15.09.2025 | Mehr als 500 Beschäftigte aus dem Mercedes-Benz Werk, aus der Region, aus Politik, Gewerkschaften und Familien trafen sich am Samstag auf dem Rathausplatz in Ludwigsfelde. Gemeinsam setzten sie ein Zeichen für den Erhalt des Mercedes-Benz Werks in Ludwigsfelde und protestierten gegen die Vergabe der Produktion des vollelektronischen Sprinters nach Polen. Schließlich geht es auch um den Erhalt der Arbeitsplätze in der Region.
Rund 1.800 Beschäftigte des Werks und ihre Familien sind in Sorge um ihre Existenz und haben keine Planungssicherheit. Am Werk hängen auch die Arbeitsplätze hunderter Beschäftigter in Zulieferbetrieben, Logistik und der Dienstleistung rund um das Werk. Für Ludwigsfelde ist das Mercedes-Benz Werk ein historisch, aber auch gesellschaftlich gewachsenes Kulturgut. Eine Schließung würde massive wirtschaftliche Folgen mit sich bringen.
Gleich zu Beginn zeigten die Trommler der IG Metall Berlin, dass die Stimmung für den Erhalt des Werks in Ludwigsfelde kämpferisch ist. Tobias Kunzmann, Erster Bevollmächtigter IG Metall Ludwigsfelde, begrüßte die Gäste und forderte Mercedes-Benz auf, endlich zu handeln. "Schweigen und Aussitzen ist nicht der richtige Weg. Die Beschäftigten und die Region brauchen endlich eine Perspektive“, so Tobias Kunzmann. „Mit der Verlagerung der Sprinter-Produktion geht der Konzern den falschen Weg. Ole Källenius steht mit seinem Namen für die Initiative „Made for Germany“. Die Kampagne verkündet großmundig Hoffnung für den Wirtschaftsstandort Deutschland und Investitionen von 631 Milliarden Euro. Und gleichzeitig lässt der Konzern uns hier ausbluten. Faire und sozialverträgliche Transformation ist etwas anderes.“
Stefan Siegmund, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender im Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde, legte nach: „Wir fordern eine verlässliche Zukunft für alle Beschäftigten hier in der MBLu, aber eben auch eine verlässliche Zukunft für die Region, für die Stadt Ludwigsfelde, für Brandenburg und für Berlin, um eine Perspektive zu schaffen und diese Arbeitsplätze hier am Standort zu halten. Mit Mercedes oder auch ohne Mercedes. Denn es geht hier nicht nur um unsere 1.800 Beschäftigten, die direkt im Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde beschäftigt sind, sondern es geht um viel mehr Arbeitsplätze in der Region: Zulieferer Handwerksmeister oder die Bäckerei, in der sich die Beschäftigten ihre Brötchen holen.“
Brandenburgs Wirtschaftsminister Daniel Keller (SPD) hatte sich die Zeit genommen und blieb trotz des parallel laufenden Brandenburgtags in Perleberg fast zwei Stunden. "Heute geht es um die Zukunft unseres Mercedes-Benz Werks in Ludwigsfelde und damit um 1.800 Kolleginnen und Kollegen im Werk und ihre Familien, die wissen wollen, wie es hier weitergeht. Wir senden heute gemeinsam als Landesregierung, mit Ihnen, mit dem Betriebsrat, mit der IG Metall und allen Beteiltigten, ein sehr klares Zeichen nach Stuttgart." Und weiter: "Wenn ein Konzern wie Mercedes-Benz über Jahre Milliarden-Umsätze macht, dann es nicht der erste Gedanke sein, dass wenn es um Konsolidierung geht, Beschäftigung wegfallen zu lassen und auf Kosten des Ostens und Brandenburgs. Wir werden gegenhalten und setzen ein Zeichen: Das lassen wir nicht mit uns machen!"
