Kjellberg: Aussperrung wegen Warnstreik!

  • 07.05.2015
  • md
  • Aktuelles

Warnstreik kreativ: Weit über 200 Metallerinnen und Metaller von Kjellberg zogen am 6. Mai durch Finsterwalde – mit einem Hunderte Meter langen Fahrrad- und Autokorso. Unfassbar: Noch bevor die IG-Metall den Warnstreikaufruf herausgegeben hatte, drohten die Kjellberg-Geschäftsführer allen, die sich beteiligen wollten, Aussperrung an. Und es wurde wahr: für zweieinhalb Stunden Warnstreik gab's 6 Stunden »Suspendierung«. Die Wut ist nun bei allen Kjellberg-Beschäftigten groß.

Fotos: IG Metall

Verhandlungskompromiss über Nacht aufgekündigt

Der tiefere Grund für den Aufruhr: Das Unternehmen hat einen Haustarif, der die Einkommen nach Flächentaifvertrag sichert. Seit 2011 machte Kjellberg die Entgeltsteigerungen nach den Tarifrunden aber nicht mehr mit. »Inzwischen fehlen sechs Prozent im Vergleich zur Fläche«, sagt Frank Ernicke von der IG Metall Südbrandenburg. Im Februar 2015 hatte sich die Firma nach zähen Verhandlugen mit der Gewerkschaft auf drei Prozent Lohnplus verständigt. Mit einer Heranführung an den Flächentarif sollte die Differenz ausgeglichen werden. Am Ende der Erklärungsfrist kündigte das Kjellberg-Kuratorium mit Gabbe an der Spitze den Kompromiss auf. »Mit dem Tarifergebnis vom 28. Februar war die Kuh schon vom Eis, und nun geht richtig die Post ab«, sagt Ernicke. Er weiß, die Einigkeit in der Belegschaft ist so groß wie nie: »Wir wollen die Heranführung an den Flächentarif regeln, und zwar jetzt.« Die Chancen stehen gut.

 

Aussperrung hat viele aufgerüttelt

Die Kjellberg-Führung wollte die Belegschaft mit ihrer Aussperrungs-Aktion nach eigenem Bekunden »aufrütteln«. Das ist gelungen: Viele der 350 Beschäftigten, die bisher noch nicht bei Warnstreiks dabei waren, erkundigten sich, wann und wo sie denn demnächst mitmachen könnten. Am Rande der Warnstreik-Demonstration zelebrierten Metaller am Mittwoch eine »Straßenumbenennung«: Die Hans-Harald-Gabbe-Straße wurde zur »Sackgasse«. Zwar nicht genehmigt, aber treffend, fanden die Akteure.