26. Januar 2007: Betriebliche Protestaktion gegen die Rente mit 67 bei, BMW-Werk in Leipzig

  • 30.01.2007
  • ew

BMW-Beschäftigte erteilen der Rente mit 67 klare Absage

Am Morgen haben mehr als 700 Beschäftigte des BMW-Werkes in Leipzig aus Protest gegen die Rentenpläne der Bundesregierung die Arbeit nieder gelegt.

Mehr als 1500 Beschäftigte aus Betrieben in Leipzig haben sich an einer Fragebogenaktion zur „Rente mit 67“ beteiligt. Danach lehnen 99,3 Prozent der Befragten die geplante Erhöhung des Renteneintrittsalters kategorisch ab.

39,8 Prozent der Befragten erwarten persönliche Rentenabschläge, 21,7 Prozent gehen davon aus, tatsächlich bis 67 Jahre arbeiten zu müssen und 38,6 Prozent befürchten einen Anstieg der Arbeitslosigkeit.

Auf die Frage, wie sich in den letzten Jahren die Arbeits- und Leistungsbedingungen an ihren Arbeitsplätzen verändert haben, äußerten lediglich 55,5 Prozent, dass diese sich verbessert hätten, 9,7 Prozent sagen, diese hätten sich verschlechtert und 34,7 Prozent gaben keine Veränderungen an.

96,0 Prozent der Befragten meinen, dass eine Beschäftigung an ihrem Arbeitsplatz bis zum 67. Lebensjahr nicht möglich sei.

Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, sagte hierzu: „Kaum einer erreicht heute das gesetztlichen Renteneintrittsalter von 65 Jahren, weil er krank und kaputt ist. Bis 67 Jahren können noch weniger durchhalten. Wer aber vorzeitig ausscheiden will, kann das ohne Altersteilzeit frühestens mit 63 Jahren. In Zukunft muss er dann Rentenabschläge von bis zu 14,4. Prozent in Kauf nehmen. Die Rente mit 67 betrifft aber auch die Jungen. Über Altersteilzeit für Ältere erhöhen sich für sie die Chancen auf den Einstieg in einen festen Job. Auch deshalb muss es eine Verlängerung der Altersteilzeit geben. Eine Anhebung des Renteneintrittsalters ist entschieden unsozial für Alt und Jung.“

Das Altersteilzeitgesetz ermöglicht bislang einen gleitenden Übergang in die Rente, so dass man mit 58, 59 oder 60 Jahren in die Freistellungsphase kommt und aus dem Betrieb ausscheiden kann. Nach den Beschlüssen der Bundesregierung sind seit dem ersten Januar 2007 neue Altersteilzeitverträge praktisch nicht mehr möglich.

2,4 Prozent der Befragten bis Jahrgang 1951 nehmen heute die Altersteilzeit in Anspruch, weil die gültigen Tarifverträge für die Metall- und Elektroindustrie maximal fünf Prozent der Beschäftigten eines Betriebes einen individuellen Anspruch auf Altersteilzeit gewähren. Aber 96,2 Prozent der Befragten ab Jahrgang 1952 würden diese Regelung in Zukunft gerne in Anspruch nehmen.

 

Die IG Metall führt Ende Januar eine bundesweite Aktionswoche gegen die Rentenpläne der Großen Koalition durch.