ZF Getriebe Brandenburg/Havel - mit Berichterstattung

ZF-Beschäftigte in Brandenburg an der Havel wehren sich gegen Stellenabbaupläne

  • 25.06.2020
  • kk
  • Aktuelles, Video

Lautstark haben die Beschäftigten von ZF Getriebe in Brandenburg an der Havel mit einem Fahrzeugkorso am 25. Juni gegen den geplanten Stellenabbau des Unternehmens demonstriert. Mehr als 250 Fahrräder, Autos und Motorräder reihten sich am Mittag vor dem Werktor in den Korso ein, um hupend und klingelnd zur Betriebsversammlung an der Regattastrecke zu fahren.

ZF-Fahrzeugkorso zur Betriebsversammlung an der Regattastrecke

Fotoaktion: "Keiner geht von Bord!"

Unterschriftenaktion

Jugendaktion für Ausbildung und Übernahme

Betriebsversammlung an der Regattastrecke

"Gemeinsam durch die Krise!" Carmen Bahlo, Betriebsratsvorsitzende ZF in Brandenburg

Unterstützung aus der Politik: im Bild mit Stefanie Jahn (links) Oberbürgermeister Steffen Scheller (2.v.l.) und MdB Dr. Dietlind Tiemann (2.v.r.)

Bezirksleiter Stefan Schaumburg im Gespräch mit ZF-Beschäftigten - Fotos: Christian von Polentz/transitfoto.de

„Keiner geht von Bord: Gemeinsam durch die Krise“ – unter diesem Motto fand die Aktion bei ZF in Brandenburg vor passender Kulisse direkt an der Havel statt. Mit dem Fahrzeugkorso, einer breit angelegten Unterschriften- und Fotoaktion sind die Kolleginnen und Kollegen in Brandenburg aktiv geworden, um eine deutliche Botschaft an die Geschäftsführung, Konzernspitze und Politik zu senden. Sie wehren sich – wie in dieser Woche alle ZF-Beschäftigten bundesweit – gegen die massiven Stellenabbaupläne des Konzerns. Das Unternehmen hatte Ende Mai alle Beschäftigten angeschrieben und sie darüber informiert, dass weltweit bis zum Jahr 2025 bis zu 15.000 Arbeitsplätze wegfallen sollen, davon bis zu 7500 der 50.000 Stellen in Deutschland.

„Wir müssen Zeichen setzen, bevor Entscheidungen gefalllen sind“, erklärte Carmen Bahlo, Betriebsratsvorsitzende während der Betriebsversammlung. „Mit vielen tollen Aktionen haben wir im gesamten Konzern in dieser Woche deutlich signalisiert: Wir lassen uns nicht untereinander ausspielen. Wir gehen gemeinsam mit allen Standorten durch die Krise.“

Gefragt sind Innovation und Investition in die Zukunft
Wie viel der 1600 Arbeitsplätze bei ZF in Brandenburg vom Abbau betroffen sein sollen, ist noch nicht bekannt. Sicher ist aber, „uns steht einiges ins Haus“, sagte Carmen Bahlo. „Aber wir lassen es nicht zu, dass die Corona-Krise dazu genutzt wird, um Stellen abzubauen, weil Hausaufgaben hinsichtlich der Transformation nicht gemacht wurden. Wir brauchen Innovation und Investition in die Zukunft statt Stellenstreichungen. Ein solch planloses Vorgehen akzeptieren wir nicht. Wir fordern konstruktive Gespräche mit IG Metall und Betriebsräten über die Sicherung von Standorten und Beschäftigung.“

