Abschied

Olivier Höbel verabschiedet sich nach 16 Jahren als Bezirksleiter

  • 14.01.2020
  • Aktuelles

Am 14. Januar legte Olivier Höbel nach 16 Jahren die Leitung des Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen nieder. Mit einem Brief verabschiedet er sich von allen Kolleginnen und Kollegen im Bezirk.

Olivier Höbel. Foto: Frank Schnelle

Der Brief im Wortlaut:

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

heute möchte ich mich von Euch verabschieden. Wir sind eine lange Wegstrecke miteinander gegangen. Fast 16 Jahre seit dem Frühjahr 2004. Als ich die Verantwortung übernahm, waren die Betriebsräte und Vertrauensleute, die Belegschaften und Verwaltungsstellen der IG Metall noch geprägt von den Erfahrungen und Zumutungen des Systemwechsels der deutschen Einheit und des radikalen Strukturbruchs durch die Treuhand-Politik. Es herrschte Massenarbeitslosigkeit und mit der Agenda 2010 waren harte politische Entscheidungen gegen die Arbeitnehmer und die Gewerkschaften getroffen worden.

Im Jahr 2003 hatten wir nach einem harten Kampf unseren Streik um die Angleichung der Wochenarbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie verloren. Der Kampf um die soziale Einheit Deutschlands bestand für uns immer im Kampf um gute Arbeitsbedingungen, Tarifverträge und Mitbestimmung. Ein Großteil der Arbeitgeber hat bis heute ihren Frieden mit diesen für die demokratische Entwicklung unseres Landes so wichtigen Errungenschaften nicht gemacht. Unsere gemeinsame Wegstrecke war insofern eine unablässige Reihenfolge von betrieblichen Kämpfen und sozialen Auseinandersetzungen, von den Streiks um den Erhalt von CNH und BSH in Berlin bis zu Halberg Guss und der langen Kampagne um die 35-Stundenwoche im Osten.

Heute übernimmt eine jüngere Generation zunehmend die Verantwortung – und die Stichworte sind Transformation, Digitalisierung, Energie und Verkehrswende. Die Herausforderungen sind andere, aber der Kampf um Gute Arbeit, Tarifverträge und Mitbestimmung und die soziale Einheit Deutschlands und Europas bleibt. Nach den Jahren der großen Arbeitslosigkeit und der Mitgliederverluste sind wir heute ein Bezirk mit guten Erfolgen bei der Mitgliederentwicklung und stabilen Geschäftsstellen.

Es schmerzt mich, dass wir trotz großen Engagements vieler aktiver Mitglieder und der Belegschaften unser Ziel der Angleichung der Wochenarbeitszeit nicht erreichen konnten. Wir werden weiter beharrlich daran arbeiten müssen, die Verweigerungshaltung der Arbeitgeber zu überwinden.

Die Kraft und die Zeit eines jeden Einzelnen ist begrenzt. Das gilt auch für mich. Ich habe in den 16 Jahren auf zahllosen Delegiertenversammlungen, Streikversammlungen, Tarifkommissionen und Veranstaltungen gesprochen. Ich habe mit Euch an Feuertonnen gestanden und in Gremien über wichtige Entscheidungen diskutiert.

Nicht alles ist gelungen, aber wir haben für zahllose Betriebe die Tarifbindung erkämpft, für Kolleginnen und Kollegen Arbeitsbedingungen verbessert. Damit haben wir die soziale Einheit verteidigt und sind dabei stärker geworden.

Ich danke allen für Eure Solidarität, Euren Mut und Euer Engagement und wünsche Euch Stärke, Glück und Erfolg bei allen Kämpfen und weiteren Wegen.

Euer
Olivier Höbel


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