Gillette: Nächste Produkt-Generation in Berlin gesichert

06.03.2015 | Gillette bleibt in Berlin. Der US-Konzern Procter & Gamble investiert in den kommenden Jahren im Werk in Tempelhof. Die Beschäftigung und die 35-Stunden-Woche sind auf Jahre gesichert, die Verlagerung von Produktion nach Polen ist vom Tisch – dank eines neuen Tarifvertrags zur Zukunftssicherung, den IG Metall und Geschäftsführung schlossen.

Foto: Transit Berlin, Polentz

Der neue Tarifvertrag tritt am 1. April 2015 in Kraft und gilt mindestens bis Ende März 2020.

 

Seit Herbst 2014 hatten Betriebsrat und IG Metall um einen Kompromiss für den Standort gerungen. Herausgekommen ist: Die Beschäftigten verzichten auf rund vier Prozent ihres Einkommens – vorwiegend aus übertariflichen Zulagen. Der Konzern investiert im Gegenzug mindestens 80 Millionen Euro. »Am Standort sollen weiterhin die bisherigen Produktfamilien Venus, Mach3 und Fusion sowie künftig das Nachfolgeprodukt ’NextGen’ produziert werden«, heißt es in dem neuen Tarifvertrag.

 

Was ist noch geregelt?

Zu Beginn der Verhandlungen hatte die Arbeitgeberseite unter anderem vorgeschlagen, die tarifliche Wochenarbeitszeit deutlich zu erhöhen und übertarifliche Zulagen über mehrere Jahre massiv abzuschmelzen. Zudem hat die Arbeitgeberseite die Einführung eines neuen Organisationsmodells vorgeschlagen, das einen erheblichen Stellenabbau zur Folge gehabt hätte. Die betriebliche Tarifkommission der IG Metall hatte eigene Forderungen zur Sicherung des Standorts, der Beschäftigung und der Entgelte der Beschäftigten erhoben und alternative Einsparpotenziale aufgezeigt.

 

Bis Juni 2017 müssen in dem Werk in Tempelhof mindestens 750 und bis März 2020 mindestens 670 Menschen beschäftigt werden. Betriebsbedingte Kündigungen sind in den kommenden fünf Jahren ausgeschlossen.

 

Trotzdem wird Personal abgebaut: Ein bereits laufendes Abfindungsprogramm soll die Zahl der Beschäftigten um 250 auf 750 senken. Der Konzern mit Hauptsitz in Boston lässt sich das freiwillige Ausscheiden etwas kosten: Für jedes Jahr Betriebszugehörigkeit gibt es bis zu 1,5 Monatsgehälter. Procter& Gamble, einer der größten Konsumgüterhersteller der Welt (Wella, Wick, Duracell oder Braun gehören unter anderem dazu), hatte Gillette Berlin vor zehn Jahren übernommen. Seit Jahren gibt es Verlagerungen aus diesem wichtigsten Werk in Europa nach Lodz.

 

 

Neue Produktgeneration aus Berlin

Für die kommende Produktgeneration hatten die Manager IG Metall und Belegschaft mit einem Kostenvorteil von 124 Millionen Euro für  Lodz gegenüber Berlin konfrontiert. Der Kompromiss schließt diese Lücke um die Hälfte, also 62 Millionen Euro. Das reichte aus, schließlich hätte ein weitergehender Personalabbau in dem tarifgebundenen Betrieb ebenfalls Millionen gekostet.

 

Die Arbeitnehmer sind mit dem Kompromiss der IG Metall einverstanden. Denn bei Gillette gibt es noch übertarifliche Sonderleistungen, die bis auf alte West-Berliner Zeiten zurückgehen – etwa eine Frühschichtzulage oder einen Entgeltaufschlag nach Betriebszugehörigkeit. Diese schrumpfen nun, bis die vier Prozent erreicht sind.

 

Zudem sind die Jobs für die nächsten Jahre sicher, und ein extrem schmerzliches Begehren des Arbeitgebers wurde abgewehrt: Es bleibt bei der 35-Stunden-Woche – eine tarifliche Errungenschaft, die die Metaller bei Gillette sich nicht nehmen ließen.

Von: md