Automobilindustrie in Ostdeutschland muss vollwertige Wertschöpfungskette anbieten

  • 25.09.2013
  • lj
  • Aktuelles, Metall-/Elektro

Rund 50 Betriebsräte und Experten der Automobil- und Zulieferindustrie trafen sich am Dienstag zur zweiten IG Metall-Fachkonferenz für die ostdeutsche Automobilindustrie in Dresden. Themen waren die Nachhaltigkeit der Produktionskonzepte und der Ausbau der Mitwirkungsrechte der Betriebsräte, sowie bessere Einflussmöglichkeiten für die mehr als 173 000 Arbeitnehmer in der ostdeutschen Automobilindustrie. Mit einem Umsatz von 37 Mrd. Euro ist sie mit ihren Zulieferern und Dienstleistern eine industrielle Schlüsselbranche der ostdeutschen Industrie.

Foto: IG Metall

Eine erfolgreiche Bilanz ihrer über 10 jährigen Aktivitäten zogen die Betriebsräte des Betriebsrätenetzwerkes Sachsen. Ein wesentliches Ergebnis sei die Verbesserung der Zusammenarbeit zwischen den Betriebsräten der Automobilendherstellern sowie der Zulieferer.

 

Ein Grundstein für diesen Erfolg sei der direkte persönliche Austausch zwischen den Beteiligten und ein gutes Klima zwischen den Teilnehmern. Für weitere Gespräche über erfolgreiche betriebliche Projekte sei dies besonders wichtig. Berichtet wurde auf der Tagung über die Gestaltung von alters- und alternsgerechte Arbeitsbedingungen bei VW in Zwickau und GKN im Werk Mosel. Corinna Laqua von Schnellecke Logistik Sachen berichtete nicht nur über ein erfolgreiches Projekt, sondern auch über den kürzlich abgeschlossenen Haustarifvertrag „ Zukunft und Demografie“. Und Annemarie Weber wies auf das kürzlich gestartete Projekt „ Aktives Altern in Betrieb gestalten“ hin. Es wird gefördert durch die Stiftung Neuer Länder und es ermöglicht die kostenlose Beratung und Unterstützung von bis zu 10 Unternehmen der MuE Industrie in Brandenburg und in Sachsen. (Infos gibt es unter www. wertarbeitgmbh.de oder per Telefon 030/2803208-6 Ansprechpartnerinnen: Mechthild Kopel/Annemarie Weber)

 

Kritisch diskutierten die Teilnehmer zu geringe betriebliche Forschungs- und Entwicklungskapazitäten an den Produktionsstandorten in Ostdeutschland. Das gelte für OEMs, wie für die Zulieferer und industrielle Dienstleister.

 

IG Metall-Bezirksleiter Oliver Höbel sagte: „Die Weiterentwicklung der Nationalen Plattform Elektromobilität muss gerade hier in Ostdeutschland mit den Kompetenzen der Produktionsstandorte verknüpft werden. Die hohe staatliche Forschungsförderung muss sich deshalb hierzulande messbar als langfristig beschäftigungswirksame F&E-Aktivität in der gesamten Wertschöpfungskette niederschlagen.“ Für die IG Metall erfordere die Herstellung von Premium Automobilen zudem gute und tarifliche Bezahlung und bestmögliche Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigen in der gesamten automobilen Wertschöpfungskette. Ohne Unterschiede zwischen Ost und West.

 

Die Überlegungen zu den Schwerpunkten der Aktivitäten der IG Metall in den Betrieben des Automobilsektors von Berlin-Brandenburg- Sachsen wurden in einer einstimmig verabschiedeten Resolution zusammen gefasst.

 

„Automobile Produktionskonzepte, die gezielt den Einsatz von Leiharbeit, Werk- und Dienstleistungsverträgen zur Absenkung der Einkommens- und Arbeitsbedingungen organisieren, lassen wir nicht durchgehen. Statt auf kurzfristige Lohndumpingstrategien in der Wertschöpfungskette zu setzen, sollten die Unternehmen zusammen mit den Beschäftigten und ihren Interessenvertretungen eine langfristige und nachhaltige Personalpolitik betreiben. Von der Politik erwarten wir eine Neujustierung der demokratischen Spielregeln im Betrieb, die den heutigen Herausforderungen gewachsen sind. Ein fragmentiertes Arbeitsmodell mit Niedriglohn und Altersarmut ist kein Zukunftskonzept für die Automobilindustrie.“ sagte Höbel.

 

ARBEIT: SICHER UND FAIR! steht für die IG Metall als Leitbild für humane Arbeit und demokratische Gestaltung im Betrieb in der es soziale Innovationsfaktoren zu erschließen gilt. IG Metall-Bezirksleiter Olivier Höbel erwartet von der Automobilindustrie eine „Führungsrolle im Engagement für gute Arbeit“. So müsse auf kommende Altersstrukturen mit Ausstiegsperspektiven sowie der Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben und verstärkter Ausbildung entlang der gesamten Wertschöpfungskette reagiert werden.

 

 

 

 

 


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