Auch der Zweite Vorsitzende der IG Metall, Jürgen Kerner, war nach Ludwigsfelde gekommen, um solidarisch die Kolleginnen und Kollegen zu unterstützen. „Die Automobilindustrie ist im Umbruch. Die Manager wussten lange, was auf die Unternehmen zukommt. Und dennoch sind viele nicht vorbereitet. Die Chefetagen haben mannigfach Fehler gemacht. Die Beschäftigten – auch bei Mercedes-Benz in Ludwigsfelde – beweisen jeden Tag, dass sie bereit sind, Veränderungen mitzugestalten. Was sie dabei zurecht verlangen, ist: Veränderung mit klarer Zukunftsperspektive. Sie brauchen Sicherheit im Wandel. Diese Aussicht auf eine sichere Zukunft vor Ort verweigert Mercedes-Benz den Beschäftigten in Ludwigsfelde. Das ist verantwortungslos“, so Jürgen Kerner, Zweiter Vorsitzender der IG Metall. „Mercedes-Benz hat in Ludwigsfelde viele Jahre gutes Geld verdient – nicht zuletzt dank einer hoch motivierten Belegschaft, die bis heute höchsten Einsatz zeigt. Die Entscheidung, die Sprinter-Produktion ins Ausland zu verlagern, ist für die Beschäftigten wie ein Schlag in die Magengrube. Mercedes-Benz muss jetzt Verantwortung übernehmen und konkret aufzeigen, wie es in Ludwigsfelde nach 2030 weitergeht.“ Und weiter: "Wir werden den Abbau von Industriearbeitsplätzen in diesem Land nicht akzeptieren. Der Wohlstand baut auf der Industrie auf. Da hängt das Handwerk und der Handel und die Dienstleistungen mit dran. Wer das Herz, unsere Industriearbeitsplätze, abbaut, der baut dieses Land ab. Und das werden wir nicht zulassen!"
Eine kämpferische Rede hielt auch Jan Otto, IG Metall-Bezirksleiter Berlin-Brandenburg-Sachsen. Er berichtete von dem erfolgreichen Kampf um den Standort von Mercedes-Benz in Marienfelde. Und er wies daraufhin, dass die deutsche Industrie Verantwortung für unsere Arbeitsplätze, für die Menschen, tragen müsse, anstatt nur auf den Profit zu schauen, aber nicht auf die Beschäftigten. Schließlich gehe es nicht nur um 1.800 Beschäftigte, sondern um all die Arbeitsplätze, die in der Region dranhängen. "Es kann sein, dass diese Auseinandersetzung härter wird, dafür brauchen wir eine gut organisierte Belegschaft. Das geht nur zusammen!"
Auch Andreas Igel, Bürgermeister der Stadt Ludwigsfelde, (SPD), der Landtagsabgeordneter Marcel Penquitt (SPD) und Nele Techen, stellvertr. Vorsitzende des DGB Berlin-Brandenburg, sprachen ihre Solidarität und Unterstützung aus. Neben dem Jugend- und Auszubildendenvertreter Veysel Gürlek, aus dem Mercedes-Benz Werk in Ludwigsfelde, waren auch Vertrauensleute und Betriebsräte aus dem Berliner Werk von Mercedes-Benz in Marienfelde gekommen. Fevzi Sikar, Betriebsratsvorsitzender, überbrachte solidarische Grüße.
Die IG Metall fordert gemeinsam mit den Beschäftigten eine verlässliche Zukunftsperspektive für den Industriestandort Ludwigsfelde und seine Beschäftigten – unter dem Mercedes-Stern oder einer gleichwertigen industriellen Produktion mit tarifgebundener, nachhaltiger Wertschöpfung.
Claudia Fiala, Betriebsrätin im Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde: „Wir sind hier ein effek-
tiver, moderner Standort und vor allem ist unsere Belegschaft hoch motiviert und mit ganzem Herzen dabei. Anstatt im eigenen Land zu investieren, wird die Produktion unseres Sprinters nach Polen verlagert. Unsere Zukunft hier in Ludwigsfelde bleibt aber unklar. Wir kämpfen dafür, dass wir hier im Werk eine Zukunft für alle Beschäftigten bekommen.“
„Die Auszubildenden bei uns im Werk sind zufrieden mit ihrer Ausbildung und stolz, ein Teil des Unternehmens zu sein. Aber wir wissen alle nicht, was kommt“, sagt Kerem Dönmez, Vorsitzender der Jugend- und Auszubildendenvertretung im Mercedes-Benz Werk Ludwigsfelde. „Wir brauchen eine Zukunftsperspektive vom Konzern, denn wir wollen hier in der Region bleiben.“