22.04.2026 | Bei HQM Tubes in Massen und Tröbitz gibt es seit 2021 einen Haustarifvertrag. Um diesen wurde hart gerungen. Mitten in der Pandemie wurde ERA eingeführt. Aber es waren zwei Warnstreiks erforderlich, damit das Unternehmen die Regelungen umsetzt. Rund 200 Beschäftigte produzieren Bremsleitungen für die Automobilindustrie in Massen und in Tröbitz Edelstahlleitungskomponenten. Ein Interview mit Niels Riemann, Betriebsratsvorsitzender bei HQM Tubes in Massen und Zweiter Bevollmächtigter der IG Metall Südbrandenburg.
Bei HQM Tubes in Massen und in Tröbitz wird Mitte Mai gewählt. Warum so spät?
Niels: Bei HQM Tubes in Massen haben wir 2017 einen Betriebsrat gegründet – und 2018 auch in unserem Schwesterwerk in Tröbitz. Die beiden Werke liegen 25 Kilometer auseinander. Wir haben uns mit dem Arbeitgeber verständigt, dass wir im Zuge der Betriebsratswahl 2026 die beiden Betriebsräte zusammenlegen. Unsere Regelungen sind meist identisch, daher macht es auch Sinn, die beiden Gremien zusammenzulegen. Wir streben eine Persönlichkeitswahl an.
Ihr habt im Sommer 2021 einen Haustarifvertrag abgeschlossen. Wie kam es zu dieser ersten Tarifbindung?
Niels: Wir wollten ein gerechtes Entgeltsystem bei uns einführen. Da das nur mit Tarifvertrag gelingt, haben wir 2019 unseren Arbeitgeber zu Tarifverhandlungen aufgefordert. 2022 sollte die Eingruppierung der Beschäftigten erfolgen, dies wurde mehrmals verschoben. Daraufhin haben wir mit zwei Warnstreiks im November 2023 an unseren Standorten Druck gemacht. Wir haben dann die volle Inflationsausgleichsprämie verhandelt und erhalten monatlich 300 Euro on top seit 01.07.2024.
Wie ist das Interesse an den Betriebsratswahlen in eurer Belegschaft?
Niels: Das Thema Arbeitsplatzsicherheit und die Attraktivität eines Drei-Schicht-Betriebes sind die großen Themen. Keiner weiß, wohin es in Zukunft geht. Das wirkt sich schon auf die Kolleginnen und Kollegen aus. Schade ist, dass viele keine Lust mehr haben, zu diskutieren. Da gibt es nur ein Rezept: Gegensteuern mit persönlichen Gesprächen. So verstehen wir uns besser und wir finden schneller gemeinsam Lösungen.
Welche Themen diskutiert ihr derzeit?
Niels: Bei uns stehen Tarifverhandlungen an. Die Belegschaft diskutiert den zweiten Heranführungsschritt der ERA-Tabelle. Es wird auch über die Realisierung der Senkung der IRWAZ von derzeit 37,5 Stunden/Woche auf eine 35 Stunden Woche sowie neue Arbeitskleidung diskutiert. Wir sind hier bei HQM Tubes eine große Familie. Das ist eine große Stärke. Klar, wir streiten auch mal über Themen, aber raufen uns dann auch wieder zusammen.
Gibt es Erfolge als Betriebsrat, auf die ihr gerne schaut?
Niels: Ja, vor allem auf die Tarifbindung. Ich habe mich als Betriebsrat aufstellen lassen, weil wir hier Vollkonti gearbeitet haben. Das war sehr demotivierend und außerdem anstrengend. Das konnten mit dem Arbeitgeber regeln, indem wir die Produktivität der Anlagen gesteigert, bessere Arbeitsbedingungen geschaffen und trotz hohem Automatisierungsgrad nicht nur Arbeitsplätze gesichert, sondern auch neue geschaffen haben. Dafür haben wir mit dem Arbeitgeber Betriebsvereinbarungen geschlossen, die trotz aktiver und konstruktiver Gespräche mit Teils hitzigen Debatten zu guten Ergebnissen führten.
Die Seminare und Workshops der IG Metall haben uns Betriebsräten sehr geholfen. Wir konnten uns mit anderen Betriebsräten austauschen und haben viel nützliches „Werkzeug“ mitgenommen, um Themen zu bearbeiten.
Wie gestaltet ihr euren Wahlkampf?
Niels: Wir führen wegen der Zusammenlegung der Betriebsratsgremien aktive Wahlkampfveranstaltungen durch, um unsere Kandidierenden standortübergreifend vorzustellen. Zusätzlich reden wir mit den Kolleginnen und Kollegen im persönlichen Gespräch über die Betriebsratswahl.
Wie läuft die Zusammenarbeit bei euch in Südbrandenburg?
Niels: In Südbrandenburg sind wir eine sehr besondere Region. Wir haben sehr viel Fläche, sehr viele kleine Betriebe und dadurch auch viele Haus- und Anerkennungstarifverträge. Wenn die Flächen-Tarifrunde beendet ist, beginnen die Haustarifverhandlungen hier in der Region. Dann fängt unsere Arbeit erst an. Wir arbeiten als IG Metall-Betriebsräte gut miteinander und tauschen uns intensiv auch über die Betriebe hinaus aus.
Hintergrund: Die HQM Tubes produziert mit rund 200 Beschäftigten an den Standorten Massen und Tröbitz in Brandenburg einbaufertige Bremsdruckleitungen und Edelstahl-Leitungssysteme, insbesondere für die Automobilindustrie. Das Unternehmen ist auf die Entwicklung, Herstellung und Montage von Rohrleitungssystemen spezialisiert.
Das Interview führte Andrea Weingart.