Industriepolitik/Lausitz

Energieregion Lausitz: Jetzt die zweite Wende schaffen

  • 08.07.2015
  • md
  • Aktuelles

Nur der Wandel ist konstant in der Lausitz: Nach tiefgreifenden Umwälzungen seit 1989 ist in der brandenurgisch-sächsischen Region, die seit Generationen vom Braunkohlentagebau lebt, jetzt die Energiewende Topthema. Das Berliner IMU-Institut hat Vorschläge und stellte sie auf einem DGB-Workshop in Großräschen zur Diskussion.

Schaufelradbagger in der Lausitz – was, wenn sie seltener werden? Foto: www.ostkohle.de

Damit vertieften die Workshopteilnehmer die Themen der 2. Brandenburger Industriekonferenz am 2. Juli in Cottbus.

 

Die bevorstehenden Veränderungen müssen gestaltet werden, damit sie sich nicht gegen die Menschen, sagte IMU-Geschäftsführer Walter Krippendorf. Auf einem Workshop brachten die DGB-Bezirke  Berlin-Brandenburg und Sachsen am 7. Juli in Großräschen 60 hoch Interessierte zusammen: Planer, Politiker, Abgeordnete, Wirtschaftswissenschaftler und Gewerkschafter, vor allem von der IG BCE und der IG Metall. Thesen des IMU zur Zukunft der Lausitz

 

Wir nehmen den Strukturwandel nicht einfach hin

Die lebhafte Diskussion in den Gruppen und am Rande der Tagung stiftete neue Kontakte der Akteure - und Verabredungen, die neuerlichen Umwälzungen im Interesse der Menschen der Region anzugehen. Nach der Wende von 1989 haben bislang 300 000 Menschen die Lausitz verlassen, weil zu wenig Arbeit vorhanden war und damit für viele keine Perspektive.

 

Die Lausitz attraktiv machen - für Arbeit und Leben

Ein striktes Ende der Braunkohle wird es wohl ebenso wenig geben wie eine Komplett-Orientierung auf erneuerbare Energien, hieß es in der Diskussion. »Aber einen Königsweg gibt es nicht«, sagte Burkhard Zschau, Energieexperte der Beraterfirma Faktor i3, die seit Jahren den Wandel in der Lausitz begleitet. Er plädiert für einen Energiemix und eine tiefergehende Verwertung und Veredlung der Braunkohle als Kohlenstoff-Lieferant. Es gelte, attraktive Arbeits- und Lebensbedingungen in der Lausitz zu schaffen, die neue und qualifizierte Arbeitskräfte anziehen. »Das heißt auch, gute Arbeitsplätze anzubieten - mit tarflich geregelten Bedingungen, guter Bezahlung und besseren Voraussetzungen für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, sagte Nele Heß, Bezirkssekretärin der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen.

 

Insgesamt müsse damit jetzt begonnen werden, mahnt die IMU-Studie, denn immerhin droht bis 2030 ein Rückgang des Arbeitskräftepotenzials um 36 Prozent. Dies bedeutet, auch über Zuwanderung nachzudenken und entsprechende Voraussetzungen zu schaffen, unterstrichen Lokalpolitiker. 

 

Integrierte Regional-, Struktur- und Industriepolitik gefordert

 

Wir nehmen den Strukturwandel nicht einfach hin, waren sich die Teilnehmer einig - Wissenschaftler, Planer, Politiker und Gewerkschafter aus der Region. "Die bevorstehenden Veränderunen müssen gestaltet werden, damit die Menschen nicht zu Verlierern des Wandels werden", warnt Walter Krippendorf, Geschäftsführer des IMU Instituts in Berlin. Im Auftrag des Deutschen Gewerkschaftsbundes der Bezirke Sachsen und Brandenburg/Berlin hat er zur Lausitzkonferenz Vorschläge zur Entwicklung der Lausitz vorgelegt. Es besteht akuter Handlungsbedarf, heißt es in der Studie des IMU.

 

Zusammengefasst heißt das: Notwendig ist eine ganzheitliche Politik, die Regionales, Umstrukturierung und Industrieentwicklung gleichermaßen berücksichtigt und die Schaffung neuer Arbeitsplätze in den Fokus nimmt. Entscheidend dabei, so die Diskussionsteilnehmer, ist die umfassende Beteiligung der Menschen und große Geduld im Prozess des Wandels. Berater Burkhard Zschau ist optimistisch: »Brandenburg hat gute Voraussetzungen, ist dabei NRW schon um 20 Jahre voraus.« Jetzt komme es darauf an, dass sich auch der Freistaat Sachsen in die Entwicklung einklinkt. Die DGB-Landesbezirke wollen sich dafür stark machen.

 

 

 

 

 

 


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