IG Metall/Bezirk

"Zeit, dass sich was dreht!" - Metallerinnen debattierten über Arbeit, Leben und die Zeit dafür

  • 22.06.2016
  • md
  • Aktuelles, Frauen, Vereinbarkeit Familie und Beruf

Wie verteilen wir unsere Zeit auf unsere Arbeit und unser Leben? Welche Arbeitszeit ist richtig, damit Frauen und Männer eine gute Balance zwischen beiden Welten finden? In der Debatte darüber tat sich ein weites Feld auf, das die Metallerinnen aus Berlin, Brandenburg und Sachsen auf ihrer Konferenz am Mittwoch in Leipzig kräftig umpflügten.

Foto: IG Metall

Zum Auftakt beglückwünschte Bezirkssekretärin Nele Heß drei Spitzenfrauen des IG Metall-Bezirks: Stefanie Jahn zur Neuwahl als Erste Bevollmächtigte der IG Metall Potsdam und Oranienburg sowie Regina Katerndahl, IG Metall Berlin und Esther Block, IG Metall Ostbrandenburg, zur Wiederwahl als Zweite Bevollmächtigte ihrer Geschäftsstellen. "Wir arbeiten konsequent weiter daran, dass künftig noch mehr Frauen in Spitzenpositionen der Geschäftsstellen gewählt werden. Das Potenzial dafür haben wir im Bezirk", sagte Nele Heß.

 

In der Diskussion kamen die Metallerinnen schnell auf den Punkt: Uns geht es um Zeit und Geld. Und daraus ergibt sich auch die Antwort auf die Fragen: Wer pflegt, wer macht den Haushalt und wer die Karriere?

 

Frauen wollen arbeiten, na klar! Aber...

Die Erwerbsquote der deutschen Frauen ist die zweithöchste in Europa, sagte Angelika Kümmerling von der Universität Duisburg/Essen. Dabei habe Ost einen Vorsprung vor West. Dies, so die Metallerinnen, liege auch am insgesamt geringeren Entgeltniveau in den neuen Ländern. Auch die Frage, wer mehr Arbeit für die Familie verrichtet, entscheide sich am Geld. Und da geht es nicht mehr um traditionelle Rollenbilder, berichtete eine Teilnehmerin: „Ich verdiene mit Metall-Tarif recht gut, und so war klar, dass mein Freund, der im Gesundheitsbereich für weniger Geld arbeitet, wegen der Kinder auf Teilzeit gehen.

 

Dass dies noch selten ist, so Angelika Kümmerling, liegt auch daran, dass Beschäftigte zu wenig Souveränität über ihre Zeit haben: Zu viele Überstunden, vor allem bei Männern, die zudem nicht komplett bezahlt würden, zu wenig Flexibilität der Arbeitgeber, wenn es um die Interessen der Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen geht. Fazit: Die 30-Stunden-Woche für alle ist besser als 40 bzw. 20 Wochenstunden für Männer und Frauen, wie es derzeit im Trend liegt.

 

„Hier setzt unsere neue Arbeitszeitkampagne an“, sagte Iris Becker, Ressortleiterin für Frauen und Gleichstellungspolitik beim IG Metall-Vorstand. Die deutschen Arbeitgeber müssten einen Kulturwandel vollziehen, unterstrich sie. Dies sei auch ökonomisch sinnvoll, denn würde das Potenzial der Frauen in der Wirtschaft besser genutzt, könnte die Wertschöpfung der deutschen Industrie um 200 Milliarden Euro jährlich steigen.

 

Bekenntnis gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Ausgrenzung

Aus Sachsen kommt die Initiative Aufstehen gegen Rassismus, der die Bezirksfrauenkonferenz einstimmig ihre Unterstützung zusagte. Die Zwickauer Gewerkschaftssekretärin Franziska Wolf berichtete über die Ausbildung von "Stammtischkämpferinnen" im Rahmen der Initiative. "Es geht darum, die Lufthoheit über den Stammtischen zu erobern. Diskriminierung von Menschen muss tabu sein", sagte sie unter dem Beifall der Bezirksfrauenkonferenz.