Viessmann Mittenwalde wieder mit Tarif

  • 30.09.2014
  • bg
  • Aktuelles, Metall-/Elektro

Nachdem der Mittenwalder Heizkesselbauer vor elf Jahren aus dem Arbeitgeberverband der Metallindustrie ausgeschert ist, konnte die IG Metall nun einen Tarifvertrag abschließen. Zuvor mussten die Mitarbeiter durch Lohnverzicht sowie Mehrarbeit ohne Bezahlung einen Teil des Unternehmerrisiko selbst schultern.

"In den wesentlichen Punkten wird der Brandenburger Flächentarifvertrag wieder in Kraft gesetzt", erklärt der Erste Bevollmächtigte der IG Metall Verwaltungsstelle Ludwigsfelde, Hermann von Schuckmann.

 

Nach dem Verbandsaustritt hatte Viessmann den Beschäftigten zwar die gleichen Lohnerhöhungen wie die des Flächentarifvertrags zugesagt, verlangte jedoch die unbezahlte Verlängerung der Wochenarbeitszeit. Dadurch wurde die Belegschaft bei der Arbeitszeit und beim Stundenlohn vom normalen Tarifeinkommen abgekoppelt und schlechter gestellt.

 

Besonders benachteiligt waren die neu eingestellten Mitarbeiter, denn sie wurden nochmals um 15 Prozent niedriger entlohnt, als die Altbeschäftigten. Einen weiteren Nachteil erlitten 3-Schicht-Beschäftigte: Da die Pausen nicht bezahlt wurden, kamen sie an fünf Arbeitstagen nicht die volle Wochenstundenzahl. Die dadurch entstandene Zeitschuld mussten sie an Samstagen nacharbeiten.

 

Der jetzige Tarifabschluss beseitigt die Probleme: In zwei Schritten wird die Arbeitszeit auf die tariflichen 38-Stunden zurückgeführt und die untertariflichen Beschäftigten werden auf das Tarifniveau angehoben. Die zusätzliche Nacharbeit für 3-Schicht-Bschäftigte entfällt bereits ab 1. Oktober.

 

"Es waren ziemlich komplizierte Verhandlungen. Aber letztlich war das positive Ergebnis nur möglich, weil inzwischen die Mehrheit der 300 Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert ist und die Rückkehr zum Tarif gefordert hat", sagt von Schuckmann.

 

Anmerkung:

Da kommt was zusammen! Wer jede Woche 2 Stunden seiner Arbeitszeit dem Arbeitgeber spendiert, weil diese Zeit nicht bezahllt wird, hat bei 15 Euro Stundenlohn in 10 Jahren rund 14.000 Euro verschenkt. Ohne Zinsen. Bei 400 Beschäftigten sind das mit den eingesparten Sozialabgaben des Arbeitgebers rund 7,3 Millionen Euro! Zusätzlich sinkt dadurch die Rente, weil Beiträge nicht einbezahlt wurden. Geschädigt werden somit auch die Sozialversicherung und der Staat, dem Steuern für Bildung oder Kitas fehlen. 


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