Tag der betrieblichen Entgeltgerechtigkeit

Was verdient die Frau? Wirtschaftliche Unabhängigkeit!

  • 09.10.2015
  • md
  • Aktuelles, Frauen, Vereinbarkeit Familie und Beruf

Es gibt eine unerträgliche Entgeltlücke zwischen Männern und Frauen. Das Problem anpacken bringt mehr als Anklagen, sagten Gewerkschafterinnen, Politikerinnen und Sozialforscherinnen am Freitag auf einer Fachtagung des DGB in Berlin. Jedes Jahr wird vom Jahresende zurückgerechnet, ab wann Frauen bei gleicher Tätigkeit quasi unentgeltlich arbeiten. 2015 ist am 9. Oktober der Tag der betrieblichen Entgeltgleichheit, der auf die Diskriminierung von Frauen bei Lohn und Gehalt aufmerksam macht.

Fotoaktion des DGB-Projekts. Foto: DGB

Was verdient die Frau? Die Antwort ist gefunden: Wirtschaftliche Unabhängigkeit, selbstbestimmte Arbeitszeiten, faires Entgelt, Vereinbarkeit von Beruf und Familie. »Die Frage ist, wie wir das umsetzen können«, sagte die stellvertretende DGB-Vorsitzende Elke Hannack auf der Tagung, zu der rund 120 Frauen und Männer gekommen waren. »Wo Gewerkschaften aktiv sind, ist die Lohnlücke zwischen Frauen und Männer kleiner«, unterstrich sie.

 

97 Prozent der jungen Frauen wollten erwerbstätig sein, streben eine lebenslange wirtschaftliche Unabhängigkeit an. Doch der gesellschaftliche Rahmen behindere diese Lebensentwürfe. So könne ein Drittel aller erwerbstätigen Frauen von ihrem Arbeitsentgelt nicht leben. 50 Prozent können sich und ein Kind nicht allein durchbringen.

 

Die Forschung gibt der Politik eindeutige Fakten an die Hand, sagte Prof. Jutta Allmendinger aus Berlin. »Das Modell des männlichen Ernährers der Familie ist unpopulär geworden«, sagte sie. Die hohe Erwerbsneigung junger Frauen sei in den zurückliegenden acht Jahren konstant geblieben, eine Re-Traditionalisierung habe nicht stattgefunden. Vielmehr bestehe darüber ein breiter Konsens zwischen jungen Männern und Frauen. »Männer wollen eine niedrige Vollzeit, also weniger arbeiten. Frauen wollen auch eine niedrige Vollzeit, aber mehr arbeiten«, weiß sie aus eigenen soziologischen Untersuchungen.

 

Gute Ansätze, fand auch Ralf Kleindieck, Staatssekretär im Bundes-Familienministerium, das das Projekt gemeinsam mit dem DGB führt. Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist für zwei Drittel der jungen Paare ein Ziel. Doch nur 15 Prozent schaffen das. Selbst wenn es familiär partnerschaftlich zugeht - etliche gesellschaftliche Strukturen stünden dem noch entgegen. Deshalb strebe sein Ministerium gesetzliche Regelungen an, mit denen zum Beispiel der Anspruch auf Rückkehr aus Teilzeit- in Vollzeitbeschäftigung oder Familienarbeitszeiten durchgesetzt werden können. Und, so betonte er, die Aufwertung sozialer Berufe durch bessere Bezahlung gehört dazu.

 

 

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