Tag gegen prekäre Beschäftigung am 7. Oktober

5. Oktober 2015: Mehr als die Hälfte bezahlen schlecht: Werkverträge werden zur Lohnsenkung missbraucht

  • 05.10.2015
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  • Aktuelles

Tag gegen prekäre Beschäftigung am 7. Oktober

Mehr als die Hälfte bezahlen schlecht: Werkverträge werden zur Lohnsenkung missbraucht

Anlässlich des internationalen Tags gegen prekäre Beschäftigung am 7. Oktober geht die IG Metall mit Aktionen in vielen Betrieben gegen den Missbrauch von Werkverträgen vor und fordert sichere sowie faire Arbeit für alle.

Laut einer Umfrage der IG Metall unter Betriebsräten in Berlin, Brandenburg und Sachsen vom Mai dieses Jahres sind die Arbeits- und Entgeltbedingungen in den beauftragten Werkvertragsunternehmen bei 58 Prozent der befragten Betriebsräte sichtbar schlechter als in den Unternehmen, die die Aufträge auslagern. 70 Prozent aller Unternehmen lagern ihre Arbeit in Werkverträge aus. In jedem fünften Betrieb haben Werkverträge zugenommen und in jedem zweiten Betrieb wurden durch Fremdvergabe Stammarbeitsplätze ersetzt.

IG Metall-Bezirksleiter Olivier Höbel warnt vor weiterem Missbrauch von Werkverträgen: »Wir haben in der Verleihbranche mit viel Einsatz anständige Einkommen für die Leiharbeiter in der Metall-, Holz- und Textilwirtschaft durchgesetzt. Wenn jetzt erneut Stammbeschäftigte abgebaut werden, um bisherige Tätigkeiten möglichst billig in Werkverträge auszulagern, werden wir dies ebenfalls nicht tatenlos hinnehmen!« Als ein besonders negatives Merkmal vieler Werkvertragsfirmen kritisierte Höbel die »völlig unzureichende Ausbildungsbereitschaft.«

Die IG Metall fordert den Gesetzgeber auf, endlich mit gesetzlichen Regelungen Ordnung auf dem Arbeitsmarkt herzustellen. Notwendig seien insbesondere eine Verpflichtung der Arbeitgeber, die Betriebsräte über den Einsatz von Werkverträgen zu informieren sowie eine erweiterte Mitbestimmung der Betriebsräte. So gibt es nur in sieben Prozent der Betriebe Vereinbarungen mit den Betriebsräten, in denen die Auslagerung der Aufträge vorher geregelt wurde. Fehlende Mitbestimmung sorgt auch für schlechtere Rahmenbedingungen für die Beschäftigten in den Werkvertragsunternehmen: Nur in 18 Prozent der Werksvertragsbetriebe gibt es einen Tarifvertrag.

»Wir erwarten jetzt klare gesetzliche Kriterien, was einen Werkvertrag von Leiharbeit oder Soloselbständigkeit unterscheidet«, forderte Höbel. Die Betriebe stünden zudem in der Pflicht, auch im Interesse einer nachhaltigen Fachkräftegewinnung gut bezahlte Erwerbstätigkeit in Vollzeit zu erhalten sowie Ausbildungsplätze sicherzustellen und nicht ihre Kerngeschäfte auszugliedern.