19. September 2014: Mercedes-Beschäftigte empört über Verkauf aller Vertriebsgesellschaften in Ostdeutschland - IG Metall erwartet Sicherungszusagen

  • 23.09.2014
  • Aktuelles

Der Autobauer Mercedes-Benz will seine konzerneigenen Vertriebsgesellschaften in Ostdeutschland komplett verkaufen. Dies wurde am Donnerstagnachmittag per Rundmail allen Mitarbeitern mitgeteilt. Betroffen sind über 1.500 Beschäftigte der sechs Mercedes-Benz-Niederlassungen in Rostock, Schwerin, Magdeburg, Dresden, Leipzig sowie Berlin. Die Erfurter Tochter Russ & Janot stand bereits seit Mai zum Verkauf. Der vollständige Rückzug der Mercedes Benz Vertriebsgesellschaft mbH (MBVG) aus Ostdeutschland kommt völlig überraschend. Noch letzte Woche wurde von den Betriebsräten an einem wirtschaftlich wirksameren Alternativkonzept mit Sachverständigen und der IG Metall gearbeitet, um eine Neuausrichtung der Niederlassungen zu unterstützen. Gestern sollte es in Berlin vorgestellt werden. Stattdessen wurde der Wirtschaftsausschuss nach Stuttgart bestellt und bekam den Rückzug aus dem ostdeutschen Vertrieb von Mercedes-Benz serviert.

Zwar gäbe es bereits ein nicht genanntes Unternehmen mit Interesse an allen Standorten, doch während sich Betriebsrat und Unternehmensleitung bei der Daimler AG im Westen auf ein Eckpunktepapier zur Abmilderung der Auswirkungen der Strukturveränderungen verständigt haben, gibt es für die neuen Länder bislang keine Absprachen oder Perspektiven. Betriebsräte und IG Metall fühlen sich an der „Nase herumgeführt“ und äußerten sich vor Ort empört zu den Verkaufsplänen.

Beschäftigte und Betriebsräte akzeptieren nicht, eiskalt abserviert zu werden. Auch bei einem Verkauf werden wir schlechtere Bedingungen oder den Abbau von Beschäftigten nicht hinnehmen. Stattdessen fordern wir klare Zusagen für alle Standorte und Arbeitsplätze sowie die Festschreibung bisheriger Arbeitsstandards“, sagte Joachim Fichtner, zuständiger Projektsekretär für Daimler-Benz bei der IG Metall Bezirksleitung Berlin-Brandenburg-Sachsen.

Ab heute sind Betriebsversammlungen geplant, in denen weitere Informationen erwartet werden. Am 24. September berät der Gesamtbetriebsrat das weitere Vorgehen.