100 Jahre Internationaler Frauentag: Anspruch auf Gleichstellung bleibt

  • 09.03.2011
  • md
  • Aktuelles, Frauen

Unter dem Motto "Heute für morgen Zeichen setzen" feierten Gewerkschafterinnen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen am 8. März in Crimmitschau das 100. Jubiläum des Internationalen Frauentags. "Frisch, anregend, politisch auf den Punkt gebracht und auch urkomisch" - das sagten Teilnehmerinnen nach der Veranstaltung, zu der neben Festreden auch ein Kabarettprogramm gehörte.

Frauen feierten in Crimmitschau

Frauen und Männer sind nicht gleichgestellt. Dieses Fazit zogen die Teilnehmerinnen. Dennoch setzten Frauen in den zurückliegenden 100 Jahren Forderungen durch, die in ihrer Zeit utopisch erschienen: Sie haben heute das aktive und passive Wahlrecht, können sich für die Gleichstellung mit den Männern auf das Grundgesetz berufen und streiten sehr selbstbewusst für gleiche Bezahlung. "All diese Erfolge sind nicht vom Himmel gefallen", sagte Helga Schwitzer, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall mit Blick auf 100 Jahre politische Frauenbewegung. 

 

Die Forderungen nach gleicher Bezahlung für gleichwertige Arbeit von Männern und Frauen sind heute immer noch aktuell, so Schwitzer. Frauen verdienten in der Bundesrepublik im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer. "Ich wünsche mir, dass wir mit der gleichen Stärke, die wir für die Gleichbezahlung der Leiharbeitskräfte entwickelt haben, auch gegen die Lohndiskriminierung von Frauen eintreten", sagte Helga Schwitzer.

 

Der Bürgermeister von Crimmitschau, Holm Günther, sagte, die Zurücksetzung von Frauen beim Entgelt sei ebenso kritikwürdig und unbegründet wie die Ost-West-Unterscheidung bei der Bezahlung in der Industrie. "Wir sind hier kein Billiglohnland mehr, und kluge Unternehmer, die hier weitere Standorte aufbauen wollen, müssen das beachten, sonst finden sie keine Arbeitskräfte mehr", so Günther.

 

Die Feier fand an historischem Ort in Crimmitschau statt,. wo Tausende Textilarbeiterinnen 1903/04  in einem landesweit beachteten Streik 22 Wochen lang für einen Zehn-Stunden-Arbeitstag kämpften. Sie mussten ihren Kampf beenden, ohne dass ihre Forderung nach besseren Löhnen und kürzerer Arbeitszeit erfüllt wurde. Doch sie erfuhren Solidarität aus ganz Deutschland, und ihre Forderungen blieben präsent: 1908 sank die Arbeitszeit für Frauen und Kinder auf zehn Stunden, die Löhne stiegen

 

Bildergalerie von der Frauentagsveranstaltung

 

Unten unter "Dateien" zum Download:
Rede von Helga Schwitzer, IG Metall-Vorstand