BOSCH SOLAR CISTECH BRANDENBURG

Photovoltaik-Entwickler wollen vor Berliner Repräsentanz der Robert Bosch GmbH protestieren

  • 18.01.2016
  • bg
  • Aktuelles, Metall-/Elektro, Betriebsräte, Solarwirtschaft

Die von der Betriebsschließung bedrohten Beschäftigten der Bosch Solar CISTech aus Brandenburg demonstrieren am Dienstag, 19. Januar um 11 Uhr vor der Berliner Repräsentanz der Robert Bosch GmbH in der Bismarckstraße 71 für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze.

Die Bosch Solar CISTech in Brandenburg an der Havel ist der letzte der ehemals vier Standorte im Osten Deutschlands, die der Bosch-Konzern bis Ende 2009 übernommen hat. Die Bosch Solar CISTech wurde in den letzten sechs Jahren als Entwicklungsstandort und die Produktionslinie zur Pilotfertigung genutzt. Daraus entstanden optisch hochwertige Dünnschicht-Solarmodule zur Gestaltung von Gebäudefassaden, also eine Einkleidung, die nicht nur vor Wetter schützt, sondern gleichzeitig optisch ansprechend aussieht und Energie aus der Sonne erzeugt („eFacade“, www.bosch-efacade.com).

 

Soziale Verantwortung von Bosch nur Papiertiger?
Vor zehn Jahren wurde die jetzige Bosch Solar CISTech als Johanna Solar Technology gegründet. Von den 180 Beschäftigten sind etwa die Hälfte Ingenieure, viele der Mitarbeiter sind zwischen 30 und 40 Jahre alt. Sie haben sich bewusst für eine Arbeit in Brandenburg entschieden, sind nach Brandenburg gezogen und haben sich mit ihren Familien eine Zukunft aufgebaut. Sie haben auf den Namen „Bosch“ vertraut. Viele sind aus allen Teilen Deutschlands nach Brandenburg gezogen sind, um hier an einer klimafreundlichen Zukunftstechnologie zu arbeiten. Bosch lockte zudem gezielt mit seinem guten Namen. Die Brandenburger appellieren an den Bosch-Konzern, nicht nur auf dem Papier zu seiner sozialen Verantwortung zu stehen.

Öffentliche Fördermittel kassiert

Jetzt sollen zehn Jahre unternehmenseigene Entwicklung und öffentlich geförderte Forschung vernichtet werden. In Brandenburg an der Havel werden spezielle Photovoltaik-Module entwickelt; der Standort hat sich auf Solar-Fassaden spezialisiert. Der Markt dafür ist vorhanden und wird in den nächsten Jahren noch wachsen. Gerade jetzt, wo die Talsohle der Photovoltaik  durchschritten ist und der Markt für Solarfassaden wieder wächst, verstehen die Mitarbeiter nicht, dass Bosch aus diesem Geschäftsmodell aussteigen will.

Anfang Oktober 2015 teilte man der Belegschaft mit, der Bosch-Konzern wolle den Standort Brandenburg aufgrund wirtschaftlicher Randbedingungen schließen. Die Versuche, einen Käufer für den Standort zu finden, der das Unternehmen zu den Bedingungen von Bosch weiterführt, seien gescheitert. In einer Stellungnahme der Bosch-Zentrale wenige Tage zuvor hieß es: „Wir haben alles lange geprüft.“

 

Echte Alternativen sind gefordert
Dies überzeugte jedoch weder den Betriebsrat noch die Mitarbeiter. Über 90% der Mitarbeiter möchten gerne am Standort weiterarbeiten, und zwar auch dann, wenn zukünftig keine Solarmodule, sondern ein anderes Produkt gefertigt würde. Daher fordert der Betriebsrat von Bosch, ernsthaft nach Alternativen (z.B. andere Bosch-Produkte) zu suchen, um den Standort zu erhalten und die Arbeitsplätze zu sichern.

Aus Sicht des Betriebsrates hat der Konzern die Alternativen zur Standorterhaltung nicht ausreichend untersucht und berücksichtigt. Aus diesem Grund werden die betroffenen Beschäftigten am Dienstag vor der Berliner Bosch Vertretung in der Bismarkstraße für die Zukunft ihres Standortes demonstrieren.

 

Viel Unterstütung
Breite Unterstützung erhalten die Beschäftigten des Bosch Standortes in Brandenburg an der Havel von vielen Brandenburger Bürgern, von der Oberbürgermeisterin der Stadt Brandenburg, von der Landesregierung und von den Kolleginnen und Kollegen der umliegenden Betriebe und er gesamten IG Metall.


Drucken Drucken