BETRIEBSRATSWAHLEN 2022

„Der Betriebsrat sollte möglichst vielschichtig zusammengesetzt sein"

  • 31.03.2022
  • vw/igm
  • Aktuelles, Betriebsräte, Betrieb, Betriebsratswahlen

Bei Diehl in Zehdenick hat der Betriebsrat gemeinsam mit der IG Metall in den vergangenen Jahren viel für seine Kolleginnen und Kollegen erreichen können, zum Beispiel 2019 die Einführung eines Haustarifvertrags. Die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Maren Kuhnert erläutert, welche Ziele der Betriebsrat in den kommenden Jahren anpeilt und wie wichtig die Unterstützung der Gewerkschaft für eine erfolgreiche Betriebsratsarbeit ist.

Maren Kuhnert, stellvertretende Betriebsratsvorsitzende bei Diehl in Zehdenick, kandidiert bei der diesjährigen Betriebsratswahl erneut. (Foto: Volker Wartmann)

„Das Hauptaugenmerk von uns als Betriebsrat liegt darauf, für die Interessen der Kolleginnen und Kollegen gegenüber der Geschäftsführung einzutreten. Meine Betriebsratskolleginnen und -kollegen und ich sehen uns aber auch als wichtiges Bindeglied zwischen Geschäftsführung und Belegschaft, wir fungieren als Sprachrohr in beide Richtungen. Das Verhältnis des Betriebsrats zur Geschäftsführung ist sehr diskussionsfreudig. Die Gespräche sind meist konstruktiv und ergebnisträchtig.

Dass wir bei uns am Standort so erfolgreich sind und schon entscheidende Schritte bei der notwendigen Transformation vorangekommen sind, ist maßgeblich auch ein Verdienst des Betriebsrates. Früher haben wir hier am Standort hauptsächlich Stanzteile und mit Kunststoff umpritzte beziehungsweise teilumspritzte Stanzteile vorrangig für Automotive produziert, mittlerweile liegt unser Schwerpunkt auf der Produktion von Zellkontaktiersystemen für Elektrofahrzeuge. In den regelmäßig stattfindenden Monatsgesprächen mit der Geschäftsführung hat der Betriebsrat über Jahre permanent darauf gedrungen, die Angebotspalette unbedingt zu erweitern und in Richtung E-Mobilität auszubauen, damit das Unternehmen zukunftsfähig bleibt.

Was mir bei meiner Aufgabe als Betriebsrätin besonders großen Spaß macht, ist, dass ich dabei meine soziale Kompetenz einbringen kann. Ich habe gerne Kontakt zu anderen Menschen und unterstütze sie gerne. Wenn eine Kollegin oder ein Kollege mit einem dringenden Problem zu mir kommt, handle ich sofort. Dann muss meine eigentliche Arbeit erstmal liegen bleiben. Im Regelfall vereinbaren wir als Betriebsräte Termine mit unseren Kolleginnen und Kollegen, um deren Anliegen zu besprechen. Oft geht es bei ihren Anliegen ums Geld, beispielsweise um Eingruppierungsfragen und ähnliches.

Die Kolleginnen und Kollegen kommen auch zu uns, wenn sie sich zum Beispiel in ihrer Abteilung von einem Vorsetzten oder einem Kollegen ungerecht behandelt fühlen. Als Betriebsrat ist man dann oft als Mediator und Vermittler gefragt, um diese Konflikte zu schlichten. Für solche Fälle planen wir im Betriebsrat, demnächst einen

Mobbingbeauftragten zu etablieren, der für seine Aufgabe spezielle Schulungen besuchen wird. Manche Beschäftigten kommen auch mit privaten Problemen zum Betriebsrat. Auch wenn es nicht immer hilfreich ist, kann ich nicht vermeiden, dass mir manche persönlichen Schicksale doch sehr unter die Haut gehen.

