.E.S. haben keinen Flächen-, sondern einen Anerkennungstarifvertrag. Jahrzehntelang aber war es bei B.E.S. üblich, dass der Arbeitgeber den für die Fläche ausgehandelten Tarifabschluss für die Stahlindustrie eins zu eins übernimmt. Diese gute Tradition will das Unternehmen nun brechen. Mit dem Tarifergebnis für die ostdeutsche Stahlindustrie vom September 2025 steigen die Entgelte ab dem 1. Januar 2026 um 1,75 Prozent. Die Ausbildungsvergütung wird überproportional um 75 Euro im Monat erhöht. Zum Paket gehört außerdem eine Verlängerung der Tarifverträge zur Beschäftigungssicherung, zu Werkverträgen und zur Altersteilzeit. 

„Das Verhalten der Geschäftsführung von B.E.S. ist unverschämt“, sagte Sophie Jänicke vom Tarifteam der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Die Kolleginnen und Kollegen sind zu Recht sauer.“ Die Stahl-Arbeitgeber in Deutschland hätten sich trotz der schwierigen wirtschaftlichen Lage in der Branche mit der IG Metall auf ein Ergebnis verständigt, das eine moderate Reallohnsicherung und Beschäftigungssicherung beinhalte, erläuterte Jänicke. „Die Kolleginnen und Kollegen hier bei B.E.S. leisten gute Arbeit“, so Jänicke. „Sie können nichts dafür, dass es der Stahlbranche hierzulande zurzeit nicht so gut geht.“ Die Verweigerungshaltung von B.E.S., das zum italienischen Riva-Konzern gehört, könne den Verdacht nahelegen, dass sich Riva durch Benachteiligung seiner Beschäftigten einen Vorteil gegenüber der Konkurrenz verschaffen wolle, so Jänicke weiter. Das sei unter keinen Umständen akzeptabel.

„Das in der Fläche erzielte Ergebnis war bereits ein schwieriger Kompromiss für die Kolleginnen und Kollegen und der schwierigen Situation der deutschen Stahlindustrie geschuldet“, sagte Metaller Martin Bahn, Betriebsratsvorsitzender bei B.E.S. „Darum fordern wir die bedingungslose Übernahme dieses Flächentarifergebnisses.“ Der Unmut der Beschäftigten bei B.E.S. über das Verhalten ihres Arbeitgebers sei sehr groß, unterstrich Bahn. Er kündigte an, dass die Belegschaft geschlossen zusammenstehen werde, um ihr berechtigtes Ziel zu erreichen. Ebenso wie Stefanie Jahn, Geschäftsführerin der IG Metall Oranienburg-Potsdam, schloss Metaller Martin Bahn weitere Arbeitskampfmaßnahmen nicht aus, sollte die B.E.S.-Geschäftsführung bei den anstehenden Verhandlungsgesprächen ihre Blockadehaltung nicht aufgeben.

Der Warnstreik bei B.E.S. war übrigens der erste in dieser Stahltarifrunde. Die Arbeitgeberseite und die IG Metall hatten sich nach vier zähen Gesprächsrunden am Verhandlungstisch im Spätsommer 2025 kurz vor dem Ablauf der Friedenspflicht Ende September auf ein Ergebnis für die Fläche geeinigt.

Von: vw

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