Betriebsratswahl 2026 GE Energy Power Conversion

Bei KI kommt auf uns als Betriebsrat viel auf uns zu

16.02.2026 | Bei GE Energy Power Conversion in Berlin-Marienfelde ist von Krise wenig zu spüren. Im Gegenteil läuft es bei dem Spezialisten für nachhaltige und effizientere Energielösungen gut. Betriebsrat Nico Augner geht dennoch die Arbeit nicht aus. Er tritt bei der Wahl wieder an, um zum Beispiel die Kolleginnen und Kollegen beim immer stärkeren Einsatz von KI zu unterstützen oder auch um beim Umbau der Bürobereiche für beschäftigtenfreundliche Lösungen zu sorgen.

Nico Augner tritt wieder an. (Bild: Jasper Kortmann)

Bild: IGM

Nico, kurz vor der Betriebsratswahl: Wie ist die Stimmung bei Euch im Unternehmen?

Nico: Die grundlegende Stimmung in der Belegschaft ist gut genau wie die wirtschaftliche Lage bei uns. Das vorige Quartal haben wir einen Rekord bei den Auftragseingängen erzielt. Die Auslastung ist für das nächste halbe oder dreiviertel Jahr sehr stabil. Probleme gibt es durch den Umbau und die Umzüge in den Bürobereichen. Da wissen die Kolleginnen und Kollegen nicht so genau, wo es hinläuft. Da gibt es momentan ein bisschen Frust.

Um was geht es dabei genau?

Nico:  Wir wechseln von den klassischen Bürobereichen auf Modern-Work-Spaces mit Desksharing. Die Planungen dafür laufen schon lange. Aber für ein Unternehmen wie unserem mit sehr viel Büro- und Projektmanagement und auch technischer Entwicklung gibt es bei den Innenausstattern und Ingenieurbüros nicht schon vorbereitet gute Lösungen. Wir brauchen ein gutes Arbeitsumfeld für Leute, die viel Büroarbeit machen, aber eben auch technische Testaufbauten und Simulationen durchführen. Diese Einführung begleiten wir als Betriebsrat sehr eng. Aber es werden eben auch sehr kurzfristige Entscheidungen getroffen. Und jeder, der mit Baufirmen zu tun hatte, weiß ja: Meistens werden Budgets überschritten und Termine nach hinten verschoben.

Du trittst wieder an bei der Betriebsratswahl. Was ist für die wichtigste Aufgabe des Betriebsrats in den nächsten Jahren?

Nico: Ein großes Thema ist die Einführung diverser KI-Anwendungen in allen Arbeitsbereichen. Damit verbunden sind Arbeitsverdichtung und Arbeitsverlagerungen. Durch diese modernen Technologien können viele Bereiche, auch außerhalb der Fertigung, verlagert oder zusammengefasst werden. Da kommt auf uns als Betriebsrat sehr viel zu.

Wie ist die Einstellung in der Belegschaft zu KI? Sind die Kolleginnen und Kollegen eher optimistisch oder überwiegen die Sorgen?

Nico: Das ist sehr unterschiedlich. Manche beschäftigen sich sehr intensiv mit dem Thema und versuchen, das in allen Tätigkeiten anzuwenden. Mit den Ergebnissen sind die meisten sehr zufrieden. Andere beschäftigten sich mehr mit den Risiken und fragen, ob die Ergebnisse überhaupt belastbar sind und ob nicht Personal durch diese KI-Anwendungen einfach ersetzt wird.

Ihr seid in einem Zukunftsfeld tätig: Ihr helft Unternehmen, Energie effizienter und damit klimafreundlicher einzusetzen. Heißt dies, dass die Wirtschaftskrise an Euch vorbeigeht?

Nico: Nicht komplett. Wir haben zwar Projekte, die sehr lang laufen und zukunftsorientiert sind. Dennoch verschieben unsere Kunden Investitionen nach hinten. Bei der politischen Weltlage kann es sein, dass Entscheidungen in Amerika getroffen werden, die solche Investitionen beeinflussen. Dann werden Projekte erst einmal stillgelegt.

Ihr habt auch schon wirtschaftlich schwierige Zeiten erlebt. Dabei hat die IG Metall mit Eurer Unterstützung einen Ergänzungstarifvertrag ausgehandelt. Wie zufrieden sind die Kolleginnen und Kollegen heute damit?

Nico: Die Zufriedenheit überwiegt eindeutig. Einzelne Stimmen üben auch Kritik. Bei der Mitgliederbefragung zu dem Tarifvertrag haben aber 98,5 Prozent zugestimmt. Aus unserer Sicht war dieser Tarifvertrag ein großer Erfolg. Ohne diesen Tarifvertrag würde es wahrscheinlich unseren Standort mit allen Bereichen von Fertigung über Engineering, Projektierung bis zu Vertrieb so nicht mehr geben.

Und generell: Wie unterstützt Euch die IG Metall in Eurem Betrieb?

Nico: Die IG Metall ist immer ein direkter Ansprechpartner für uns in allen Fragen. Wenn neue Themen aufkommen, kann man sich melden und bekommt ein Feedback, wie andere Betriebe damit umgehen. Wir können uns dann mit den Kolleginnen und Kollegen dieser Betriebe vernetzen. In schwierigen Phasen vermittelt uns die IG Metall Sachverständige im Wirtschafts- oder Rechtsbereich oder für die Kommunikation mit der Politik. Für uns als Betriebsrat ist die IG Metall ein sehr starker Partner, der jederzeit ansprechbar ist und uns unterstützt.

Energie ist immer auch ein hochpolitisches Thema. Was sind Eure Erwartungen, Eure Forderungen an den Bund und das Land Berlin?

Nico: Wir arbeiten mit Großkunden und in großen Projekten. Die Prozesse und Entscheidungen für größere Netzanschlüsse für Einspeisungen müssen vereinfacht werden. Dadurch wäre es für unsere Kunden schneller möglich, zum Beispiel größere Batteriespeicher aufzubauen und ans Netz zu bringen. Das wäre für uns ein wichtiger Schritt.

Das Interview führte Markus Sievers. 

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Von: ms

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