Kontraktlogistik

Zeitenwende in der sächsischen Kontraktlogistik: Tarifverträge erstritten

  • 19.11.2020
  • kk
  • Aktuelles

Bis zu 6 Prozent mehr Geld, steuerfreie Sonderzahlungen von bis zu 500 Euro und mehr freie Tage: In der sächsischen Kontraktlogistik bricht eine neue Zeit an. Die IG Metall Leipzig hat – der Corona-Krise zum Trotz – in neun Unternehmen Tarifverträge erstritten.

Unbeirrt haben sich die Beschäftigten der sächsischen Kontraktlogistik (hier im Bild Warnstreik bei Seiffert im September) über einen langen Zeitraum für ihre Forderungen stark gemacht – mit Erfolg. Foto: IG Metall

Für die 2600 Beschäftigten der Kontraktlogistik im Automobilcluster Leipzig bedeutet dieser Erfolg nicht nur mehr Geld und freie Tage, sondern mehr Wertschätzung und Gerechtigkeit. In den Genuss der steuerfreien Einmalzahlungen kommen zum Teil nur IG Metall-Mitglieder.

„Die Tarifrunde ist eine Zeitenwende und sorgt für mehr Gerechtigkeit im Automobilcluster – auch für Leiharbeiter und das ist im Sinne aller Beschäftigten in der Automobilbranche“, sagt Bernd Kruppa, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Leipzig.

Gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen von Schnellecke, Seifert, Thyssenkrupp Automotive Systems, Rudolph, Faurecia, Transport Service & Logistics bei BMW und Porsche hat die IG Metall den Marathon erfolgreich über die Ziellinie gebracht und dabei Maßstäbe für Solidarität und Zusammenhalt gesetzt.

Der strategische Startschuss für die erfolgreiche Tarifrunde in der Kontraktlogistik in Sachsen fiel am 10. September. An diesem Tag konnte für die rund 2000 Beschäftigten bei Schnellecke in Sachsen an den Standorten Glauchau, Dresden und Leipzig ein Tarifabschluss über 6 Prozent erzielt werden.

„Es ist eine großartige Leistung der Beschäftigten, in diesen Corona-Zeiten, einen so guten Abschluss zu erreichen“, sagt Birgit Dietze, Bezirksleiterin der IG Metall für Berlin-Brandenburg-Sachsen. „Mit dieser Branche ist auch in Zukunft zu rechnen.“

Ohne die Beschäftigten in der Kontraktlogistik läuft in großen Automobilwerken nichts. Die 2600 Beschäftigten, die von den Tarifverträgen profitieren, arbeiten in so genannten Fremdfirmen im Bereich Kontraktlogistik und Dienstleistung rund um das Automobilcluster Leipzig – als Staplerfahrer, Transporteure, als Beschäftigte in der Vormontage oder im Bereich Versand und Verpackung. Sie arbeiten Seite an Seite mit der Stammbelegschaft von großen Automobilherstellern – per Werkvertrag zu bislang wesentlich schlechteren Bedingungen für Billiglöhne. So wurden Tarifverträge unterlaufen und prekäre Arbeitsplätze geschaffen. Eine Branche, die in den vergangenen 20 Jahren enorm gewachsen ist – und gewerkschaftlich erst einmal erschlossen werden musste.

»In dieser Tarifrunde standen alle betriebsübergreifend zusammen – diszipliniert, konfliktfähig und gut organisiert«, beschreibt Bernd Kruppa die entscheidenden Zutaten in diesem lange währenden Konflikt. »Das Erreichte sind keine Geschenke, sondern ist das Ergebnis einer beeindruckenden Performance der Betriebsräte und ihrer Belegschaften, die genau wussten, was sie erreichen wollen.«

Und erreicht haben: Strategisch geplant haben die Kolleginnen und Kollegen deutlich gemacht, dass es ihnen ernst ist mit ihren Forderungen und dies auch in Corona-Zeiten mit geplanten Betriebsversammlungen und Warnstreik in einem Betrieb untermauert. Die Botschaft ist angekommen. Die Arbeitgeber waren erst danach zu konstruktiven Gesprächen und schließlich sogar zu fairen Abschlüssen bereit, die sich an den Gehältern der Industrie orientieren.

Kontraktlogistik ist ein Geschäftsmodell, das mehrere Dienstleistungen miteinander kombiniert, weit verbreitet in der Automobil-, aber auch in der Luft- und Raumfahrtindustrie. Zum Portfolio gehören kundenbezogene Speditionstätigkeiten wie zum Beispiel Transport oder Lagerhaltung.

Weitere Informationen, Ergebnisse und Stimmen aus den Betrieben gibt es hier.

 


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