Statement

Steven Kempe

Betriebsratsvorsitzender, Benseler in Frankenberg

"Ist es gerecht, dass ich 40 Stunden in der Woche arbeiten muss und weniger Zeit für meine Familie habe, nur weil mein Betrieb keine Tarifbindung hat?"

"Unsere Forderung: Es darf keine unbezahlten Überstunden mehr geben. Es darf kein Unterschied gemacht werden, ob jemand ein Studium gemacht hat - oder eine Anlerntätigkeit ausübt. Keiner sollte unbezahlt Überstunden leisten müssen.

Wir arbeiten in einem nicht-tarifgebundenen Unternehmen. Aus der Belegschaft kam die Forderung, dass wir eine Tarifbindung wollen. Wir setzen uns für einen Haustarifvertrag ein. Bisher ist es uns allerdings noch nicht gelungen. Wir haben schon drei Warnstreiks gemacht und haben dem Arbeitgeber mitgeteilt, dass wir in Tarifverhandlungen eintreten wollen. Bisher blockiert die Unternehmensleitung.
Bei uns ist die Arbeitszeit höher. Wir arbeiten aktuell 40 Stunden in der Woche. Unser Ziel ist es, im ersten Schritt auf die 38-Stunden-Woche runterzukommen. Das Drei-Schichtsystem ist schwer mit 40 Stunden zu organisieren.

Ein weiteres Thema ist bei uns die Flexibilisierung von Arbeitszeit. Wir wollen es so organisieren, dass unsere Kollegen auch ihre Familien und Freunde sehen können und gleichzeitig die Produktion sichergestellt wird. Wir setzen uns hier für ein besseres Miteinander ein.

Im Angestelltenbereich gibt es natürlich einen anderen Anspruch an die Arbeitszeit. Themen sind hier die Gleitzeitkonten und der Verfall von Arbeitszeit. Nicht bezahlte Überstunden hochrechnen, ergibt eine deutliche Anzahl an Tagen, die man mehr arbeitet.

Ist es gerecht, dass ich 40 Stunden in der Woche arbeiten muss, nur weil mein Betrieb keine Tarifbindung möchte?"

Benseler ist Spezialist für Oberflächenbeschichtung und Entgratung mit rund 400 Beschäftigten  am Standort. Das Unternehmen ist Zulieferer der Automobilindustrie. Der Sitz der Benseler Holding ist Markgröningen bei Stuttgart. Alle acht Standorte in Deutschland haben keine Tarifbindung.