Sorge um Arbeitsplatz und Zukunft
Mit einer bundesweiten Blitz-Umfrage hatte die IG Metall sich bei den ZF-Beschäftigten umgehört, wie sie die aktuelle Situation empfinden. 12.164 ZF-Beschäftigte aus rund 30 ZF-Standorten haben bislang Einblick in ihre Gemütslage gegeben – mit eindeutigem Ergebnis: Knapp 90 Prozent der abhängig Beschäftigten im Unternehmen machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz oder den ihrer Kolleginnen und Kollegen. Die Umfrage zeigt aber auch: Die Beschäftigten sind entschlossen, um ihre Arbeitsplätze zu kämpfen. „Die Ankündigung ist ein Tiefschlag in die Magengrube jedes ZF-lers, das ist einem Unternehmen wie ZF nicht würdig“, erklärte Stefanie Jahn, Erste Bevollmächtigte der IG Metall Potsdam. „Heute habt Ihr ein erstes eindrucksvolles Zeichen auf die Straße gebracht, das Eure Forderungen untermauert: Keiner geht von Bord! Und wir gehen gemeinsam durch die Krise!“, rief sie den Kolleginnen und Kollegen zu.

Fortsetzung der Beschäftigung für befristete Kolleginnen und Kollegen
Sie warnte davor, die Pandemie zu instrumentalisieren, um Arbeitsplätze abzubauen, Mitbestimmung zu unterlaufen und die Rechte der Beschäftigten und Gewerkschaften zu beschneiden. Die Pandemie mache die Forderungen der IG Metall vielmehr dringlicher denn je. Ein erster Schritt müsse sofort erfolgen: „Angesichts der schwierigen Situation verzichten wir aktuell schweren Herzens auf die sofortige unbefristete Übernahme der befristeten Verträge, die in Kürze auslaufen“, so Stefanie Jahn. „Im Gegenzug erwarten wir aber die Fortsetzung der auslaufenden Befristung, damit auch die Kolleginnen und Kollegen, deren Verträge befristet sind und die mit vollem Einsatz ihr Know-how für den Standort einbringen, erst einmal eine Perspektive haben.“

Ausbildung sichern
Für eine Zukunft und Perspektive setzten sich auch die Auszubildenden von ZF mit einer eigenen Aktion ein. Sie hatten Schilder beschriftet und mit ihrem Namen versehen. Darauf war zu lesen: "Gemeinsam durch die Krise! Bin ich auch dabei?", "Ist meine Übernahme gesichert?", "Meine Zukunft liegt in Ihrer Hand!" oder "Soll ich mich jetzt schon um einen neuen Arbeitsplatz kümmern?" Wie wichtig die Ausbildung wichtig für den Erhalt des Industriestandorts ist, betonten sowohl Carmen Bahlo als auch Stefanie Jahn. Sie forderten die Geschäftsführung auf, weiter in eine gute Ausbildung zu investieren, um sich die Fachkräfte für morgen zu sichern.

Unterstützung aus der Politik
Wie wichtig der Standort ZF für die Region ist, signalisierte auch die Teilnahme von Dr. Dietlind Tiemann, MdB und langjährige Oberbürgermeisterin in Brandenburg, und Oberbürgermeister Steffen Scheller an der Betriebsversammlung von ZF. Beide versicherten den Beschäftigten ihre Unterstützung im Einsatz für die Arbeitsplätze. „Es geht um jede Einzelne und jeden Einzelnen von Ihnen“, sagte Dr. Dietlind Tiemann. „Wir stehen für den Standort und wir kämpfen dafür. Wenn es Gesprächsbedarf gibt, stehe ich Ihnen zur Seite.“

Stefan Schaumburg, Bezirksleiter der IG Metall in Berlin-Brandenburg-Sachsen, hatte sich am Vormittag auf den Weg zum ZF-Werktor gemacht, von wo der Mobilitätskorso startete. Er erklärte: „Wir müssen gemeinsam die Zukunft gestalten. Es kann nicht sein, dass einseitig auf Kosten der Beschäftigten gespart wird. Den geplanten Stellenabbau werden wir nicht kampflos hinnehmen.“

Bericht in rbb - Brandenburg Aktuell am 25. Juni 2020, 19.30 Uhr

MOZ.de, 25. Juni 2020

Junge Welt, 26. Juni 2020

 


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