Ihr erster großer Streik gilt ihrer Existenz – Berliner Waschmaschinenwerk steht still

  • 25.09.2006
  • md
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Seit Montag morgen, mit Beginn der Frühschicht, steht das Berliner Waschmaschinenwerk der Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH still. Bis zum Mittag hatten sich mehrere hundert Metallerinnen und Metaller in den Streiklisten der IG Metall registrieren lassen. Dieser Arbeitskampf um einen Sozialtarifvertrag ist "unser erster richtig großer Streik", ist am Rande der ersten Streikversammlung zu hören.

Ringen um ihre Existenz: Metallerinnen und Metalle vieler Nationen kämpfen um ihr Werk in Spandau

BSH am Montag Morgen: Die Sonne scheint, die Streikfront steht

Hunderte BSH-ler strömen gegen 9 Uhr zur Kundgebung vor dem Haupttor. "Die Posten bleiben da, sicherheitshalber", ruft Güngör Demirci, im normalen Leben Betriebsratsvorsitzender und jetzt Mitglied der Streikleitung. Als er Olivier Höbel, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen, das Mikrofon übergibt, begrüßt dieser die Streikenden auf türkisch, polnisch und vietnamesisch. Und erntet Begeisterung. Das hat es hier noch nie gegeben.

 

"Von unserer Versammlung geht heute hier ein Signal aus: Wir lassen uns nicht wegschieben von Managern, die weit weg an Schreibtischen in München einsame Entscheidiungen über das Schicksal von 570 Menschen treffen, die entlassen werden sollen. Wir kämpfen um unsere Zukunft, um unsere Existenz, um die unserer Kinder und damit auch um die Perspektive Berlins als Industriestandort", sagt Höbel unter den zustimmenden Pfiffen der Belegschaft.

 

1,8 Millionen Waschmaschinen wurden in den 70-er und 80-er Jahren am Standort Berlin jährlich produziert. "Von hier aus ist der Konzern BSH expandiert, die hier erzielten Profite wurden in neue Werke in aller Welt investiert. Das ist ok, aber es ist keine Einbahnstraße. Wir erheben heute den Anspruch, dass auch dieser Standort Berlin, in dem der Weltkonzern seinen Anfang nahm, nicht untergeht", so Höbel. Dies sei umso wichtiger, weil Berlin mit einer Arbeitslosenquote von 17 Prozent und fast 300 000 Menschen ohne Job dringender denn je auf industrielle Arbeitsplätze angewiesen sei. "Die Manager von BSH sind nicht nur zuständig für die Profite der Aktionäre, sdern auch für die Menschen, die hier stehen", so Höbel. Die Menschen in Berlin können nicht leben von Löhnen wie in Polen, der Türkei oder in Vietnam, unterstrich der Gewerkschafter. Dass sich ausgerechnet in einem Moment, da ein Werk plattgemacht werden soll, die Chefetage die Bezüge um 30 Prozent erhöht, ist unerträglich, sagte Höbel. "Eigentum verpflichtet zu sozialer Verantwortung, diesen Satz aus dem Grundgesetz der Bundesrepublik sollten diese Herren buchstabieren lernen, denn sie haben ihn offenbar vergessen", sagte Höbel.

 

"Steht zu Eurem Wort von 2005, Möglichkeiten für den Fortbestand des Waschmaschinenwerks ernsthaft zu prüfen. Sonst zieht Euch warm an", sagte der IG-Metall-Bevollmächtigte von Berlin, Arno Hager, an die Adresse der Chefetagen von BSH. Diese Herren sollen nicht glauben, das Werk könne still beerdigt werden. Die IG Metall verlange ernsthafte Verhandlungspartner. "Wer nur als Abwickler mit ultimativen Forderungen an die Beschäftigten hierher kommt, mit dem reden wir nicht", sagte Hager und fügte hinzu: "Die Geschäftsführung wird den Tag bedauern, an dem sie feststellen muss, mit uns nicht vernünftig verhandelt zu haben."

 

"Wir gehen keine faulen Kompromisse ein", unterstrich auch Güngör Demirci. Er kündigte an, die Belegschaft werde hart kämpfen und von Solidarität mit ihrem Kampf getragen werden – in der gesamten Republik und darüber hinaus.


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