IG Metall-Aktionstag

24. September 2015: 70 Prozent der Firmen lagern ihre Arbeit über Werkverträge aus

  • 24.09.2015
  • lj
  • Aktuelles

Mit einem bundesweiten Aktionstag an diesem Donnerstag prangert die IG Metall den Missbrauch von Werkverträgen an und macht in den Betrieben der Automobilhersteller für ein Gesetz gegen den Missbrauch von Werkverträgen mobil. Regionale Schwerpunkte sind Kundgebungen in Leipzig mit Porsche und BMW sowie Mercedes-Benz in Berlin.

Laut einer Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten vom Mai dieses Jahres lagern 70 Prozent der Unternehmen in Berlin, Brandenburg und Sachsen ihre Arbeit in Werkverträge aus. In jedem fünften Betrieb haben Werkverträge zugenommen und in jedem zweiten Betrieb wurden durch Fremdvergabe Stammarbeitsplätze ersetzt.

Besonders beunruhigend ist aus Sicht der Betriebsräte, dass die Arbeits- und Entgeltbedingungen in den beauftragten Werkvertragsunternehmen sichtbar schlechter sind als in den Unternehmen, die die Aufträge auslagern: 58 Prozent der befragten Betriebsräte beantworten dies mit „Ja“. Ausreichende Einflussmöglichkeiten gibt es nicht, denn Werkverträge sind von der Mitbestimmung ausgenommen. So gibt es nur in sieben Prozent der Betriebe Vereinbarungen mit den Betriebsräten, in denen die Auslagerung der Aufträge vorher geregelt wurde. Fehlende Mitbestimmung sorgt auch für schlechtere Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Werkvertragsunternehmen: Nur in 18 Prozent der Werksvertragsbetriebe gibt es einen Tarifvertrag.

Anlässlich des Aktionstags fordert IG Metall-Bezirksleiter Olivier Höbel: »Wir erwarten bessere Mitbestimmungsmöglichkeiten für die Betriebsräte bei Aus- und Verlagerungen sowie klare gesetzliche Kriterien, was einen Werkvertrag von Leiharbeit oder Soloselbständigkeit unterscheidet. Die Betriebe stehen zudem in der Pflicht, auch im Interesse einer nachhaltigen Fachkräftegewinnung, gut bezahlte Erwerbstätigkeit in Vollzeit zu erhalten und nicht ihre Kerngeschäfte auszugliedern.«

Mit Beginn des Aktionstages zeigt die IG Metall im Berliner Verkehrsnetz einen Spot im „Berliner Fenster“, um auf das Thema aufmerksam zu machen. IG Metall-Betriebsräte haben die Bundesregierung an diesem Montag (21. September) in zahlreichen großen Tageszeitungen aufgerufen, die im Koalitionsvertrag angekündigten Gesetze gegen den Missbrauch von Werkverträgen konsequent umzusetzen.