Unser Betriebsratsvorsitzender und ich als Stellvertreterin sind für unsere Betriebsratsarbeit jeweils zu 50 Prozent freigestellt, sodass wir die Aufgaben gut aufteilen können. Ein Schwerpunkt von mir liegt auf der Mitarbeit im Konzernbetriebsrat; Diehl hat zahlreiche Standorte in Deutschland mit vielen 1.000 Beschäftigten.

Der Konzernbetriebsrat stand uns auch unterstützend an unserer Seite, als wir 2019 gemeinsam mit der IG Metall den ersten Haustarifvertrag an unserem Standort erkämpfen konnten. Anfang 2022 haben wir einen neuen Tarifvertrag ausgehandelt, in dem die IG Metall eine ordentliche Entgelterhöhung für unsere Kolleginnen und Kollegen durchsetzen konnte. Vor den Tarifverhandlungen hatten wir eine Mitgliederumfrage bei uns im Betrieb durchgeführt, um zu erfahren, worauf wir den Schwerpunkt in den Verhandlungen legen sollen. Das Votum war eindeutig: auf Entgelterhöhungen. In der nächsten Tarifrunde in drei Jahren könnte dann das Thema Arbeitszeitverkürzung wahrscheinlich eine größere Rolle spielen.

Durch den Zuwachs an Beschäftigten in den vergangenen Jahren wird unser nächstes Betriebsratsgremium aus elf Personen bestehen, bisher sind es neun. Bei der Kandidatinnen- und Kandidatensuche haben wir dafür geworben, dass sich Kolleginnen und Kollegen aus möglichst vielen Abteilungen aufstellen lassen. Bisher sind bei uns im Betriebsrat beispielsweise noch keine Kolleginnen oder Kollegen aus der Instandhaltungsabteilung und der Projektabteilung vertreten. Ich finde es erstrebenswert, wenn der Betriebsrat möglichst vielschichtig zusammengesetzt ist, sodass sich möglichst alle Kolleginnen und Kollegen gut vertreten fühlen und die Belange aus allen Abteilungen in den Betriebsrat hineingetragen werden. Die Betriebsratswahl bei uns findet als reine Persönlichkeitswahl statt, unterschiedliche Listen gibt es bei uns nicht.

Erfolge wie unseren Haustarifvertrag hätten wir ohne eine starke und engagierte betriebliche Interessenvertretung nicht erreicht. Dass der Betriebsrat bei uns so schlagkräftig ist, liegt maßgeblich auch an der starken gewerkschaftlichen Vertretung in unserem Betrieb. Dass ein Großteil der Kolleginnen und Kollegen Mitglied in der IG Metall ist, hilft uns bei der Betriebsratsarbeit sehr. Je stärker die Gewerkschaft in einem Unternehmen vertreten ist, umso besser kann der Betriebsrat funktionieren und umso größer sind die Mitbestimmungsmöglichkeiten der Belegschaft.

Die enge Zusammenarbeit und der kontinuierliche Kontakt mit der IG Metall Oranienburg sind sehr wichtig und hilfreich für uns. Die Kolleginnen und Kollegen der IG Metall-Geschäftsstelle Oranienburg sind jederzeit ansprechbar und helfen uns mit Rat und Tat, wenn wir Unterstützung brauchen, beispielsweise bei rechtlichen Fragen oder mit Infomaterial.

Die Tätigkeit als Betriebsrätin macht mir so viel Spaß, dass ich mich bei dieser Betriebsratswahl erneut habe aufstellen lassen.“

 

Maren Kuhnert, 52 Jahre, arbeitet seit 2015 als Sachbearbeiterin im Einkauf bei Diehl in Zehdenick. 2018 wurde sie in den Betriebsrat gewählt, dessen stellvertretende Vorsitzende sie seitdem ist. Die Betriebsratswahlen bei der Diehl Advanced Mobility GmbH in Zehdenick finden am 6. April 2022 statt.


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