Pressekonferenz am 14. März 2007: "Sozialreport Zeitarbeit"

  • 12.03.2007
  • ew

IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen hat einen „Sozialreport Zeitarbeit“ erstellt. Er analysiert die Ausbreitung der Zeitarbeit und beschreibt die Erfahrung der Betroffenen.

Die Pressekonferenz zum „Sozialreport Zeitarbeit“ findet am

 

14. März 2007 um 11.00 Uhr

im Hotel „Maritim“, Stauffenbergstr. 26, 10785 Berlin,

Salon 11 „Madrid“ in der 1. Etage

 

statt.

 

Als Gesprächspartner stehen Ihnen zur Verfügung:

 

Jürgen Peters, 1. Vorsitzender der IG Metall

Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen

Andrea Weingart, Büro für Kommunikation, Berlin

Bodo Grzonka, Zeitarbeitsexperte der IG Metall

 

Thema: 

 

Sozialreport Zeitarbeit

Die Zeitarbeitsbranche erlebt in Deutschland einen Höhenflug. Die Zahl der Mitarbeiter ist binnen Jahresfrist um 32 Prozent auf den Höchststand von 600.000 im Jahr 2006 gestiegen. Die Zeitarbeitsfirmen werben mit flexiblen Arbeitsverhältnissen, die abwechslungsreich und zeitgemäß seien. Die Politik freut sich über jeden Beschäftigten, der nicht mehr in der Arbeitslosenstatistik auftaucht. Doch die Menschen, die als Leiharbeiter beschäftigt sind, fühlen sich häufig als Mitarbeiter zweiter Klasse. Zugleich versuchen Arbeitgeber, die vergleichsweise teure Stammbelegschaft durch den Einsatz von Leiharbeitern unter Druck zu setzen und tarifliche Standards abzusenken. Die Ausbreitung der Zeitarbeit ruft die Gewerkschaften auf den Plan. Ziel ist es, dem Grundsatz „gleiches Geld für gleiche Arbeit“ Geltung zu verschaffen. Als Ausgangspunkt für die Auseinandersetzung hat der IG Metall Bezirk Berlin-Brandenburg-Sachsen den  „Sozialreport Zeitarbeit“ erstellt. Er analysiert die Ausbreitung der Zeitarbeit und beschreibt die Erfahrungen der Betroffenen – bei BMW in Leipzig, Daimler-Chrysler in Ludwigsfelde oder Siemens in Berlin. Aus dem Inhalt:

 

Leiharbeit als Dauerzustand

Anders als früher wird Zeitarbeit nicht mehr vorwiegend genutzt, um Produktionsspitzen abzufedern. Immer öfter sind sie fest eingeplanter Bestandteil der Belegschaft. Das zeigen Beispiele wie das BMW-Werk Leipzig. Hier liegt der Anteil der Zeitarbeiter bei 30 Prozent. Der Betriebsrat von Infineon in Dresden kritisiert, dass feste Stellen systematisch in Zeitarbeiterjobs umgewandelt wurden.

 

Zeitarbeiter als Billiglöhner

Die Leiharbeiter werden nach BZA-Tarif (Bundesverband Zeitarbeit Personal-Dienstleistungen) bezahlt und erhalten dadurch im Vergleich zu den Kollegen, die nach Metalltarifen bezahlt werden, bis zu 50 Prozent weniger Lohn für gleiche Arbeit. Auch bei Zulagen wie Urlaubsgeld oder bei der Betriebsrente steht der Festangestellte in aller Regel deutlich besser da als der Kollege auf Zeit. Am Wochenende setzen die Entleihbetriebe Zeitarbeiter besonders gerne ein: Sie bekommen kaum Zuschläge.  

 

Zusätzliche Fahrtkosten

Leiharbeiter haben durch wechselnde Arbeitsstätten oft lange Anfahrtswege. Die Fahrtkosten können nicht immer mit dem Arbeitgeber abgerechnet werden. Wer mit einem Stundenlohn von unter sieben Euro auskommen muss, dem droht so Armut trotz Arbeit.

 

Ungleichbehandlung am Arbeitsplatz

Nicht nur die Entlohnung, auch die ungleiche Behandlung am Arbeitsplatz untermauern das Gefühl der Zeitarbeiter, Mitarbeiter

zweiter Klasse zu sein.

Ein Karosseriebauer im Leipziger BMW-Werk berichtet im Sozialreport, seine Zeitarbeitsfirma habe ihm als Arbeitskleidung trotz Sommerhitze wöchentlich nur ein T-Shirt zur Verfügung gestellt.

BMW-Beschäftigte erhalten ausreichend Arbeitskleidung, die Zeitarbeitsfirma spart daran. So sind die Leiharbeiter schon von weitem als solche zu erkennen.

 

Keine Mitsprache

Das Gefühl der Zweitklassigkeit erleben Zeitarbeiter auch, weil sie im Vergleich zu Festangestellten fast keine Möglichkeiten haben, auf Betriebsabläufe Einfluss zu nehmen. Ein Mitarbeiter der Zeitarbeitsfirma berichtet, dass er in seinem Betrieb besonders schwere Ware bewegen muss, für die eigentlich Spezialanlagen bereit stehen, die allerdings nur die Festangestellten bedienen können. Der Einsatz der Anlagen sei langwieriger und teurer als der Einsatz von Leiharbeitern. „Also werden wir modernen Sklaven nach vorne geschickt und müssen unsere Gesundheit aufs Spiel setzen“, sagt der Logistiker, der anonym bleiben will. Wer sich weigere, werde als „nicht teamfähig“ weggeschickt. „Das ist das Totschlag-Argument gegen alle unbequemen, selbstbewussten Leiharbeiter.“

 

ZOOM – Netzwerk für Zeitarbeiter

Bereits 2004 hat die IG Metall ein Netzwerk ins Leben gerufen, um Menschen in Zeitarbeit mit Arbeitnehmervertretungen ins Gespräch zu bringen. ZOOM steht für „ZeitarbeiterInnen – Ohne Organisation Machtlos“. Das Netzwerk informiert Zeitarbeiter über ihre Rechte und bietet ihnen eine Kommunikationsplattform: www.igmetall-zoom.de