Azubis haben mit Tarif mehr im Portemonnaie

22.01.2015 | Die tariflichen Ausbildungsvergütungen sind im Jahr 2014 zum dritten Mal in Folge kräftig gestiegen. Zu diesen Ergebnissen kommt das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) in der Auswertung der tariflichen Ausbildungsvergütungen für das Jahr 2014. In Betrieben, die keinen Tarifvertrag anwenden wird bis zu 20 Prozent weniger bezahlt. Dort fehlen den Azubis dann bis zu 160 Euro pro Monat!

Schaubild BIBB / eigene Ergänzungen - Im Handwerk gibts deutlich weniger

In der Pressemitteilung des BIBB heißt es: 802 € brutto im Monat verdienten die Auszubildenden durchschnittlich in Westdeutschland. Das ist ein Plus gegenüber dem Vorjahr um 4,6 %. Der Zuwachs fiel damit noch stärker aus als 2013 mit 4,1 %.


Tariflohn gibt es nicht automatisch
In der dualen Berufsausbildung ist jeder Betrieb gesetzlich verpflichtet, seinen Auszubildenden (nur) eine angemessene Vergütung zu zahlen (§17 Berufsbildungsgesetz). In den meisten Branchen schließen die Tarifpartner (Arbeitgeber und Gewerkschaften) daher Vereinbarungen über die Ausbildungsvergütungen ab. Wenn im Betrieb kein Tarifvertrag gilt, hat man auch keinen Anspruch auf eine Tarifvergütung.

 

Ohne Tarif 20 Prozent weniger

Tarifgebundene Betriebe müssen ihren Auszubildenden mindestens die jeweiligen tariflichen Vergütungssätze zahlen. Nicht tarifgebundene Betriebe können dagegen die in ihrer Branche und Region festgelegten tariflichen Ausbildungsvergütungen nach derzeitiger Rechtsprechung um bis zu 20 % unterschreiten. Die Höhe der tatsächlich gezahlten Ausbildungsvergütungen hängt somit stark von der tariflichen Regelung ab.

In Ostdeutschland stiegen die tariflichen Ausbildungsvergütungen um 4,1 % auf durchschnittlich 737 € im Monat. Prozentual fiel die Erhöhung aber etwas schwächer aus als 2013 mit 5,0 %.

 

Henne-Ei-Problem?
In Berufen mit dem größten Bewerbermangel - zum Beispiel im Lebensmittelhandwerk, der Gastronomie oder der Reinigungsbranche - ließen sich 2014 allerdings nur vereinzelt überdurchschnittliche Anhebungen der tariflichen Ausbildungsvergütungen durch das BIBB beobachten.

 

Warum will da niemand mehr hin? Stimmt die Arbeitszeit? Welche berufliche Entwicklung gibt es da? Wie hoch ist die Vergütung? Das sind wichtige Fragen, sagt die IG Metall. Wer Tarifeinkommen will, muss dafür was tun. Das Mindeste ist Mitglied der Gewerkschaft zu werden, die den Tariflohn auch aushandelt.

Das BIBB ermittelte die durchschnittlichen Vergütungen für 179 Berufe in West- und 156 Berufe in Ostdeutschland. In diesen Berufen werden 88 % der Auszubildenden ausgebildet. Das BIBB führt die Auswertung seit 1976 jährlich zum Stichtag 1. Oktober durch.

Mehr dazu gibt es im Internetangebot des BIBB unter:

<link http: www.bibb.de ausbildungsverguetungen-2014 external-link-new-window externen link in neuem>www.bibb.de/ausbildungsverguetungen-2014


Eine Gesamtübersicht über die für 2014 ermittelten Vergütungsdurchschnitte in den erfassten Berufen ist abrufbar unter <link http: www.bibb.de ausbildungsverguetung external-link-new-window externen link in neuem>www.bibb.de/ausbildungsverguetung


Von: bg