DGB Sachsen

Interview mit Anne Neuendorf, stellvertretende DGB-Vorsitzende in Sachsen

  • 16.12.2017
  • aw
  • Aktuelles

Am 16. Dezember 2017 wählte die DGB-Bezirkskonferenz Anne Neuendorf, 38 Jahre, mit 85 Prozent der Stimmen zur stellvertretenden DGB-Vorsitzenden in Sachsen. Seit 2009 arbeitete Anne hauptamtlich bei der IG Metall. In Leipzig und Dresden hat sie unter anderem erfolgreich Erschließungsarbeit geleistet. Das Interview:

Anne Neuendorf, Foto: DGB Bezirk Sachsen

Anne, herzlichen Glückwunsch zu Deiner Wahl. Welche Themen hast Du als stellvertretende Vorsitzende des DGB in Sachsen auf der Agenda?


Anne: Den Bildungsurlaub auch für Beschäftigte in Sachsen einführen, wird eins meiner Themen sein. Wenn wir bessere Rahmenbedingungen für Arbeitnehmer schaffen wollen, Arbeitnehmerrechte stärken, und die politische Kultur verändern wollen, brauchen wir Beschäftigte, die eine gute politische Grundlagenbildung mitbringen – und wir müssen mit dem Bildungsurlaub auch gewerkschaftliche Bildungsarbeit jenseits der Betriebsräte ermöglichen. Es ist unglaublich, dass Sachsen und Bayern die letzten beiden Bundesländer sind, in denen es keinen Bildungsurlaub gibt. Gerade die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt 4.0 und der Fachkräftemangel erfordern Beschäftigte, die sich gut weiterbilden können.


Du hast lange Erschließungsarbeit in den Werkvertragsunternehmen der Automobilindustrie in Leipzig, im Norden in der Windenergie und in Dresden gemacht. Wird Dir die betriebliche Arbeit fehlen?

 

Anne: Ja, das war eine unglaublich intensive Zeit. Ich habe die unterschiedlichen Arbeitsrealitäten hautnah erlebt und es ist eine besondere Erfahrung, miterleben zu können, wie sich Belegschaften auf den Weg machen, (und) gemeinsam den Mut entwickeln, für ihre Rechte einzutreten. Wenn in harten Zeiten alle zusammenstehen und sich nicht durch den Widerstand der Arbeitgeber auseinandertreiben lassen, stärkt uns das alle. Ich habe viel gelernt in dieser Zeit und werde diese Erfahrungen auch für meine Arbeit beim DGB nutzen können.


Was genau meinst Du?


Anne: Auch Belegschaften brauchen für ihren Kampf um bessere Arbeitsbedingungen die Öffentlichkeit. Netzwerke aufzubauen, Unterstützer gewinnen und dann auch über die Medien die Forderungen bekannt zu machen, war in der Erschließungsarbeit Kernarbeit. Das Wissen darum kann ich auch für meine Arbeit beim DGB gut einsetzen.


Welche weiteren Themen stehen für Deine Arbeit im DGB auf der Agenda?


Anne:  Sorgen bereitet mir der Strukturwandel in der Oberlausitz. 8.000 Arbeitsplätze sind in der Braunkohleindustrie gefährdet, ohne dass dafür Alternativen bereits abzusehen sind. Ich habe lange genug die Arbeitsbedingungen in den erneuerbaren Energien Sektor erlebt, da gäbe es noch einiges zu verbessern.


Gewerkschaften und das Wissen um Mitbestimmung sollte den jungen Menschen schon in der Schule, Berufsschule und im Studium begegnen, den Zugang zu den Schulen zu verbessern ist mir mein Anliegen. Aber natürlich werde ich auch andere Themen auf die Tagungsordnung bringen. Beispielsweise eine gute Kinderbetreuung, um junge Eltern gut zu unterstützen. Wenn die Kinderbetreuung stimmt, können junge Eltern leichter zurück ins Arbeitsleben. Das verhindert Fachkräftemangel und ermöglicht jungen Menschen, den Anschluss nicht zu verlieren.


Gibt es für Dich prägende Erfahrungen in Deiner Gewerkschaftsarbeit?


Anne: Beeindruckt haben mich persönlich die Streik-Erfahrungen. Wenn es schwierig wird, alle zusammenhalten müssen, wenn Solidarität unter den Kolleginnen und Kollegen gelebt wird. Da gibt es viele schwierige Momente, es erfordert viel Mut und Kraft. Wenn Du dann erlebst, wie fest verankert der richtige Weg gemeinsam gegangen wird, das ist wirklich bewegend. Auch mal andere Wege gehen, lohnt sich. Das habe ich beispielsweise in Ostfriesland in den ersten Wochen des Organizing-Projektes erfahren. Dort haben wir mit unangekündigten Hausbesuchen Mitglieder gewonnen und Zugang zu schwierig zu erschließenden Betriebe erlangt. Kaum einer hat anfangs geglaubt, dass es funktionieren könnte. Als die ersten Eintritte kamen, waren alle begeistert. Auch in Leipzig haben wir erlebt, wie viel wir bewegen und verändern können. Oft waren gerade die Vorhaben am erfolgreichsten, an die am Anfang kaum einer geglaubt hat.

 

Danke für das Gespräch. Wir wünschen Dir alles Gute für Deine neue Aufgabe!


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