22. November 2007: Gesund bleiben statt kaputt schuften - Fachtagung „Herausforderung Demografie in der ostdeutschen Stahlindustrie“

  • 23.11.2007
  • ew

Die Situation ist dramatisch: Das Altersteilzeitgesetz läuft aus, das Rentenalter steigt auf 67 Jahre. Doch die Arbeitsbedingungen in der ostdeutschen Stahlindustrie sind hart, kaum jemand hält bis zur gesetzlichen Rente durch. 68 Prozent der Arbeiter malochen auch nachts, in der gesamten Wirtschaft sind es nur 18 Prozent. Viele arbeiten in Schichten rund um die Uhr, an Wochenenden und Feiertagen. Scheiden die Beschäftigten vorzeitig aus, droht ihnen Altersarmut.

 

Untersuchungen belegen, dass die ostdeutsche Stahlindustrie vom demografischen Wandel in besonderer Weise betroffen ist. Die Belegschaften in den ostdeutschen Stahlunternehmen werden immer älter. Fast jeder dritte Beschäftigte ist bereits über 50, bald wird es jeder zweite sein.

 

Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, erklärte mit Blick auf die kommende Tarifrunde in der ostdeutschen Stahlindustrie Anfang 2008:

„Die IG Metall will den Älteren gesundes Arbeiten bis zur Rente ermöglichen, Wege zum früheren Ausscheiden eröffnen und jungen Menschen eine bessere Beschäftigungsperspektive geben. Wir fordern gezielte Arbeitszeitverkürzungen, z.B. altersabhängig oder schichtbezogen und konkrete Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeitsbedingungen in den Unternehmen.“

 

Dies soll auf Grundlage der im September 2006 abgeschlossenen Tarifvereinbarungen zur Gestaltung des demografischen Wandels in der ostdeutschen Stahlindustrie geschehen.

 

Die Teilnehmer der Fachtagung fordern in einer an die Bundesregierung gerichteten Resolution entsprechende politische Rahmenbedingungen für flexible Altersübergangsmodelle ein.

 

Dazu gehören die Beibehaltung der Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit bei Einstellung Jüngerer bzw. Übernahme von Auszubildenden, der Erhalt der Steuer- und Abgabenfreiheit von Aufstockungsbeträgen zur Altersteilzeit sowie der Ausgleich von Rentenabschlägen bei fehlenden Erwerbsjahren durch den Arbeitgeber.